17-Jährige bietet Corona-Hilfe an: Fake-Onlineshop gegen häusliche Gewalt
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17-Jährige bietet Corona-Hilfe an: Fake-Onlineshop gegen häusliche Gewalt

Von Maximilian Vogel

Während andere 17-Jährige Netflix schauen und sich mit ihren Freunden treffen, gründet die Polin Krystyna Paszko einen Onlineshop, der – getarnt als Kosmetikfirma – Opfern von häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie helfen soll.

Die Corona-Pandemie und der daraus folgende Lockdown hat uns in unsere Wohnungen verbannt. Homeschooling und Homeoffice sorgen dafür, dass viele Familien den ganzen Tag aufeinanderhocken.

Nur wenige haben den Luxus ausreichend Platz in ihren Häusern und sogar einen Garten zu haben. Die meisten müssen Arbeit, Familie und Privatleben in kleineren Wohnungen koordinieren. Das kann zu Spannungen und Streit führen.

Beim Onlineshopping unbemerkt Hilfe suchen

Studien zeigen, dass die Fälle von häuslicher Gewalt in den letzten Monat um einiges angestiegen sind. Vor allem Frauen sind davon betroffen, aber auch viele Kinder.

Aus diesem Grund gibt es immer neue Maßnahmen, um Opfer von häuslicher Gewalt zu schützen. Eine davon kommt von der polnischen Schülerin Krystyna Paszko. Gegenüber BBC erzählt sie:

Ich habe von einer französischen Initiative gehört, bei der Menschen in die Apotheke gehen und nach einer speziellen Maske fragen, die den Apotheker wissen lässt, dass sie Opfer häuslicher Gewalt sind. Ich fand, das ist eine brillante Idee und kam auf die Idee, Kosmetikprodukte zu verkaufen.

Kurz darauf eröffnet Krystyna einen gefakten Onlineshop für Kosmetikartikel, "Kamille und Stiefmütterchen". Dieser bietet Opfern eine Plattform, sich unbemerkt Hilfe zu suchen, während es nach außen hin aussieht, als würden sie online shoppen.

Statt Verkäufern melden sich Psychologen

Betroffene können im Chat nach einer Creme gegen Hautprobleme fragen. Statt eines Verkäufers, meldet sich ein Psychologe und fragt beispielsweise wie lange die "Hautprobleme" schon andauern. Gibt die Person eine Bestellung auf und nennt ihre Adresse, bedeutet das, dass sie um einen Besuch der Behörden bittet.

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Posted by Rumianki i bratki - naturalne kosmetyki SKLEP on Monday, April 13, 2020

Nachdem die Schülerin ihre Pläne öffentlich macht, bekommt sie sehr viel Zuspruch und Unterstützung. Daraufhin kontaktiert sie das polnische Zentrum für Frauenrechte, das sie mit Psychologen und Anwälten zusammenbringt.

Ich dachte, es würde nur für meine Freunde und Freunde von Freunden sein. Vielleicht würde ich damit einer oder zwei Personen helfen, aber die Seite wurde so oft auf Facebook geteilt und so wurde sie wirklich populär.

Nutzer der Website sind hauptsächlich junge Frauen

Bis heute haben mehr als 350 Menschen die Seite seit ihrem Start im April 2020 genutzt. Die meisten davon sind unter 40 Jahren und zu knapp 90 Prozent Frauen. "Immer mehr junge Frauen bevorzugen es, auf Facebook zu schreiben, als anzurufen", erklärt Krystyna. Den Ursprung ihres Interesses in Menschen- und Frauenrechten sieht die Schülerin vor allem in ihrer Aufgabe als Pfadfinderin.

So viel Einsatz wird auch belohnt. "Kamille und Stiefmütterchen" war eines von 23 Projekten, die mit dem EU-Preis für zivile Solidarität ausgezeichnet wurden. Dabei werden Ideen und Organisationen gewürdigt, die versuchen, die Folgen der COVID-19-Pandemie zu bekämpfen.


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