Kaum jemand weiß, dass Ohrenschmalz nicht immer gelb sein muss

Kaum jemand weiß, dass Ohrenschmalz nicht immer gelb sein muss

Je nach Herkunft einer Person variiert die Konsistenz und die Farbe von Ohrenschmalz. Wir erklären, wieso das so ist und weshalb dieser Fakt den Talg in unseren Ohren zu einem Frühwarnsystem für Krankheiten macht. 

Dass Ohrenschmalz nicht einfach nur eine eklige Laune der Natur ist, weißt du bestimmt. Das Sekret verhindert, dass Wasser in unser Ohr dringt, wirkt antibakteriell, hält mit seinem Geruch Insekten fern und transportiert Staub, Schmutz und abgestorbene Hautschuppen vom Innenohr zur Ohrmuschel. Um den Ohrenschmalz nicht an seiner Funktion zu behindern, solltest du deshalb wissen, wie du deine Ohren richtig reinigst

Die Aufgabe von Ohrenschmalz ist bei allen Menschen auf der Welt die gleiche, dessen Konsistenz und Farbe variiert jedoch. Während bei Europäern und Afrikanern das Ohrenschmalz klebrig und gelb ist, haben Menschen aus Ostasien sowie die Ureinwohner Nordamerikas trockenes, fast staubiges und weißes Zerumen in den Ohren.

Ohrenschmalz als Gegenstand der Forschung

Wieso sich das Ohrenschmalz von Europäern und Asiaten unterscheidet, weiß die Forschung schon seit längerer Zeit. Verantwortlich dafür ist das Chromosom 16, respektive ein sich darauf befindliches Gen mit dem Namen ABBCC11. Variationen des Gens entscheiden, ob eine Person nasses oder trockenes Ohrenschmalz hat.

Doch obwohl Wissenschaftler die Lösung für diesen ethnischen Ohrenschmalz-Unterschied bereits gefunden haben, bleibt das Körpersekret Gegenstand der Forschung. Und das hat mit unserem Achselgeruch zu tun, respektive mit dem oben erwähnten Gen ABBCC11.

Ohrenschmalz - ein bisher vernachlässigtes Körpersekret

Gen ABBCC11 ist nicht nur für Konsistenz und Farbe von Ohrenschmalz verantwortlich, sondern auch für die Produktion von Achselgerüchen. Diese können, ähnlich wie ein DNA-Test etwas über die persönliche Identität eines Menschen verraten. Die Geruchsmoleküle geben nämlich Aufschluss über Geschlecht, sexuelle Orientierung und Gesundheitszustand eines Menschen.  

Weil Achselgeruch und Ohrenschmalz beide mit dem Gen ABBCC11 in Verbindung gebracht werden, geht man davon aus, dass auch Ohrenschmalz, oder vielmehr sein Geruch persönliche Informationen über seinen Träger preisgeben kann. Beispielsweise wo er herkommt, oder was er gegessen hat.

Da bisherige Forschungen gezeigt haben, dass anhand von Achselgeruch eine Vielzahl an Informationen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung und Gesundheitszustand über eine Person gesammelt werden kann, gehen die Forscher davon aus, dass auch die Geruchsmoleküle im Ohrenschmalz etwas über die persönliche Identität eines Menschen verraten kann.

Ohrenschmalz hat hohes Potenzial als Informationsquelle

Tatsächlich ist es mittlerweilen gelungen, zwei geruchsbildende Erkrankungen mittels Ohrenschmalz zu diagnostizieren, bevor sie überhaupt im Blut nachgewiesen oder im Urin analysiert werden konnten. Die sogenannte Ahornsirupkrankheit und Alkaptonurie. Für die menschliche Nase sind solche Geruchsmoleküle, die auf Krankheiten hindeuten nicht wahrnehmbar, doch spezielle Verfahren ermöglichen es die Duftmoleküle aus dem Ohrenschmalz zu abstrahieren und zu analysieren.

Na, jetzt wirst du das gelbliche, oder vielleicht auch weißliche Wachs in deinem Ohr wohl mit anderen Augen betrachten, oder?

• Sophie Kausch
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