Kopenhagener Zoo: Warum die Geburt eines kleinen Eisbären keine gute Nachricht ist

Kopenhagener Zoo: Warum die Geburt eines kleinen Eisbären keine gute Nachricht ist

Mit einer riesigen PR-Kampagne hat der Zoo von Kopenhagen Anfang März die Geburt eines kleinen Eisbären bekannt gegeben. Doch hinter diesem eigentlich so freudigen Ereignis versteckt sich eine traurige Wahrheit.

Einige Menschen glauben immer noch, dass Zoos überall auf der Welt dabei helfen, wilde Tiere zu schützenIn Wirklichkeit ist das selten der Fall. Und die Geburt eines süßen kleinen Eisbären im Zoo von Kopenhagen in Dänemark, ist dafür das beste Beispiel.

Was ist passiert? Anfang März kündigt der Zoo von Kopenhagen mit einer groß angelegten Kampagne die Geburt des kleinen Eisbären an – mit Fotos, Plakaten, Videos und Facebook-Posts. Der Zoo löst damit eine Welle der Begeisterung aus – und die Zahl der Reservierungen von Eintrittskarten steigt rasant an. Schließlich erhoffen sich alle, das kleine flauschige Bärchen live zu erleben. An dem kleinen Eisbär verdient sich der Zoo also eine goldene Nase.

Der Eisbär ist eine gefährdete Tierart

Fotos von halb verhungerten Eisbären illustrieren heutzutage schon fast klischeehaft Sensibilisierungskampagnen für den Klimawandel. Denn Wissenschaftler schätzen, dass es aufgrund von Veränderungen ihres Lebensraums nur noch zwischen 20.000 und 25.000 Eisbären in freier Natur gibt.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gilt der Eisbär als gefährdete Art – das heißt, er droht auszusterben und sollte deshalb umso mehr in Zoos und Tierparks gehalten werden, um die Fortpflanzung zu begünstigen und eine Art genetische „Reserve“ zu schaffen. Diese soll dann dazu dienen können, wilde Eisbären zu befruchten, falls sich der Rückgang dieser großen Säugetiere in den kommenden Jahren beschleunigt (wir wollen nicht spoilern, aber genau das wird passieren).

Zoos tragen nicht zum Artenschutz bei

Doch außer einigen wenigen Tierarten vermehren sich große Säugetiere in Gefangenschaft sehr schlecht. Die Geburten kommen meistens durch künstliche Befruchtungen zustande. Zudem bremsen die Geburten in Gefangenschaft in keinster Weise den Hauptgrund für den Rückgang der Art: die wegen des Klimawandels schmelzenden Eismassen und Gletscher.

Außerdem kann ein Tier, das in Gefangenschaft geboren wurde, nicht in der Natur freigelassen werden. Es wird im Zoo gut gefüttert und wird deswegen dicker, aber weniger muskulös. Vor allem lernt es nicht, sich seine Nahrung selber zu beschaffen. Zudem kann es bestimmte Ticks entwickeln wie zum Beispiel nervöse Kopfbewegungen und ein ständiges Im-Kreis-Laufen.

Auch interessant
Ein Eisbär-Baby will sich auf den Bauch umdrehen. Aber es läuft nicht ganz so wie geplant …

Kommerzielle Interessen stehen im Vordergrund

Bei der Geburt eines kleinen Eisbären geht es also nicht um Artenschutz, sondern um Geld. Im Jahr 2015 unterschrieben zahlreiche Tierärzte eine in der britischen Zeitung Huffington Post veröffentlichte Erklärung: Sie verurteilten die beschämende Instrumentalisierung dieser bedrohten Tierart für kommerzielle Zwecken.

„Die Zoos nutzen das Konzept der gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Tierart, um ein Maximum an Besuchern anzulocken. Sie profitieren davon und geben sich ein ökologisches Image. Bis zum Alter von drei Monaten werden die Babys von den Weibchen getrennt, bis sich das Risiko, von ihnen getötet zu werden, verringert hat. Die kleinen Eisbären rufen eine riesige Medienflut hervor, sogar die großen nationalen Medien gehen diesem reinen Kommerz-Event auf den Leim. Es ist genauso, als würde ein neues Produkt auf den Markt kommen“, beklagen die Unterzeichner.

• Lucia Salomon
Weiterlesen
Keine Verbindung
Bitte Einstellungen prüfen