Darum könnten unsere Gene sich negativ auf Verhütungsmittel auswirken

Darum könnten unsere Gene sich negativ auf Verhütungsmittel auswirken

Weltweit nutzen Millionen von Frauen hormonelle Verhütungsmittel. Doch laut einer neuen Studie könnte sich die genetische Veranlagung negativ auf die Wirksamkeit dieser Verhütung auswirken. Wir erklären euch die Hintergründe.

Wenn Frauen ungewollt schwanger werden, obwohl sie die Pille nehmen, mit der Hormonspirale oder einem Verhütungsstäbchen verhüten, dann könnte das – zumindest teilweise – mit ihrer genetischen Veranlagung zusammenhängen. Das legt zumindest eine neue Studie nahe, die in der medizinischen Fachzeitschrift „Obstetics and Gynecology“ erschienen ist.

In Deutschland sind laut einer aktuellen Studie etwa ein Drittel aller Schwangerschaften nicht beabsichtigt – 18 % davon sind explizit ungewollt. Und zu diesen ungewollten Schwangerschaften kommt es manchmal auch trotz Verhütung. Ärzte schließen daraus meistens, die Verhütung sei nicht richtig angewendet worden.

Die Pille gilt als das sicherste Verhütungsmittel

Die häufigste Verhütungsmethode in Deutschland ist mit 52 % die Pille – sie gilt als das sicherste Verhütungsmittel. Doch laut einer Umfrage aus dem Jahr 2014 haben 44 % der Frauen die Pilleneinnahme in den vorhergegangenen drei Monaten mindestens einmal vergessen.

Doch das ist nicht der einzige Grund für ungewollte Schwangerschaften trotz Verhütung. „Wenn uns eine Frau sagt, dass sie trotz Verhütung schwanger geworden ist, denken wir als Ärzte zunächst einmal, dass sie irgendwo einen Fehler gemacht hat. Doch das stimmt vielleicht gar nicht“, erklärt Doktor Aaron Lazorwitz von der Universität Colorado. Er ist einer der Hauptautoren der neuen Studie.

Blutuntersuchungen bei 350 jungen Frauen

Die Kernaussauge dieser Studie: Einige Frauen bauen die Hormone der Verhütungsmittel schneller ab als andere – und dadurch wird die Wirksamkeit potenziell verringert. Obwohl die Wissenschaftler betonen, die hormonell verhütenden Frauen sollten sich erst einmal keine Sorgen machen, sollen nun weitere komplettierende Untersuchungen durchgeführt werden.

Den Zusammenhang zwischen genetischer Veranlagung und hormoneller Verhütung hat das Team von Doktor Lazorwitz anhand von 350 junger gesunder Frauen untersucht. Sie alle verhüteten mit dem Verhütungsstäbchen, einer der wirksamsten und sichersten Methoden. Denn hier ist ein Fehler der Anwenderin geradezu unmöglich, schließlich wird das Stäbchen unter die Haut am Arm eingesetzt. Dort setzt es Etonogestrel frei, das zu Gruppe der Gestagene gehört – neben den Östrogenen die zweite wichtige Klasse der weiblichen Geschlechtshormone.

Keine Panik: Das Verhütungsstäbchen bleibt eine sichere Methode

Den jungen Frauen wurde Blut abgenommen, um den Hormonspiegel zu untersuchen. Dabei wurde festgestellt, dass die Konzentration von Etonogestrel mit dem Gen CYP3A71C zusammenhängt – beziehungsweise damit, ob dieses Gen vorhanden ist oder nicht.

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Das Gen kodiert ein Protein, das Sexualhormone zersetzt. Aktiv ist es eigentlich nur bei Föten bis zur Geburt. Doch manche Frauen tragen noch immer ein aktives CYP3A71C-Gen in sich. Und bei einer von vier dieser Frauen stellte sich der Etonogestrel-Spiegel als zu niedrig heraus, um für die Verhütung wirksam zu sein.

Doch keine Panik! Laut der Ärztin Sharon Cameron ist das Verhütungsstäbchen noch immer eine extrem wirksame Methode, um einer ungewollten Schwangerschaft vorzubeugen. Innerhalb von drei Jahren wird nur eine Frau von 1.000 trotz des Verhütungsstäbchens schwanger. Cameron präzisiert in der britischen Zeitschrift Guardian: „Die Genetik kann wohl bei einigen Frauen die Wirksamkeit von Verhütungsmitteln beeinflussen – doch das bleibt bis jetzt das Ergebnis einer einzelnen Studie.“

• Lucia Salomon
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