Impfen - ja oder nein? Argumente auf den Prüfstand gestellt

Impfen - ja oder nein? Argumente auf den Prüfstand gestellt

Wer aufmerksam verschiedene Medien beobachtet, wird feststellen, dass Impfungen nicht selten mit ideologischen Argumenten ausdiskutiert werden. Gerade Mütter und Väter, bei denen Schutzimpfungen für Kinder anstehen, fühlen sich da schnell verunsichert und alleingelassen. Wichtig dürfte hier vor allem ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema sein, denn wissenschaftliche Fakten sprechen für sich. Sie werden nur selten wirklich gehört. Wir versuchen, die wichtigsten Punkte nachvollziehbar darzustellen.

In unserer modernen Gesellschaft sind wir nur selten bis gar nicht mit wirklich existenziellen Risiken befasst. Schwere Infektionskrankheiten sind vor allem in den Industriestaaten merklich zurückgegangen. Da könnte man fast meinen, das Problem sei gelöst und es gäbe keine Notwendigkeit, Impfungen vorzunehmen. Dass dies zu kurz gedacht und grob fahrlässig ist, zeigt allein der Erfolg flächendeckender Schutzimpfungen im Kindesalter. Die Stelle in Deutschland, die Bescheid wissen muss, ist das Robert Koch-Institut (RKI).

Impfungen sind das beste Mittel zur Prävention

Diskussionen rund um die Wirksamkeit von Impfungen sind nicht neu. Schon 1874 wurde mit Einführung des Reichsimpfgesetzes eine verpflichtende Pockenschutzimpfung zum Standard - und zum Gegenstand massiver Kritik. Ein Grund dafür, weshalb Impfungen so kontrovers diskutiert werden, hängt sicherlich damit zusammen, dass v.a. Kinder betroffen sind.

Kritiker sehen v.a. die Interessen der Pharmabranche und bezweifeln, dass Impfungen tatsächlich einen Vorteil bringen. Hierauf gibt es nur eine klare Antwort: Impfstoffe werden nur zugelassen, wenn ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit nachgewiesen wurden. Vorklinische Untersuchungen ebenso wie klinische Prüfungen sind notwendig; das Paul-Ehrlich-Institut entscheidet über Zulassung oder Nichtzulassung. Die Tatsache, dass Masern weltweit erfolgreich zurückgedrängt werden konnten, ist ein klarer Beleg der Wirksamkeit eines seit Jahrzehnten eingesetzten Impfstoffes.

Einige Impfstoffe schützen lebenslang, andere müssen aufgefrischt werden

Ein Kritikpunkt, der häufig angeführt wird: Wenn Impfungen tatsächlich wirksam wären, warum müssen bestimmte Schutzimpfungen dann regelmäßig erneuert werden? Als Antwort darauf könnte man sich z.B. die Grundimmunisierungen bei Masern, Mumps und Röteln ansehen - wer als Kind zweimalig mit dem Kombinationswirkstoff geimpft wurde, hat nachweislich einen lebenslangen Immunschutz.

Anders sieht es bei Keuchhusten, Polio, Tetanus oder Diphterie aus. Hier ist für fünf bis zehn Jahre ein Grundschutz gegeben, bei Grippeimpfungen ist gar jedes Jahr eine Auffrischung empfohlen. Genauso wenig, wie Menschen nach erstmaliger Infektionskrankheit immun sind, so müssen auch Impfstoffe unterschiedlich bewertet werden. Viele davon verlaufen tödlich, was klar für Schutzimpfungen mit nachgewiesener Wirksamkeit spricht.

Warum erkranken Menschen trotz Impfung?

Wie bei allem im Leben, so bieten auch Impfungen keinen absolut hundertprozentigen Schutz. Selbst das beste Medikamente kann bei einzelnen Menschen nicht anschlagen. Ein Punkt zugunsten von Impfungen ist aber, dass damit das Risiko einer Erkrankung deutlich gesenkt wird. Gerade bei Kinderschutzimpfungen ist es so, dass der Körper erst langsam einen Immunschutz aufbauen muss. Das setzt voraus, dass die Auffrischung rechtzeitig erfolgt und dass der Körper auch tatsächlich das nötige Schutzniveau aufgebaut hat.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, werden Kinderschutzimpfungen nach klarer Abfolge wiederholt - erst danach kann man von einem dauerhaften Schutz ausgehen. Andererseits gibt es auch Impfstoffe, die „lediglich" einen schweren Erkrankungsverlauf verhindern. Bei solchen BCG-Impfungen (Tuberkulose) besteht dann eine deutlich höhere Überlebenschance, zurückzuführen auf Schutzimpfungen.

„Kinder müssen abgehärtet werden!" - Gilt das auch bei potenziell tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten?

Viele Eltern haben eine klare Vorstellung, wie sie ihr Kind erziehen - und werden beeinflusst durch Erlebnisse, Geschichten oder wahrhaftige Entwicklungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Nicht selten kommt es dann zur Schlussfolgerung, bestimmte Infektionskrankheiten „gehörten dazu" und seien Teil des Entwicklungsprozesses. Mit derselben Argumentationsweise könnte man sagen, Kinder werden Weltklasse-Schwimmer, wenn man sie nur früh genug und lange genug ohne Schutz ins offene Meer werfen würde.

Klar ist, dass Impfungen das Immunsystem stimulieren und damit Abwehrkräfte stärken, die überlebenswichtig sind. Auch ist nicht jedes Kind mit anderen vergleichbar, zu stark spielen genetische Faktoren und andere Dinge eine Rolle. Schließlich leben Menschen mitunter Jahre oder Jahrzehnte mit Krankheitserregern, ohne einen Ausbruch zu erleben - andere wiederum sterben recht früh an vermeintlich harmlosen Infektionen.

Hohe Impfquoten schützen uns alle vor schwerwiegenden Infektionskrankheiten

Die Tatsache, dass es in Deutschland eine Ständige Impfkommission (RKI) gibt und eine hohe Impfquote erreicht werden soll, kommt uns allen zugute. Gerade Babys und Kleinkinder sind anfällig und Infektionserregern in Krippe, KiTa und Co. schutzlos ausgeliefert, wenn nicht rechtzeitig Impfungen durchgeführt werden. Die Geschichte zeigt, dass flächendeckend durchgeführte Schutzimpfungen Millionen von Menschenleben gerettet haben. Die moderne Medizin verlängert damit das Leben aller Menschen, da bestimmte Krankheiten so selten auftreten, die früher noch ganze Generationen dezimiert haben.

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Und nun? Impfungen retten Leben und sind notwendig!

Ein kritischer Blick auf Impfungen ist wichtig, schließlich zählen diese zu den häufigsten medizinischen Eingriffen überhaupt. Es wäre nur ratsam, keine Entscheidung überstürzt zu treffen - je mehr Informationen ich habe, desto bessere Entscheidungen kann ich treffen. Auf den Seiten des Robert Koch Instituts finden sich typische Kritikpunkte widerlegt, umfassende Hintergrundinformationen und vieles mehr zum Thema. Das hilft, etwas Spannung aus dem Konflikt zu nehmen und wissenschaftlich fundierte Zahlen sprechen zu lassen. 

Simone Haug
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