Warum die Erziehung daran schuld ist, dass Frauen sich nicht sexuell artikulieren können
Warum die Erziehung daran schuld ist, dass Frauen sich nicht sexuell artikulieren können
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Warum die Erziehung daran schuld ist, dass Frauen sich nicht sexuell artikulieren können

Autorin und Journalistin Caroline Rosales hat ein neues Buch geschrieben. In Sexuell verfügbar geht es darum, dass Frauen sich oft unterordnen und zu allem bereit sein müssen, um beruflich und privat erfolgreich zu sein.

Caroline Rosales ist Journalistin, Feministin und Vollblut-Mama. Mit Lisa Harmann führt sie einen der größten Blogs für Mütter in Deutschland: stadtlandmama.de. Seit 2016 ist sie bei der Funke Zentralredaktion in Berlin als Redakteurin tätig.

Ihre Karriere

Wie sie nach ihrem Studium der Regionalwissenschaften, Klassischem Chinesisch und Archäologie an den Journalismus gerät, verrät sie auf ihrer Homepage carolinerosales.de:

Während eines Praktikums beim Bonner Express fand ich heraus, dass ausgiebiges Zeitungen-Lesen und Rauchen am Morgen zur Job-Beschreibung eines Journalisten gehören und entschied: Hier bin ich richtig.

Sexuell verfügbar

Nach Ich glaub, mich tritt ein Kind!, Mama muss die Welt retten und Single Mom hat sie dieses Jahr mit Sexuell verfügbar ihr viertes Buch auf den Markt gebracht - bewusst im Anschluss an die #metoo-Debatte.

In Sexuell verfügbar stellt Rosales die These auf, dass unsere Erziehung daran Schuld sei, dass es Frauen nach wie vor schwer fällt, ihre sexuellen Wünsche, Bedürfnisse etc. auszudrücken.

Kindheit in den 80ern

Tatsächlich habe sich seit ihrer Kindheit in den 1980er Jahren wenig getan in Sachen Gleichberechtigung. Sie wurde so erzogen, dass Frauen sich den Männern unterordnen und immer verfügbar zu sein haben - auch auf sexueller Ebene.

Wenn letzteres auch nicht mehr ausdrücklich von Mädchen verlangt wird, so sei es trotzdem bei ihrer Erziehung allgegenwärtig, wenn auch nicht deutlich erkennbar. Frauen sollen nach wie vor an erster Stelle gut aussehen, dann Ehrgeiz im Beruf entwickeln und intelligent sein. Diese Unterordnung ist für sie auch der Grund, warum es Frauen so schwer fällt, zu artikulieren, was sie begehren.

Verlegenheitssex

Rosales spricht im Interview mitntv auch darüber, dass Männer entscheiden, ob man Sex mit ihnen hat. Sie berichtet von einem Erlebnis im Ausland, bei dem sie einen Mann mit zu sich nach Hause nimmt. Doch zu dem Zeitpunkt hat sie eigentlich gar keine Lust mehr auf Sex mit diesem Mann.

Aber der Point of no return war bereits überschritten und es ist einfacher gewesen, mit ihm zu schlafen als ihm verständlich zu machen, warum an jenem Abend nichts mehr laufen würde - ein Phänomen, das viele Frauen kennen.

Aber nicht jede Situation ist gleich und nicht jeder Mann geht davon aus, dass der Abend mit Sex endet. Rosales sagt dazu:

Ich habe aber auch schon die Erfahrung gemacht, dass mich Männer noch mal gefragt haben, ob wir Sex haben wollen, auch wenn wir schon bei ihnen Zuhause waren. Das war sehr angenehm und hat eine positive Wirkung, man bekommt erst recht Lust.

Die #metoo-Debatte

Rosales hat auch eine Antwort darauf, warum sich am Rollenbild so wenig geändert hat und warum die Frauen so handeln wie sie handeln. Laut der Autorin hinge es damit zusammen, dass eine Frau immer abliefern muss. Sie soll sexuell verfügbar sein, um beliebter zu sein und um ihren Ruf zu pflegen. Auch seien Frauen dazu erzogen wurden, stets für Harmonie zu sorgen.

Danke der #metoo-Debatte habe sich aber auch einiges geändert, aber noch nicht genügend. Wenn es nach Rosales geht, hat sich längst noch nicht genug getan und die patriarchalen Strukturen seien immer noch allgegenwärtig.

Die #metoo-Debatte war für mich die größte Bürgerrechtsbewegung des Jahrzehnts. Sie hat uns wahnsinnig bewegt. [...] Ich habe mein Buch im Anschluss an #metoo geschrieben, damit die Debatte am Laufen gehalten wird.

Deutschland braucht eine Frauenquote

Um die Rollen in der Arbeitswelt wirklich neu zu verteilen, brauche es laut Rosales die Frauenquote. Die Politik müsse Druck auf die Firmen ausüben, sonst würden sie nicht lernen.

Aber auch im Privaten sollte man als Frau nicht klein beigeben und wichtige Schritte mit dem Partner zusammen besprechen, um eine Lösung zu finden. Sie rät anderen Frauen, sich für ihre eigenen Interessen stark zu machen.

Man muss sich nicht zu stark einem Lebensmodell unterordnen und sich keiner Gefälligkeit hingeben. [...] Erst mal sollte man sein eigenes Ding machen und sein eigenes Leben leben.

Das Buch Sexuell verfügbar ist 2019 im Ullstein Verlag erschienen und kann hier erworben werden. (Als Amazon-Partner verdient Ohmymag.de an qualifizierten Käufen.)

Von Sarah Kirsch

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