Covid-19: Warum manche Menschen froh darüber sind, positiv getestet zu werden!
Covid-19: Warum manche Menschen froh darüber sind, positiv getestet zu werden!
Covid-19: Warum manche Menschen froh darüber sind, positiv getestet zu werden!
Weiterlesen

Covid-19: Warum manche Menschen froh darüber sind, positiv getestet zu werden!

Nein, kein Witz: Es gibt durchaus Menschen die eine Corona-Erkrankung als positive Erfahrung verbuchen und sich darüber freuen.

In einem aktuellen Projekt interviewt das französische Magazin Slate Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind. Doch im Gegensatz zu anderen Medien, möchte das Magazin die Berichte von Patienten herausstellen, die ihre Erkrankung durchaus positiv sehen.

"Ich war der Mann der Stunde"

Nennen wir ihn Marc (die Vornamen wurden geändert), 29 Jahre alt. Im April wird er positiv auf das Coronavirus getestet. Allerdings gesteht er, dass es für ihn ein kein Schock, sondern ein ganz besonderer Moment gewesen ist, denn durch das Testergebnis bekommt er plötzlich ungewohnt viel Aufmerksamkeit:

Als mir der Arzt verkündete, dass ich mir das Virus eingefangen habe, war ich überrascht... im positiven Sinne. Ich habe mich mit dem berühmten Virus infiziert, von dem alle Welt spricht, ich! Es war ein bisschen, als hätte man mir gesagt, dass ich im Lotto gewonnen habe, dass mich der Zufall aus Millionen von anderen Menschen getroffen hat.

Für Marc hatte der Status, infiziert zu sein, nur Vorteile:

Ich hatte nur Vorteile ohne Unannehmlichkeiten. Ich stand im Mittelpunkt meiner Familie, meiner Freunde, meiner Kollegen, ich war eine echte Attraktion. Alle Welt rief mich an oder schrieb mir, als hätte ich nicht mehr lange zu leben, dabei ging es mir super. Auf die Gefahr hin, dass es schockiert, es war eher cool, ich war der Mann der Stunde.

Gefühl der Wertschätzung

Auch Laura, 26, geht es mit ihrer Covid-19-Infektion ähnlich. Sie fühlt sich plötzlich wertgeschätzt und als etwas Besonderes:

Man hat das Gefühl, Teil eines historischen Ereignisses zu sein, das es zuvor noch nie gegeben hat, als hätte man mich an eine Kriegsfront geschickt.

Zuwendung und Pflege

Sophie Arborio, Professorin in Anthropologie im Bereich Gesundheit und Krankheit, erklärt, dass diese Denkweise aus der Zuwendung und Pflege hervorgeht, die erkrankten Personen zuteil wird:

Der Status eines Kranken, geht mit Pflichten einher: Sich auskurieren, Ärzten zuhören, die Behandlung einhalten, versuchen, gesund zu werden. Doch er hält auch einige Privilegien bereit: Man muss nicht zur Arbeit oder zur Schule gehen, man kann sich umsorgen lassen, man bekommt Aufmerksamkeit und unterscheidet sich eine Zeit lang von anderen.

Auch wenn manche den Krankheitsverlauf scheinbar gut überstanden haben, darf man nicht vergessen, dass viele Patienten sehr unter der Erkrankung leiden oder daran sterben. Bis heute sind in Deutschland etwa 9.500 Menschen an Covid-19 verstorben.

Von Fred Eilig

Keine Verbindung
Bitte Einstellungen prüfen