Wunderbaum trägt bis zu 40 verschiedene Obstsorten pro Jahr
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Wunderbaum trägt bis zu 40 verschiedene Obstsorten pro Jahr

Von der Redaktion

Dem amerikanischen Kunstprofessor Sam Van Aken ist etwas ganz Besonderes gelungen. Er hat einen Baum gepflanzt, der mehr als eine Obstsorte pro Jahr trägt. Deutlich mehr...

Ein jeder weiß: Pflaumen wachsen auf Pflaumenbäumen, Pfirsiche auf Pfirsichbäumen und Aprikosen auf Aprikosenbäumen. Baum ist Baum! Und wer dreierlei Früchte in seinem Garten ernten will, der muss sich schon die Mühe machen, drei verschiedene Baumsorten zu pflanzen. Es sei denn, er findet einen Baum, der dreierlei Früchte hervorbringt. Doch ist das überhaupt möglich? Dem Amerikaner Sam Van Aken ist das gelungen.

Der Baum bringt jedes Jahr Dutzende verschiedene Steinobstsorten hervor

Sam Van Aken ist Kunstprofessor an der Syracuse University im US-Bundesstaat New York. Ihm ist es gelungen, einen Baum zu züchten, der jedes Jahr Dutzende verschiedener Steinobstsorten hervorbringt und mehrmals im Jahr blüht. Genauer gesagt: 40 verschiedene Steinobstsorten. Unter anderem wachsen im Laufe eines Jahres Früchte wie Pfirsiche, Pflaumen, Aprikosen, Nektarinen, Kirschen und sogar Mandeln auf dem Baum. Der Name des einzigartigen Baumes ist Tree of 40 fruits“, wörtlich übersetzt „Baum der 40 Früchte“.

Zur Erhaltung eines Obstgartens

Es beginnt im Jahr 2008. Der Kunstprofessor erfährt, dass der Obstgarten der landwirtschaftlichen Experimentierstation von New York aus finanziellen Gründen geschlossen werden soll. In dem Obstgarten gibt es bis zu 150 und 200 Jahre alte Obstbäume mit verschiedensten Steinobstsorten. Der Kunstprofessor will sich mit diesem Verlust nicht abfinden und beschließt kurzerhand den Experimentiergarten zu kaufen.

Sam Van Aken ist auf einem Bauernhof in Reading im US-Bundesstaat Pennsylvania aufgewachsen. Als Farmerkind ist er mit dem Anbau und der Veredelung von Obstbäumen vertraut. Er beschließt auf dem riesigen Gelände 250 Obstbäume genauer zu beobachten und erstellt einen Kalender für die Bäume, der darüber Auskunft gibt, wann genau welcher der Bäume blüht.

Einen Teil dieser Obstbäume nimmt er in die engere Wahl und beginnt damit, einen Wurzelstock mit Edelreißern zu pfropfen - sprich die Pflanze künstlich zu vermehren. Er lässt das veredelte Gewächs zwei Jahre lang in Ruhe wachsen. Nach Ablauf der zwei Jahren setzt er die künstliche Fortpflanzung fort, mit der sogenannten Chipveredelung. Dadurch fügt er der Pflanze noch weitere Sorten hinzu. Dazu werden die Äste im Bereich der Veredelungsstellen von seitlichen Trieben gesäubert und mit keilförmigen Einschnitten versehen, in die dann passend geschnittene schlafende Augen anderer Edelreiser eingepasst werden.

Die derart mit Edelreisern verschiedener Obstbäume gepfropften Äste des „Arbeitsbaums“ bleiben den Winter über umwickelt, damit die Pfropfen anwachsen und „heilen“ können. Wenn alles gut geht, kann der Zweig dann im Frühling etwas zurückgeschnitten werden, um die Knospen anzuregen, wie normale Triebe zu wachsen. Sam Van Aken wiederholt den Vorgang mehrmals: 5 Jahre lang und mit einer kleinen Anzahl von Bäumen. So gelingt es ihm im Laufe der Zeit, mehrere der „Bäume der 40 Früchte“ zu schaffen.

Ein Baum, der jeden Frühling und jeden Sommer überrascht

Mit Hilfe dieser Technik bringt jeder Ast des so bearbeiteten Baumes eine andere Steinobstsorte hervor. Dabei überlässt der Künstler nichts dem Zufall. Er weiß sehr wohl, in welcher Reihenfolge die Äste blühen und hat die Wirkung des in Blüte stehenden Baumes mit Voraussicht geplant: „Beim Veredeln der Bäume mit Edelreisern verschiedener Steinobstsorten habe ich auf die Reihenfolge geachtet und die Wirkung des in Blüte stehenden Baumes mit einberechnet“, gibt der Professor in einem Interview mit Epicurious.com an.

Den größten Teil des Jahres über sieht der Baum so aus wie jeder beliebige Obstbaum. Doch sobald er in Blüte steht, ist er völlig verwandelt. Im Frühling erstrahlt der Hybridbaum in den verschiedensten Farbtönen: mit rosa, weißen, roten und violetten Blüten. Insgesamt hat der Professor bis zum heutigen Tag 16 dieser wunderbaren Bäume geschaffen.

Doch was steckt hinter dem Projekt? Ich betrachte den Baum in erster Linie als Kunstwerk. Er soll mit dem Alltag brechen und ihn verändern. Wenn der Baum ganz unerwartet in den verschiedensten Farben erblüht oder wenn im Sommer auf einmal die unterschiedlichsten Früchte an seinen Zweigen hängen, dann verändert das auch die Betrachtungsweise des Betrachters“, erklärt Van Aken.

Seltene Sorten, die vom Aussterben bedroht sind

Im Laufe des Projekts kommen dem Künstler noch andere Argumente und Botschaften, die er weitergeben will, insbesondere hinsichtlich der derzeitigen Anbau- und Produktionsmethoden und ihrer Auswirkungen. „Als ich versucht habe, meine Auswahl für die verschiedenen Steinobstsorten zum Schaffen meines „Baums der 40 Früchte“ zu treffen, da ist mir aus vielerlei Gründen bewusst geworden, dass wir aufgrund der Industrialisierung des Anbaus und der Schaffung riesiger Monokulturen die Vielfalt unserer Lebensmittel und so viele alte heimische Sorten verlieren“, fügt er hinzu.

Geschmack, Form und Farbe unserer Lebensmittel werden immer mehr den Ansprüchen der Verbraucher angepasst. „Ich habe [diesen Baum] als Gelegenheit gesehen, Sorten zu erhalten, die zu verschwinden drohten“, erklärt Sam Van Aken. Die von ihm kreierten Bäume hat er an verschiedenen Orten gepflanzt, wo er sie zweimal pro Jahr besucht. Und die Menschen, die er damit beglückt hat, sind begeistert.

Von den Leuten, die so einen Baum haben, habe ich gehört, dass er eine Vielfalt an Früchten in vernünftigen Mengen hervorgebracht hat. Anstelle nur einen Baum mit nur einer Sorte zu haben, auf dem mehr wächst, als sie essen können, bringt dieser Baum nach und nach vierzig Sorten und jeweils in der richtigen Menge hervor. Und da diese Früchte zu verschiedenen Zeiten reifen, gibt es hier kein Übermaß“, fügt der Baumkünstler noch stolz hinzu.

Angesichts dieses Erfolgs wird Sam Van Aken sein Projekt fortsetzen. Er will jetzt noch mehr solcher Bäume im ganzen Land verteilt pflanzen. „Wo immer ich diesen Baum auch pflanze, erwecken seine Blüten, seine Früchte und die Art, wie ich ihn geschaffen habe, Bewunderung.“ Als Nächstes möchte der Professor jetzt ein Wäldchen oder einen Obstgarten mit solchen Bäumen in einer urbanen Umgebung anlegen.


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