Cave-Syndrom nach Corona: Zwischen Unbehagen und Angststörung

Die Corona-Zahlen befinden sich seit einer Weile wieder im Grünen Bereich und der Sommer ist da. Vielen Menschen fallen die Lockerungen jedoch schwerer, als vielleicht zu erwarten wäre.

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Die Maßnahmen fallen nach und nach und die Menschen bekommen ihre Freiheiten zurück. Aber was, wenn man mit diesen Freiheiten nach der langen Zeit nicht mehr umgehen kann?

Das Cave-Syndrom

Auf einmal dürfen wir wieder ins Café, Freunde zum Fußballschauen treffen oder an Firmenfeiern teilnehmen. Nach den vielen Monaten der Pandemie sind solche Situationen ungewohnt.

Manche haben gar nicht genug Zeit, um alles nachzuholen, was sie im letzten Jahr verpasst haben. Vielen fällt der Schritt zurück ins normale Leben aber nicht so leicht.

Sie fühlen sich in ihrer "Höhle", nach der sich ihr Zuhause mittlerweile anfühlt, so wohl und es fällt ihnen schwer, sie zu verlassen, weswegen sich dieses Phänomen "Cave-Syndrom" nennt.

Der Psychiater Claas-Hinrich Lammers erklärt im Deutschlandfunk Kultur, dass diese "Anpassungsverzögerung", wie er sie nennt, erst mal ganz normal ist.

Angststörung oder soziale Unbeholfenheit?

Trotzdem kann man diese Menschen auch nicht alle unter einen Hut scheren. Viele fühlen sich in ihrer Höhle einfach so wohl, dass es sie nicht mehr so stark nach draußen zieht.

Andere hingegen verspüren eine reale Angst. Denn über die letzten Monate hinweg haben wir alle gelernt, "Angst zu haben". Davor, uns selbst und andere durch zu geringen Abstand anzustecken.

Da ist es ganz normal, dass diese Angst nicht von jetzt auf nachher einfach verschwindet, sagt Lammers. Gleichzeitig betont er aber, dass man Ängste auch verlernen kann.

Mit der Sozialphobie richtig umgehen

Sven Steffes-Holländer, von der Psychosomatischen Klinik in Heiligenfeld Berlin rät Personen, die mit sozialen Situationen Probleme haben, diese direkt anzusprechen.

Das verschaffe nicht nur Erleichterung. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, vom sozialen Umfeld Verständnis zu erhalten, ziemlich groß. Wenn man nichts sagt, kann es das noch schlimmer machen.

Überstürzen sollte man jedenfalls nichts, wenn man sich nicht sicher ist, wie viel man ertragen kann. Steffes-Holländer gibt dazu den einfach umsetzbaren Rat:

Vielen dürfte es leichter fallen, erst mal jemanden auf einen Spaziergang zu treffen, als in großer Runde ein Spiel der Fußball-Europameisterschaft anzuschauen.

Es gibt noch ganz andere Phobien, von denen du vielleicht noch nie etwas gehört hast. Kannst du dir zum Beispiel vorstellen, Angst vor dem Einschlafen zu haben?