Bilder von einem Eisbär in Südfrankreich lassen niemanden kalt

Bilder von einem Eisbär in Südfrankreich lassen niemanden kalt

Mitte Juni hat die französische Tierschutzorganisation „C’est Assez!“ ein herzbewegendes Video in die sozialen Netzwerke gestellt. Darauf ist Eisbär Rasputin im Marineland Antibes zu sehen, mit Schaum vor dem Maul und sichtlich unwohl unter der sengenden Sonne. Die Tierschutzvereinigung fordert die Freilassung des Bären und hat zu diesem Zweck eine Petition ins Leben gerufen. 

In einem am 11. Juni aufgenommenen Video zeigt die französische Tierschutzorganisation „C’est Assez!“ empörende Aufnahmen von Eisbär Rasputin.

Ein Eisbär im südfranzösischen Antibes

Die Aufnahmen des Eisbären Rasputin wurden von einer Aktivistin namens Yonek im Marineland Antibes gemacht, welches leider schon für seine Wassershows mit Orcas und Delfinen berühmt berüchtigt ist.  

Das Video hat heftige Reaktionen im Netz ausgelöst. Und das aus gutem Grund. Der Bär leidet sichtlich unter den heißen Temperaturen und der sengenden Sonne. Er schleppt sich mühsam in seinem Gehege umher, mit hängender Zunge und Schaum vor dem Maul.

Nicht das richtige Klima

Der Klimawandel macht Eisbären bereits weltweit zu schaffen. In Südfrankreich gehen die Temperaturen an Hundstagen schon rasch einmal über 40 Grad in der Sonne. Doch schon ab 10 Grad leidet ein Eisbär an Hyperthermie, weil seine schwarze Haut unter dem weißen Fell dazu geschaffen ist, Wärme aufzunehmen.

In Rasputins Gehege gibt es keinen Schatten, in den er sich vor den brennenden Sonnenstrahlen flüchten könnte. Er und seine Gefährtin Flocke sind schutzlos der Sonne ausgesetzt, um ständig von den Besuchern gesehen werden zu können. Aus diesem Grund war ihnen wohl auch am Tag, als diese Aufnahmen gemacht wurden, der Zugang zur schattigen und gekühlten Bärenhöhle durch ein Gitter verwehrt.

Keine Abkühlung und kein Schatten

Auf den Aufnahmen von „C’est Assez!“ ist zu sehen, dass Rasputin vergeblich versucht, seine frische Höhle aufzusuchen, doch leider von einem Gitter abgehalten wird, dort vor der Hitze Schutz zu suchen.

Gegenwärtig wurde das Video der Tierschutzorganisation schon mehr als 780.000 Mal angeklickt und zigtausend Mal geteilt.

Am 15. Juni hat Marineland Antibes angesichts dieser Woge der Empörung versucht, den Schaum vor dem Maul des Eisbären und die hängende Zunge damit zu rechtfertigen, dass Rasputin brünstig sei.

Marineland versucht, sich hinauszureden

Doch diese Antwort genügt den Tierschützern von „C’est Assez!“ nicht. Sie haben Spezialisten weltweit dazu befragt und deren Antwort ist eindeutig:

Ein Eisbär habe nichts in einer Badewanne zu suchen, wo auf der Welt das immer auch sei, und ganz bestimmt nicht in Südfrankreich. Eisbären mit Schaum vor dem Maul wie auf dem Video seien ihnen noch nicht vorgekommen. Das müsse durch den mit einer übermäßig hohen Temperatur verbundenen Stress bedingt sein. Einen Eisbären in ein Gehege zu stecken, sei absurd. Das mache ihn verrückt.

Anzeichen von Wahnsinn?

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Stereotype Verhaltensweisen der beiden Eisbären sind auch schon auf anderen Aufnahmen im Marineland Antibes aufgefallen. Flocke und Rasputin wiederholen ständig dieselben Bewegungsabläufe und laufen stundenlang in ihrem Gehege hin und her. Ein Anzeichen für neurologische Störungen, großes psychischen und physisches Leiden und Langeweile durch die Haltung in Gefangenschaft und das Fehlen ihrer natürlichen Umgebung. Die Tierschutzorganisation fordert Marineland Antibes dazu auf, Rasputin und seine Gefährtin Flocke in den Orsa Rovdjurspark nach Schweden zu entlassen, wo das Klima und die Haltungsbedingungen ihrer Physiologie besser entsprächen.  

Die Petition ist an französischen Umweltminister Nicolas Hulot gerichtet und zählte zu dem Zeitpunkt, an dem dieser Artikel verfasst wurde, schon mehr als 40.000 Unterschriften. Falls du an dieser Aktion teilnehmen und die Petition unterschreiben möchtest, einfach diesen Link anklicken und du wirst weitergeleitet.

In der Zwischenzeit bereitet sich Marineland auf einen juristischen Gegenschlag vor. In einem Artikel in der Tageszeitung La Provence erfahren wir, dass der Wasserpark gegen „C’est Assez!“ prozessieren will und den Tierschützern vorwirft, Unwahrheiten zu verbreiten. Marineland behauptet, dass das gefilmte Gitter nicht der Zugang zur gekühlten Höhle der Eisbären, sondern der Eingang des Pflegepersonals sei. Pascal Picot, der Leiter von Marineland, bezeichnet „C’est Assez!“ in dem Artikel der La Provence als extremistische Vereinigung, die mit ihrer Aktion nur die Schließung des Parks verfolge. Wir bleiben dran. 

Zoe Klaus
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