Impfangebot für alle Kinder und Jugendliche - Trotz fehlender Empfehlung der STIKO
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Auch ohne Empfehlung der STIKO: Spahn will Kinder und Jugendliche impfen lassen

Sollen Kinder und Jugendliche geimpft werden selbst wenn die STIKO eine Impfung nicht empfiehlt? Politik und Wissenschaft sind sich bislang noch uneinig.

Nach schleppenden Anfängen geht die Impfkampagne in Deutschland gut voran. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung haben bislang mindestens eine Impfdosis erhalten.

Zugleich befinden sich die Zahlen der Neuinfektionen in einem stetigen Sinkflug. Gleichzeitig steht die EU-Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche bevor und rückt in den Fokus von Wissenschaft und Politik.

Die Stiko berät hinsichtlich einer Impfempfehlung

Die STIKO ist dabei, Pro und Kontra für eine Impfempfehlung für 12- bis 15-Jährige abzuwägen. Klar ist, dass eine Impfung für chronisch kranke Personen dieser Altersklasse möglich sein wird.

Doch was passiert mit den anderen, also der Mehrheit? Mitglieder der STIKO erklären, dass die Abwägung zwischen den Folgen einer Corona-Erkrankung und möglicher Risiken einer Impfung momentan noch nicht möglich ist.

Dazu fehlen die Daten. Vor diesem Hintergrund ist es nach Auffassung der STIKO besser, zuerst die Erwachsenen zu impfen, die noch keine Dosis bekommen haben.

Die Bundesregierung will die Impfung für 12- bis 15-Jährige

Im Gegensatz zu den Experten der STIKO will die Regierung eine möglichst schnelle Impfung der 12- bis 15-Jährigen. Die Gründe dafür sind praktisch und auf die Gunst der Wähler ausgerichtet:

Familien sollen mit ihren Kindern ohne großen Aufwand verreisen können, auch der Schulanfang im Herbst soll so reibungslos, wie möglich verlaufen.

In diesem Sinne vertritt Gesundheitsminister Jens Spahn offensiv die Meinung, dass 12- bis 15-Jährige auch ohne die Impfempfehlung der STIKO geimpft werden können.

Spahn geht sogar so weit, zu versprechen, dass allen Jugendlichen bis Ende August ein Impfangebot gemacht werden wird. Der Sprecher der Bundeskanzlerin, Steffen Seibert, erklärt bezüglich der Schulbesuche in einer Pressekonferenz:

Ganz wichtig, weil das manchmal nicht deutlich genug verstanden wird: Eine mögliche Impfung eines zwölf bis 16-jährigen Kindes ist keine Voraussetzung für einen Schulbesuch.

Die STIKO pocht auf Unabhängigkeit

Auf die Erwartungshaltung seitens der Politik reagieren Angehörige der STIKO genervt. Der Epidemiologe Rüdiger von Kries sagt dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB):

Die Stiko ist ein autonomes Organ, wir arbeiten nicht auf Zuruf des Ministeriums, wir treffen unsere Entscheidungen nach Bewertungen der Risiken und des Nutzens.

Rückendeckung erhält die STIKO dabei vom Präsidenten des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery, der zuvor schon den Impfstopp von AstraZeneca kritisiert hat. Er erklärt gegenüber der Rheinischen Post:

Gegenwärtig gibt es noch nicht genug Daten, die Aussagen über das Risiko der Corona-Impfungen bei Kindern zulassen.

Vielleicht kann ja der nächste Impfgipfel Klarheit schaffen. Justiz- und Familienministerin Christine Lambrecht versucht bereits in einer Pressemitteilung, Brücken zwischen den Fronten zu schlagen:

Wenn ein sicherer Impfstoff für Jugendliche zugelassen ist, kann er einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten. Wir dürfen nicht vergessen: Auch Jugendliche können schwer an Corona erkranken und haben mitunter unter Langzeitfolgen zu leiden.

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