Jagd auf Delfine: Wegen einer Kuriosität ist die Delfinjagd in Japan immer noch legal

Jagd auf Delfine: Wegen einer Kuriosität ist die Delfinjagd in Japan immer noch legal

Jedes Jahr zwischen September und April färbt sich das blaue Wasser in der Bucht von Taiji blutrot: Fischer machen Jagd auf Delfine und das, obwohl die Jagd auf Säugetiere verboten ist. Doch eine Kuriosität im Gesetzestext macht die Jagd auf Delfine legal.

 

Werden die in Japan veranstalteten Massaker an Delfinen bald nur noch eine düstere Erinnerung sein? Das ist jedenfalls das Ziel zweier Naturschutzorganisationen. Am 13. Februar diesen Jahres haben die englische Organisation „Action for Dolphins“ (AFD) und die japanische NGO „Life Investigation Agency“ gemeinsam Anzeige erstattet gegen die Präfektur von Wakayama und ihren Gouverneur Yoshinobu Nisaka. Die Jagd auf Delfine, die auf der japanischen Inselgruppe zwischen September und April betrieben wird, solle ein für allemal verboten werden, fordern sie.

Die Meeressäuger werden als Fische deklariert

Im Fokus: der symbolträchtige Schauplatz dieser beschämenden Jagd, die Bucht von Taiji. Durch den schockierenden Dokumentarfilm „The Cove“ von 2009 erlangt sie traurige Berühmtheit… Denn in Taiji werden die Meeressäuger von Schiffen in Küstennähe getrieben, wo sie dann getötet oder gefangen genommen werden, um als Showtiere an Aquaparks verkauft zu werden. In 70 Jahren sollen in Japan rund 16.000 Delfine getötet worden sein.

All das ist möglich, weil nach japanischem Recht Delfine noch immer als Fische definiert werden. Der entsprechende Gesetzestext ist 1973 erlassen worden und wurde seitdem nicht geändert. Damit kann das asiatische Land die zügellose Jagd auf die Meeressäuger rechtfertigen.

Säugetiere sind auch in Japan streng geschützt

Sarah Lucas, die Gründerin der Organisation „Action for Dolphins“ erklärt gegenüber der französischen Zeitung Le Figaro: „Das ist der Höhepunkt von sechs Jahren Arbeit. Unsere Herangehensweise besteht hauptsächlich darin, dass wir versuchen aufzuzeigen, dass die Jagd auf Delfine ein Verstoß gegen japanisches Recht ist – denn Säugetiere sind gesetzlich streng geschützt. Und wissenschaftlich betrachtet besteht daran ja gar kein Zweifel: Delfine sind eindeutig Säugetiere.“

Zahlreiche internationale Tierschutzorganisationen prangern die grausame Jagd auf Delfine immer wieder an. Jahr für Jahr lösen die Fotos vom blutrot verfärbten Ozean eine Empörungswelle aus – dennoch rührt Japan keinen Finger.

Delfinjagd ist japanische Tradition – aber bringt heutzutage viel Geld ein

Der Bürgermeister von Taiji, Kazutaka Sangen, erklärte 2017 in der britischen Zeitung The Guardian: „Für uns sind die Delfine eine Nahrungsquelle. Als ich klein war, wurden die Fischer, die die Wale an Land brachten, stets von der ganzen Stadt freudig empfangen, denn wir hatten sehnlichst darauf gewartet, wieder Fleisch zu essen. Wir sind diesen Tieren dankbar – und wir möchten, dass die Menschen im Westen das verstehen.“

Doch auch wenn japanische Behörden oft mit der Tradition argumentieren, um die Jagd auf Delfine fortzusetzen, liegt der Anreiz dieser Praxis vor allem im Finanziellen. Der Verkauf eines Delfins an einen ausländischen Aquapark kann schon mal bis zu 40.000 Dollar einbringen.

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Sarah Lucas von „Action for Dolphins“ weist das Argument der Tradition als Vorwand zurück: „Wenn Sie die Bilder von Taiji gesehen haben, werden Sie verstehen, dass diese Methoden rein gar nichts Traditionelles mehr an sich haben. Menschen auf großen Schiffen fangen die Delfine mit gigantischen Netzen, schlagen sie mit Eisenstangen nieder und spießen sie an Metallpfählen auf. Das ist nicht traditionell, sondern industriell.“ Laut Schätzungen werden pro Jahr weltweit rund 100.000 Delfine und Kleinwale getötet.  

Das Ziel: Die Mentalität der Menschen zu ändern

Dem Gelingen ihres Engagements sieht die Aktivistin mit gemischten Gefühlen entgegen: „Wir müssen realistisch sein. Unser Vorgehen kostet viel Geld und bedeutet harte Arbeit. Auch wenn unsere Anklage bis ins kleinste Detail durchdacht ist, wird die Verteidigung hartnäckig bleiben. Aber zumindest bringen wir die Menschen zum Nachdenken. Denn selbst wenn es uns gelingen sollte, das Gesetz zu ändern – es sind die Mentalitäten der Menschen, die sich ändern müssen.“

Lucia Salomon
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