Skandal um Lager, wo friedliche Muslime gefangen und gefoltert werden

Skandal um Lager, wo friedliche Muslime gefangen und gefoltert werden

Ehemalige Lagerinsassen erzählen von den schrecklichen Erlebnissen, die sie in Umerziehungslagern für Muslime machten, in denen sie interniert und gefoltert wurden. Laut Bericht sollen Hunderttausende von Menschen in der Provinz Xinjiang im äußersten Westen Chinas in derartigen Lagern festgehalten werden.

 

Kayrat Samarkand hat kürzlich in der Washington Post berichtet, dass er im November vergangenen Jahres verhaftet wurde, weil er Muslim sei. Der Kasache wurde drei Tage lang verhört und gedemütigt, bevor er drei Monate lang in ein Umschulungslager im äußersten Westen Chinas in der Provinz Xinjiang kam. Dort musste Kayrat Samarkand tagtäglich stundenlang kommunistische Propaganda rezitieren und, wie er in einem Interview erzählt, Loblieder auf den chinesischen Präsidenten Xi Jinping singen. Er wurde einer regelrechten Gehirnwäsche ausgesetzt und schwer erniedrigt. Er berichtet, dass „Gefangene, die gegen die Regeln verstoßen, ihren Dienst nicht absolvieren, sich schlagen oder zu spät zum Unterricht kommen, bis zu zwölf Stunden lang Hand- und Fußschellen tragen müssen“.  

Den Angaben Kayrat Samarkands nach sollen an die 5700 Personen im Lager von Karamagay interniert sein. Bei den meisten Lagerinsassen handelt es sich um Uiguren und Kasachen. Diese Angaben wurden von Omir Bekali bestätigt, der in Urumtschi (der Hauptstadt von Xinjiang) arbeitete, bevor ihn die Polizei im März 2017 in Shanshan festnahm, wo er seine Eltern besuchte.

Omir Bekali wurde vier Tage lang verhört und bekam Schlafentzug. Danach blieb er sieben Monate in einer Polizeizelle inhaftiert, bevor er 20 Tage noch in ein Lager in Karamay kam – ohne Beistand eines Anwalts und ohne jemals verurteilt worden zu sein.

Schweinefleisch und Alkohol zur Bestrafung

Kayrat Samarkand und Omir Bekali berichten, dass sie nur selten Fleisch zu essen bekamen. Beide litten verschiedentlich an Lebensmittelvergiftungen und wurden manchmal dazu gezwungen, Schweinefleisch zu essen, obwohl ihre Religion ihnen das verbietet. Nach Aussage von Omir Bekali wurden die als religiöse Extremisten geltenden Lagerinsassen als Bestrafung auch dazu gezwungen, Alkohol zu trinken.

Letztendlich konnte die kasachische Regierung die Freilassung von Omir Bekali bewirken. Kayrat Samarkand wurde nach drei Monaten zu seiner Frau und seinen Kindern nach Kasachstan entlassen. Doch vorher hat die chinesische Regierung noch sein Haus und seine Ersparnisse im Wert von ca. 160.000 Euro beschlagnahmt. An der Grenze hat ihm die Polizei 500 Yuans ausgehändigt. Das sind umgerechnet an die 66 Euro.

In einem am 15. Mai in Deutschland veröffentlichten Bericht gab Adrian Zenz von der Europäischen Schule für Kultur und Theologie von Korntal bekannt, dass derzeit vielleicht 900.000 bis 1 Million Muslime in ähnlichen „Umerziehungslagern“ in der Provinz Xinjiang interniert sind.

• Sophie Kausch
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