Warum und wie schnurren Katzen?

Warum und wie schnurren Katzen?

Da liegt sie mit geschlossenen Augen, lässt sich genüsslich kraulen und schnurrt zufrieden vor sich hin. Katzen haben die Gabe, in Glück aufzugehen, sich voll und ganz dem Wohlbehagen hinzugeben. Doch hat ihr Schnurren wirklich immer etwas mit Wohlbefinden zu tun? Und wie macht sie eigentlich dieses faszinierende Geräusch? Beschäftigen wir uns doch einmal etwas näher mit dem Phänomen.

Obwohl wir alle schon einmal eine Katze beim Schnurren beobachtet haben, hat dieses Geräusch doch immer wieder etwas Faszinierendes an sich. Wie macht sie das? Wie entsteht dieses summende, brummende, surrende Geräusch? Allem Anschein nach mobilisieren unsere Fellknäuel schon ab dem frühesten Alter ihr Stimmorgan zum Erzeugen dieser Töne, denn selbst Katzenbabys schnurren schon. Doch nicht nur unsere Hauskatze schnurrt, auch Wildkatzen und Raubkatzen geben schnurrende Geräusche von sich. 

Wie erzeugen Katzen dieses schnurrende Geräusch? 

Bei der Hauskatze soll das Schnurren von der Reibung der Atemluft und den dadurch entstehenden Vibrationen des Zungenbeinligaments zwischen Schlüsselbein und Kehle der Katze entstehen. Und das sowohl beim Einatmen als auch beim Ausatmen. Manche Wissenschaftler behaupten dagegen, es sei auf schnelle Kontraktionen der Muskeln des Kehlkopfes und des Zwerchfells der Katze zurückzuführen. Diese würden die Stimmbänder der Katze zum Schwingen bringen und so das charakteristische Schnurrgeräusch erzeugen.

Dieser Theorie nach ist ein besonderes Neuronensystem der Katzen für alle dreißig Sekunden auftretende Kehlkopfkontraktionen verantwortlich. Diese sollen eine Bewegung der Glottis verursachen und für ein paar Millisekunden den Vokaltrakt der Katze blockieren. Durch den entstandenen Druck auf die Stimmbänder soll sich die Stimmritze öffnen und Luft durchlassen, wodurch nach LiveScience das Schnurrgeräusch entsteht. 

Einer anderen Hypothese nach soll das in der Lunge und in der Hauptschlagader pulsierende Blut in Verbindung mit der Aktion bestimmter Muskeln das Schnurren bewirken, das von den Bronchien, der Luftröhre und den Stirnhöhlen der Tiere dann noch verstärkt wird.

Andauerndes Schnurren?

Das würde bedeuten, dass unsere Pelzknäuel ständig schnurren und nur Lautstärke und Intensität des Phänomens kontrollieren, während wir den Eindruck haben, sie schnurren nur ab und zu. Zunahme der Intensität und des Geräuschs sollen in engem Zusammenhang mit ihrem emotionalen Zustand stehen.

Das Schnurren ist von Vorteil für die Katze

„Wenn sich das Schnurren im Laufe der Evolution nicht verloren hat, dann muss es für das Tier auch von einem ganz bestimmten evolutiven Vorteil sein“, meint der Schnurrtherapie-Experte Jean-Yves Gauchet. Das Schnurren wird hauptsächlich mit Wohlbehagen in Verbindung gebracht. Junge Kätzchen schnurren, während sie bei der Mutter trinken, und kommunizieren auf diese Art mit ihr. Später dann kommunizieren Katzen so untereinander, aber auch mit dem Menschen. Es ertönt vor allem dann, wenn das Tier eine untergeordnete Rolle einnimmt.

So schnurren Katzen, um einer dominanten Katze ihre friedlichen Absichten mitzuteilen. Das Schnurren wirkt als beruhigendes Signal und übernimmt sozusagen die Rolle einer weißen Flagge. Katzen haben ein sehr ausgeprägtes soziales Verhalten. Dem Biologen und Leiter der Wildlife Conservation Research Unit der Universität Oxford, Professor David W. Macdonald, nach, sollen Katzen auch in Gruppen leben und organisiert sein.

Gewöhnlich schnurren Katzen aus Wohlbehagen, um mitzuteilen, dass es ihnen gut geht, dass sie glücklich sind oder gestreichelt werden wollen. Katzen schnurren auch, wenn sie um die Beine ihrer Menschen streichen und um etwas betteln. Doch es kommt auch vor, dass sie schnurren, wenn sie gestresst, erschrocken, krank oder verletzt sind. Die durch das Schnurren erzeugten Vibrationen werden von Mechanorezeptoren der Haut wie den Vater-Pacini-Körperchen registriert.

Diese wiederum lösen die Produktion von Endorphinen aus und versetzen die Katze in einen Zustand der Beruhigung und des Wohlbefindens. So kann die Katze ihre Schmerzen lindern und sich von ihrer Verletzung oder Krankheit erholen.

Großkatzen schnurren nur beim Ausatmen

Während Kleinkatzen (Felinae) wie unsere Hauskatze und zahlreiche andere kleine Raubkatzen wie Luchs, Puma und Geparden schnurren, schnurren Großkatzen wie der Löwe nicht bzw. nur beim Ausatmen. Das kommt daher, dass Großkatzen (Panterini) wie Tiger, Löwe, Leopard, Jaguar und Panther ein anders gebautes Zungenbein haben. Sie haben ein elastisches Zungenbein und kein verknöchertes wie die Katze. Daher schnurren sie nicht, können aber dafür brüllen.

1916 teilte der britische Zoologe Reginald Innes Pocock die Katzen in nicht schnurrende Panterini und schnurrende Felinae ein. Zu den schnurrenden Felinae wie unseren Hauskatzen zählt er unter anderem den Puma, den Luchs und den Ozelot. Im Gegensatz zu den Kleinkatzen schnurren Großkatzen nicht. Doch noch so manch andere Raubtiere können schnurren! Nur haben die wenigsten Gelegenheit, das auch zu hören!

Jedenfalls geben auch noch andere Fleischfresser wie die zu den Schleichkatzen gehörenden Ginsterkatzen und Genetten (Genetta) und die Kleinbären wie der Waschbär und der Nasenbär dem Schnurren ähnliche Laute von sich. Braun- und Schwarzbärenjunge schnurren beim Fressen. Kaninchen, Eichhörnchen, Tapire, Elefanten und Waschbären ebenfalls.   

Wenn das Schnurren dem Menschen hilft

Das Schnurren ist dem Wohlbefinden der Katze förderlich. Doch nicht nur! Es hat auch eine wohltuende Wirkung auf die mit der Katze zusammenlebenden Menschen. Das behaupten zahlreiche Wissenschaftler: Das Schnurren wirke „beruhigend wie ein Medikament, nur ohne Nebenwirkungen“. Katzenexperte Jean-Yves Gauchet erklärt weiter: „Wenn der Organismus mit peinlichen Situationen wie Stress konfrontiert ist, dann wirkt der Klang des Katzenschnurrens beruhigend und wohltuend, ganz ähnlich wie Musik.“

Die Katze baut also Stress ab. Dazu noch kann sie gestreichelt werden und lässt mit sich spielen. Das macht sie zu einem idealen Begleiter für Senioren, zum Beispiel in Altersheimen. Dort kann sie alten Menschen Gesellschaft leisten, sie trösten und beruhigen. Und das macht auch den Erfolg der aus Japan kommenden Katzenbars und Katzencafés aus, in denen nicht nur konsumiert, sondern auch nach Herzenslust mit Katzen gespielt und geschmust werden kann. Sie halten so langsam auch bei uns Einzug. Das erste Katzencafé Deutschlands ist der Katzentempel in München. In solchen Katzencafés kann nicht nur gespielt und gestreichelt werden, sondern es gibt auch gleich wertvolle Informationen über Katzen. Eine gute Gelegenheit, genüssliche Momente in Samtpfotengesellschaft zu verbringen!

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• Sophie Kausch
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