Trash-Dating: Wie der schnelle Flirt die große Liebe kaputt macht!
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Trash-Dating: Wenn die Suche nach der großen Liebe dem schnellen Flirt weicht

Die Digitalisierung unseres Alltags führt zu immer mehr Trash-Dating. Nicht ohne Folgen für die wahre Liebe.

Wischen, kurz schreiben, schnell zur Sache kommen – so funktionieren die heutigen Dating-Apps. Vorbei ist die Zeit, in der sich die Liebe langsam entwickelte.

Liebe als Konsum

Heute will die Generation Y (und nicht nur die) schnell und viel „konsumieren“. Die Suche nach tiefer Verbundenheit ist nicht mehr so wichtig – solange das Körperliche passt, ist alles gut.

Mit einigen wenigen Klicks finden wir heute den Seelenverwandten unseres Lebens oder eben den für eine Nacht. Oft entscheiden wir dabei nach Kriterien, die sich aufs Aussehen und das soziale Milieu beschränken.

Diese Praxis wird Trash-Dating genannt, übersetzt "Mülleimer-Dating". Anders gesagt: Wir konsumieren viel und schmeißen schnell weg. Nur eben nicht Dinge, sondern Liebe, Sex und Menschen.

Sich anstrengen für die Liebe – das war einmal

Mit der Demokratisierung von Dating-Apps ist alles leichter zugänglich. Geflirtet wird per Klick. Das ist gerade für diejenigen ideal, die nur auf körperlichen Austausch aus sind.

Die Soziologin Catherine Lejealle steht dem Phänomen des Trash-Datings kritisch gegenüber. In der Frauenzeitschrift Glamour erklärt sie:

Dank Smartphone und Internetflatrate gibt es heute keine finanziellen oder technischen Barrieren mehr. Vor 15 Jahren, als man sich auf Dating-Websites anmeldete, war das viel komplizierter: Man musste einen Account erstellen, Matching-Kriterien auswählen, dem Computer Zeit lassen zum Aussortieren, lange Nachrichten schreiben, drei Tage auf die Antwort warten. Mit deinem Handy findest du heute in drei Minuten jemanden, der für schnellen Sex zu haben ist.

Liebe konsumieren wie Bier

Das Flirten per Dating-Apps wird auch mit Binge Drinking verglichen. Dabei geht es darum, in kürzester Zeit so viele Getränke wie möglich zu trinken.

Der Konsum von Sex und Beziehungen erfolgt auf die gleiche Weise: Die Quantität scheint wichtiger als die Qualität. Lejealle erklärt:

Das Binge-Dating zelebriert das Übermaß und den Exzess. Man ist ständig auf der Suche nach einem neuen One-Night-Stand und genau wie beim Alkohol kommt es darauf an, am schnellsten und am meisten zu konsumieren, ohne unbedingt die Qualität im Auge zu haben.

Bloß nichts riskieren

Die Soziologin geht sogar noch weiter. Sie glaubt, dass diese Sucht nach schnellen, wechselnden Beziehungen für einige Menschen existentiell geworden ist:

Wir leben in einem ständigen Gefühl der Unruhe. Man kann nicht mehr einfach einen Abend zuhause verbringen, man muss was erleben, ausgehen, den neusten Club auschecken – sonst fühlt man sich leer.

Wenn die große Mehrheit der User von Dating-Apps sich einredet, One-Night-Stands seien genau das Richtige fürs Leben, dann ist das nur Fassade. Dahinter versteckt sich ein tiefsitzender Persönlichkeitskomplex. Lejealle stellt klar:

Bei den Apps meldet man sich hauptsächlich aus Angst vor Zurückweisung an, aus Angst vor sich selber. Man riskiert nicht viel, aber man wird auch nie Erfüllung finden. Erfüllt fühlt man sich durch etwas Dauerhaftes – nicht indem man Bettgeschichten aneinanderreiht. Wir träumen doch alle von dieser tiefen Leidenschaft wie in Filmen und Liebesromanen – aber denen liegt immer eine Entwicklung zugrunde.

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