Corona-Krise: Fünf typische Psycho-Fallen und wie du ihnen entkommst

Die COVID-19-Pandemie hat viel Panik verbreitet. Ein Psychologe spricht mit uns über unsere ganz natürlichen Reaktionen in dieser Krise und schlägt Strategien vor, um diese Emotionen in den Griff zu bekommen.

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In der Corona-Pandemie haben viele von uns gemischte Gefühle. Da uns die Nachrichten täglich daran erinnern, dass sich die Dinge unweigerlich verschlimmern könnten, führen das Chaos und die Unsicherheit bei so manch einem zu Panik und Angst. Doch Dr. Christopher Graham, Senior Lecturer an der Queen's School of Psychology, kann uns beruhigen:

Es gibt eine Reihe emotionaler Reaktionen auf COVID-19. Und im Allgemeinen sind diese völlig normal.

Im Strudel der Emotionen

So gibt es Bewältigungsmechanismen, die und dabei helfen können, den negativen Strudel der Gefühle zu bewältigen, den die Pandemie verursacht.

Von all diesen Emotionen überwältigt, haben wir die Möglichkeit, Dinge zu tun, die unsere psychische Gesundheit verbessern.

So zählt er auf der Website der nordirischen Queen's Universität einige der häufigsten emotionalen Reaktionen auf die Krise auf und gibt Tipps, um mit diesen inneren Turbulenzen umzugehen.

1. Angst

So erklärt Dr. Graham:

Ihr Geist ist natürlich unruhig, wenn Unsicherheit herrscht. Es ist normal, sich ängstlich und angespannt zu fühlen. Unser Verstand versucht, das Unbehagen dieser Unsicherheit zu beseitigen, indem er nach der ‚Antwort' sucht. Sie könnten den Drang verspüren, die Nachrichten zu überprüfen, um diese Antwort zu erhalten und die Unsicherheit zu beseitigen.

Da die sozialen Medien rund um die Uhr Updates anbieten, ist dies die ultimative Falle, um überwältigt zu werden, sagt Dr. Graham. Er führt fort:

Es gibt einen ständigen Informationsfluss. Dies kann dazu führen, dass Sie sich noch ängstlicher fühlen oder sich mehr Sorgen machen. Das Gute an Social Media ist, dass wir die Wahl haben, sie nicht zu nutzen. Wir können uns davon zurückziehen.

Den Kreislauf durchbrechen:

Dr. Graham schlägt folgende Strategie vor:

Es ist wichtig, das eigene Verhalten wahrzunehmen und zu erkennen: Haben Sie vier Stunden hintereinander die Nachrichten verfolgt? Fragen Sie sich: Wird dadurch mein Leben im Moment schlechter oder verbessert es mein Leben? Es könnte hilfreich sein, sich von Sorgen zurückzuziehen.

Anstatt sich beispielsweise auf die laufenden Nachrichten zu konzentrieren, kannst du deine Gedanken woanders hinrichten.

Wenn Sie sich ängstlich und ein bisschen nervös fühlen, können Sie das einfach bemerken und sich entscheiden, etwas anderes zu tun: Etwas Sinnvolles, das Ihre Aufmerksamkeit komplett fordert (einen Freund anrufen, aufräumen usw.). Sie können auch versuchen, mit einfachen Achtsamkeitsübungen im gegenwärtigen Moment anzukommen. Bringen Sie Ihre Aufmerksamkeit in das Hier und Jetzt.

2. Wut

Die Leute sind wütend und frustriert, weil wir nicht in der Lage sind, die Dinge, die wir geplant haben, so zu tun, wie wir es geplant haben. Zu Wut und Frustration kommt das Gefühl hinzu, den ganzen Tag im Haus eingesperrt zu sein.

Daher rät Dr. Graham:

Es ist wirklich wichtig, rauszugehen und Tageslicht zu bekommen. Tageslicht hilft, unsere innere Uhr einzustellen und unseren Schlaf zu regulieren. Wenn wir besser schlafen, fühlen wir uns im Allgemeinen tagsüber etwas leistungsfähiger. Ohne das Tageslicht besteht die Versuchung, sich eine Höhle zu bauen, spät aufzustehen und das ist nicht hilfreich.

Den Kreislauf durchbrechen:

Wenn du dich über die Dinge, die du nicht kontrollieren kannst, wütend fühlst, betrachte es als eine natürliche menschliche emotionale Reaktion und schaue dir dann vielleicht an, was du stattdessen kontrollieren kannst. So rät Dr. Graham:

Treten Sie einen Schritt zurück von Ihren Gedanken und fragen Sie sich stattdessen: ‚Was kann ich jetzt tun, das für mich und die Menschen, die mir wichtig sind, hilfreich sein könnte?' Das können kleine Dinge sein, wie zum Beispiel die Mutter über Skype anzurufen, die Küche zu putzen oder den Partner zu fragen, wie es ihm geht. Schau dir an, wie du dein Leben im Hier und Jetzt gestalten kannst.

Außerdem rät er dazu, nach draußen zu gehen:

Ein Tapetenwechsel verändert deinen Tag und wenn man seinen Tag ändert, fühlen wir uns ein bisschen mehr im Moment und ein bisschen weniger in den Gedanken feststeckend. Umgebungen auf diese Weise zu verändern, kann hilfreich sein.

3. Aufregung

Emotionen sind sehr komplex. Wenn man sich die Angst wirklich ansieht, ist das, was dahintersteckt, auch ein bisschen Aufregung.

So erklärt Dr. Graham. Während plötzliche Veränderungen überwältigend sein können, kann sie auch aufregend sein. Wenn dir der Teppich des normalen Lebens unter den Füßen weggezogen wird, kann es verlockend sein, ungesunde Gewohnheiten anzunehmen, weil die normalen Regeln nicht gelten. So warnt er uns:

Einen Drink zu trinken oder zu rauchen könnte im Moment attraktiver werden, um nicht mit schwierigen Gefühlen umgehen zu müssen, aber im Allgemeinen führen sie uns nicht in eine Richtung, die das Leben so macht, wie wir es uns wünschen. Der Schlüssel ist – wie immer – das zu bemerken.

Den Kreislauf durchbrechen:

So schlägt Dr. Graham vor:

Jetzt haben Sie die Möglichkeit, Dinge zu tun, für die Sie normalerweise keine Zeit hätten. Anstatt die zusätzliche Zeit und den Raum, den Sie haben, für Sorgen zu nutzen, nutzen Sie ihn zum Nachdenken. Vielleicht bietet sich die Gelegenheit, sinnvoll darüber nachzudenken, was Ihnen wichtig ist und was Ihre Werte sind; wie Sie sich in Ihrem Leben weiterentwickeln möchten, also zum Beispiel: 'Ich möchte mit meinen Kindern wirklich präsent sein, anstatt an die Arbeit zu denken', oder 'Ich möchte meine Mutter mehr unterstützen'.

Denke also eher über die Dinge nach, die du jetzt tun kannst. Wenn du deine Mutter unterstützen möchtest, kannst du ihr zum Beispiel jetzt eine SMS schreiben oder sie anrufen. Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Es gibt Dinge, die man im Hier und Jetzt tun kann, die das Leben ein bisschen besser machen, anstatt es ein bisschen schlimmer zu machen.

4. Selbstverurteilung

Niemand von uns hat ein globales Ereignis wie die COVID-19-Pandemie zuvor erlebt, daher ist es unvermeidlich, dass Fehler gemacht werden. So sagt Dr. Graham:

Vieles ist ungewiss. Wir wissen nicht, wie wir mit einigen der Dinge umgehen sollen, mit denen wir uns zu befassen versuchen.

Egal, ob es darum geht, von zu Hause aus zu arbeiten oder uns von Menschen fernzuhalten, die uns am nächsten stehen, wir alle erleben dies zum ersten Mal.

„Wir werden alle Fehler machen“, sagt Dr. Graham. „Wenn das passiert, bemerken wir vielleicht, dass unsere natürliche Reaktion Selbstverurteilung ist.“

Den Kreislauf durchbrechen:

Der perfekte Anlass, um zu üben, nett zu sich selbst zu sein. So schlägt Dr. Graham vor:

Wenn wir einen Fehler machen, können wir sehr unfreundlich zu uns selbst werden. Wir sind streng zu uns selbst und das auf eine Weise, in der wir niemals mit einem Freund oder jemandem, den wir lieben, sprechen würden. Anstatt sich selbst zu runterzumachen, können Sie sich selbst mit Freundlichkeit begegnen. Üben Sie, mit sich selbst zu sprechen, wie Sie es mit einem geliebten Menschen tun würden, wenn er mit einem Problem zu Ihnen kommt. Erinnern Sie sich daran, dass jeder Fehler macht, lernen Sie etwas und schauen Sie nach vorne.

5. Selbsterhaltung

Es ist ganz natürlich, in Panik zu geraten, wenn der Selbsterhaltungstrieb einsetzt. So beruhigt uns Dr. Graham:

Wenn Sie den ganzen Tag die Nachrichten sehen und Bilder von leeren Regalen sehen, ist es nur natürlich, dass Sie aus lauter Panik mit einem starken Konsumdrang zum Supermarkt gehen. Das ist eine sehr menschliche und sehr natürliche Sache.

Den Kreislauf durchbrechen:

In diesem Fall ist es besser, über uns selbst und unsere Familien hinauszuschauen und zu versuchen, das zu kaufen, was wir brauchen. Wenn Sie Ihren Fokus erweitern, sehen Sie vielleicht, dass Sie dies tun würden, weil es zum Wohle der breiteren Gemeinschaft von Menschen ist, die Ihnen wichtig sind.

So ermutigt Dr. Graham und zur Solidarität:

Genieße die Aufregung, die mit einer Gemeinschaft einhergeht, die zusammenhält. Wir sind soziale Wesen und es gibt eine natürliche Tendenz, uns zuallererst um unsere Kinder und unsere Eltern zu kümmern. Aber es gibt auch eine natürlichen Drang, sich um unsere Gemeinschaft zu kümmern.

Er fügt hinzu: „Heutzutage sind Gemeinden größer als nur unser Viertel oder nur unsere eigene Stadt. Du hast Zugriff auf das Internet, also hast du die Welt als deine Gemeinschaft.“