Bald kommen die Totimpfstoffe: Lohnt sich das Warten?

Lohnt es sich, zu warten? Bald schon könnte auch in Deutschland ein erster Totimpfstoff verimpft werden. In anderen Ländern ist es schon soweit. Doch was genau sind Totimpfstoffe eigentlich und wie funktionieren sie?

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Es gibt es diverseImpfstoffarten, die auf ganz verschiedene Weise funktionieren: Ganzvirus-Impfstoffe, Vektor-Impfstoffe, genbasierte Impfstoffe und proteinbasierte Impfstoffe. Und aktuell kommen wir in eine neue Phase der Corona-Impfstoff-Entwicklung.

Die Entwicklung ist in vollem Gange

Denn aktuell sind in Deutschland nur vier Impfstoffe zugelassen. Darunter zwei vektorbasierte Impfstoffe (Astrazeneca und Johnson & Johnson) sowie zwei mRNA-Impfstoffe (BioNTech-Pfizer und Moderna).

Doch weitere Vakzine sind weltweit bereits in der Entwicklung und werden teilweise schon in groß angelegten Studien getestet. So entwickelt etwa das amerikanische Pharmaunternehmen Novavax seit März diesen Jahres einen neuen Protein-Impfstoff welcher von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) aktuell im Rolling-Review-Verfahren geprüft wird.

Auch für Impfskeptiker interessant

Doch auch die chinesichen Firmen Sinopharm und Sinovac haben bereits vielversprechende Impfstoffe entwickelt. Auch der französische Pharmakonzern Valneva forscht derzeit am Standort Wien.

So soll sein Corona-Impfstoff durch die Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) gebracht werden. Und all diese Totimpfstoffe vereint eines: Sie könnten eine schwer zu erreichende Zielgruppe ansprechen.

Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff "Totimpfstoff"?

Man nennt sie "Totimpfstoffe" oder auch "inaktivierte Impfstoffe". Und sie enthalten, wie ihr Name es schon sagt, abgetötete Erreger oder aber nur Bruchstücke der Krankheitserreger. Da sie nicht mehr in der Lage sind, sich zu vermehren, können sie auch keine Krankheit mehr verursachen.

Diese Bestandteile oder eben toten Erreger werden vom Körper als Fremdkörper erkannt. Für die meisten dieser Totimpfstoffe braucht es dann noch einen Wirkverstärker, weil die enthaltenen Erreger alleine nicht ausreichend sind, um eine Immunreaktion auszulösen. Das körpereigene Abwehrsystem wird anschließend dazu angeregt, Antikörper zu bilden. Die tatsächliche Krankheit bricht aber nicht aus.

Die meisten unserer Impfstoffe gehören zu dieser Kategorie, genau wie auch die meisten Grippeimpfstoffe. Zudem gehören auch Impfstoffe gegen Diphtherie, Hepatitis B, Polio (Kinderlähmung), Keuchhusten, Tetanus und Tollwut dazu.

Was sind die Vorteile?

Totimpfstoffe stellt man nach einer etablierten, aber trotzdem nicht simplen Methode her. Diese erlaubt es, relativ schnell große Mengen eines Vakzins herzustellen. Auch die lange Lagerfähigkeit zählt zu den Vorteilen dieser Impfstoff-Gruppe. Bei einer Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad Celsius können sie mehrere Jahre lang aufbewahrt werden. Bei Raumtemperatur können sie bis zu 24 Stunden lang eingesetzt werden. Somit können sie auch in entlegenen Teilen der Erde verimpft werden.

Außerdem haben Totimpfstoffe seltener Nebenwirkungen. Jedoch verliert sich der Impfschutz in der Regel mit der Zeit. Anders als bei den Lebendimpfstoffen. So ist eine Auffrischung in manchen Fällen nach wenigen Jahren nötig. Bei FSME etwa ist das je nach Alter nach drei bis fünf Jahren notwendig. Bei anderen Krankheiten (wie Diphtherie oder Tetanus) hingegen ist die Auffrischung erst nach fünf bis zehn Jahren vonnöten.

Lange bewährt, doch geringere Wirksamkeit

Bei Corona-Vakzinen ist zudem ein Verstärker notwendig, um eine Immunreaktion hervorzurufen. Und dieser kann grippeähnliche Symptome auslösen. Im Allgemeinen sind Totimpfstoffe jedoch gut verträglich. Und das für alle Altersgruppen sowie für Risikopatienten. Und deshalb bietet sich die Chance, auch Impfskeptiker anzusprechen. Denn Totimpfstoffe gibt es schon lange und man kennt sie bereits von verschiedenen anderen Impfungen.

Ein Nachteil ist jedoch auch (vor allem bei den chinesichen Vakzinen), dass sie in Tests eine geringere Wirksamkeit zeigen als die mRNA-Impfstoffe. Und das insbesondere auch bei den neuen Virusvarianten. Der Grund hierfür könnte daran liegen, dass die Zellen bei den mRNA-Impfstoffen eigenständig anfangen, Virusbestandteile herzustellen. So aktivieren diese das Immunsystem, welches infolge Antikörper herstellt. Bei den Totimpfstoffen kommt es nicht zu dieser Reaktion.