Umoja (Kenia): Aus einem bestimmten Grund leben in diesem Dorf keine MännerUmoja (Kenia): Aus einem bestimmten Grund leben in diesem Dorf keine Männer
Umoja (Kenia): Aus einem bestimmten Grund leben in diesem Dorf keine Männer
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Umoja (Kenia): Aus einem bestimmten Grund leben in diesem Dorf keine Männer

In Kenia gibt es ein Dorf mit dem Namen „Umoja“. Das Besondere an dem afrikanischen Dorf? Aus einem bestimmten Grund lebt hier kein einziger Mann! Begebt euch mit uns ans andere Ende der Welt und entdeckt dieses faszinierende Dorf!

Im Norden Kenias, etwa 380 Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt, liegt das Dorf Umoja. Seine Besonderheit: Es wird nur von Frauen bewohnt. Männer sind seit seiner Gründung strengstens verboten.

Ein Dorf, das zusammenhält

Die Gründung des afrikanischen Dorfes geht auf das Jahr 1991 zurück, als eine Gruppe von Frauen aus der Samburu-Gemeinschaft beschließt, sich zu vereinen und ihr eigenes Dorf zu errichten, um sich vor Angriffen zu schützen. Auf Suaheli bedeutet Umoja „Einheit“.

Ihre Geschichte ist tragisch. Sie wurden von britischen Soldaten vergewaltigt, gelten als entehrt, werden abgelehnt und von ihren Männern geschlagen, bevor sie von ihren Gemeinden verstoßen werden.

47 Frauen und 200 Kinder

„In der Samburu-Gemeinschaft ist es immer die Frau, die viel arbeitet. Sie wacht früh auf, gegen 3 Uhr morgens, arbeitet den ganzen Tag und geht erst gegen 23 Uhr ins Bett. Der Mann hingegen schläft, wann immer er will und so viel er will. Wenn er aufwacht, fragt er nach Frühstück, holt anschließend das Vieh auf die Weide und schläft unter einem Baum“, sagt eine der Frauen in der 2008 entstandenen Dokumentation Umoja: das Dorf, in dem Männer verboten sind.

An der Spitze dieser Gemeinschaft von 47 Frauen und 200 Kindern steht Rebecca Lolosoli, eine wahrhaft starke Frau. Sie hat die Idee eines Dorfes, das ausschließlich aus Frauen besteht, als sie im Krankenhaus liegt. Mehrere Männer haben sie geschlagen, weil sie es gewagt hat, in ihrem Dorf über die Rechte der Frauen zu sprechen. Noch heute erhält sie Dutzende von Morddrohungen.

Masai-Krieger zum Schutz des Dorfes

Die Männer der umliegenden Dörfer lassen keine Gelegenheit aus, ihre Wut zum Ausdruck zu bringen. Die Samburu-Gemeinschaft ist zutiefst patriarchalisch und die Männer können es nicht ertragen, wenn ihre Frauen Unabhängigkeit erlangen und sie sich selbst überlassen sind, vor allem wenn sie noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben.

Regelmäßig versuchen Gruppen von Männern, in Umoja einzudringen, die dort lebenden Frauen zu entführen, zu schlagen oder zu töten. Eine Frau stirbt 2005 und deshalb werden Masai-Krieger angeheuert, um das Dorf nachts zu schützen.

Das System funktioniert

Aber was die Männer am meisten stört, noch mehr als die Unabhängigkeit ihrer Frauen, ist, dass deren Wirtschaftssystem funktioniert. Umoja basiert auf einer 100% partizipativen Demokratie, da dort nur wenige Frauen leben.

Dank internationaler Hilfe ist es ihnen gelungen, der Bildung Priorität einzuräumen. Den Jungs wird Gleichberechtigung quasi in die Wiege gelegt und sie lernen schon in der Schule, dass sie nicht über den Frauen und Mädchen stehen.

Die Verbannung des Patriarchats

Patriarchalische Traditionen werden aus dem Dorf verbannt: Kleine Mädchen werden nicht beschnitten und nicht gezwungen, Männer zu heiraten, die drei, vier oder fünf mal so alt sind wie sie. Das Dorf ist zu einem Zufluchtsort für Frauen geworden, die einem Leben als Gefangene entfliehen wollen.

Die Frauen von Umoja sind keine Amazonen im eigentlichen Sinne. Sexuelle Beziehungen sind erlaubt, müssen aber außerhalb des Dorfes stattfinden. Und auch auf sexueller Ebene bleibt die Aufklärung eine Priorität.

Respekt vor dem eigenen Körper entwickeln

"Wir bringen Frauen bei, sich selbst zu respektieren, ihren Körper zu respektieren, vor allem, sich vor AIDS zu schützen. Sie müssen verstehen, dass sie das Recht haben, Sex abzulehnen, ohne Angst zu haben, geschlagen oder vergewaltigt zu werden", sagt Rebecca Lolosoli.

Umoja ist in Kenia und in der Welt im Moment noch relativ unbekannt. Aber Rebecca Lolosoli's Entschlossenheit hat bereits viel für die Frauen in Afrika bewirkt. Es bleibt jedoch noch viel zu tun, bis ein echtes Umdenken bei den Samburu-Männern stattfinden wird.

Von der Redaktion

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