Können sich unsere Perioden wirklich aneinander anpassen?

Wir haben alle schon davon gehört, dass wenn wir viel Zeit mit einer bestimmten Mädelsgruppe verbringen, sich die Zyklen aneinander anpassen. Aber stimmt das wirklich oder ist es einfach nur ein Mythos?

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Erinnert ihr euch noch an den Sexualkundeunterricht? Daran, wie ihr gehofft habt, dass jemand anderes die entscheidenden Fragen für euch stellt?

Oder das peinlich berührte Kichern, wenn es dann wirklich gefragt wurde? Zu den am häufigsten gestellten Fragen zählt wohl auch, ob es stimmt, dass sich unsere Perioden aneinander angleichen können.

Vielleicht hat sogar eure Mutter euch im Aufklärungsgespräch erzählt, dass die Zyklen von Frauen, die viel Zeit miteinander verbringen, angleichen.

Woher kommt der Mythos von synchronisierten Zyklen?

Die Synchronisierung der weiblichen Zyklen ist seit jeher ein typisches Gesprächsthema für die Frauenumkleide. Doch 1971 rückt das Thema dann tatsächlich auch ins Interesse der Wissenschaft.

Nämlich, als die Forscherin Martha McClintock eine Studie mit 135 Frauen durchführt, die Zimmernachbarinnen sind, um herauszufinden, ob sich ihren Zyklen aneinander anpassen.

McClintock untersucht nicht den Eisprung oder den gesamten Menstruationszyklus der Teilnehmerinnen, sondern nur, wann deren Monatsblutung beginnt und wann sie endet.

Dabei kommt die Forscherin zu dem Schluss, dass sich die Perioden tatsächlich aneinander angeglichen haben. Seither ist dieses Phänomen auch als McClintock-Effekt bekannt.

Zyklus-Synchronisierung: Ein Perioden-Mythos

Moderne Nachforschungen haben sich jedoch intensiver mit der Komplexität weiblicher Menstruationszyklen beschäftigt. Viele Studien zeigen unter Rücksichtnahme von Zyklus-Apps, (bei denen ihr mit euren Daten vorsichtig sein solltet,) dass die Synchronisierung sehr unwahrscheinlich ist.

Beverly Strassman, Anthropologie-Professorin an der Universität von Michigan, nutzt McClintocks Forschungsergebnisse 1999 als Grundlage für eine ähnliche Studie und findet heraus, dass synchronisierte Zyklen nichts weiter sind als mathematische (und hormonelle) Zufälle.

Wenn der Zyklus 28 Tage dauert, wären 14 Tage die maximale Asynchronität. Aus Zufall kann es passieren, dass Frauen nur sieben Tage auseinanderliegen. Da eine Periode fünf Tage dauern kann, sind überlagernde Monatsblutungen ein gewöhnlicher Zufall. Dass sich Frauen aneinander anpassen ist allerdings ein Mythos.

Pilotstudie widerlegt den Mythos

Das größte Gegenargument liefert wohl eine Pilotstudie mit 1.500 Teilnehmenden von der Zyklus-App Clue und der Oxford University. Für die Studie werden den Teilnehmenden verschiedene Fragen gestellt.

Zum Beispiel, ob sie glauben, dass sich ihr Zyklus an den einer anderen Person angepasst habe, in welcher Beziehung sie zu dieser Person stehen und ob sie hormonell verhüten.

Daraus bestimmen die Forschenden 360 Zyklus-Partnerinnen und beobachten ihre Zyklen über drei Monate. Dabei stellt sich heraus, dass die Zyklen bei 76 Prozent der Teilnehmenden eher asynchron als synchron verlaufen.

Die Dauer deiner Regelblutung sagt übrigens ziemlich viel über dich aus. Wenn deine Periode zu spät kommt, könnte es dafür außerdem einige gute Gründe geben.