"Es ist normal, verschieden zu sein": Frau räumt Menschen mit Behinderung ihren Platz auf Instagram ein
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"Es ist normal, verschieden zu sein": Frau räumt Menschen mit Behinderung ihren Platz auf Instagram ein

Greta Scheichenost verwirklicht mit ihrem Instagram-Projekt ein Herzensthema und zeigt, wie wichtig es ist, dass wir die unterschiedlichen Gesichter unserer Gesellschaft kennen, um mit ihnen normal umzugehen.

Die Idee stammt von Greta Scheichenost, einer Sonderpädagogin aus Wien. Und die Botschaft dahinter könnte nicht wichtiger sein: Heute noch fühlen sich viele Menschen unsicher in Gegenwart von Menschen mit Behinderung und wissen nicht so recht, wie sie sich richtig verhalten sollen. Im schlimmsten Fall erfahren sie Ausgrenzung.

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Von der lieben @juloxyy (die ich sehr sehr toll finde) wurde ich nominiert um hier 5 Fakten über mich zu erzählen. Bisher habe ich solche Nominierungen immer höflich ignoriert, aber wenn sie von Julia kommt mach ich gerne eine Ausnahme. Ich möchte diese Fakten aber nicht nützen um zu erzählen wie sehr ich Hunde liebe. Oder Haselnusseis. Oder die Insel Hiddensee. Sondern um zu erklären warum ich „Und du so?“ gestartet habe: • • 1. Weil Menschen mit Behinderungen auch 2019 noch für grundlegende Rechte kämpfen müssen und dabei viel zu oft in die Rolle der BittstellerInnen gebracht werden 2. Weil Kinder mit Behinderungen viel zu oft nicht die Möglichkeit haben frei zu wählen welche Schule sie besuchen und die Umsetzung der inklusiven Schule noch viel zu häufig scheitert 3. Weil Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft zu wenig sichtbar sind und von Medien zu häufig die Opfer- oder Heldenrollen zugeschrieben bekommen 4. Weil wir alle die Diversität unserer Gesellschaft mehr feiern sollten (wir sollten generell mehr feiern. Das Leben und überhaupt. Aber bitte nur bis höchstens 2 Uhr früh. Alles andere verkraftet mein Körper nicht mehr) 5. Weil ich dadurch viele tolle Menschen kennengelernt habe. Online und Offline. Und manche von denen haben sogar Hunde. Und Hunde liebe ich (wie bereits erwähnt) ja sehr! • • Von mir gibt es keine Nominierungen, sondern Empfehlungen: @ninialagrande @fraugehlhaar @yugodeinesvertrauens @lightfortheworldint @travelsyndrom ❤️

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Menschen mit Behinderungen begegnen

Greta hat hier jedoch die einfache Antwort darauf: Einfach ganz normal verhalten. Und das geht am besten, wenn die Barriere durchbrochen wird, Menschen mit Behinderungen gesehen und sichtbar gemacht werden, dass ihre Begegnung nichts Ungewöhnliches darstellt.

Das gilt sowohl im realen Leben als auch im Internet. Sie werden zwar immer mehr miteinbezogen, aber sind leider noch zu wenig sichtbar - um ihnen eine Stimme zu geben, lässt sie ihnen ihre Geschichte auf ihrer Instagram-Seite "undduso" erzählen.

Instagram ist Greta zu wenig divers, zu einheitlich. Mit ihrem Projekt will zu ihren Beitrag zu einer inklusiven und diversen Gesellschaft leisten und sich einsetzen, dass Menschen mit Behinderungen nicht ausgegrenzt, sondern als Menschen wie Du und Ich wahrgenommen werden. In einem Gastkommentar der Woman schreibt sie:

Es geht nicht darum, dass eine Gruppe, eine andere Gruppe dazugehören lässt am großen Ganzen. Das würde nämlich bedeuten, dass die eine Gruppe das Recht hat zu entscheiden, wer dabei sein darf. Und so läuft es nicht. Nicht bei der Inklusion. Es geht um die gleichberechtigte Teilhabe. Und zwar von uns allen.

Unsere Gastautorin Greta ist Sonder- & Heilpädaogin und bringt es in ihrem Kommentar auf den Punkt: Beim Thema Inklusion...

Posted by WOMAN on Tuesday, November 6, 2018

Ein Gesicht, eine Geschichte

Greta steht hinter der Kamera und lässt die unterschiedlichsten Menschen ihre Geschichte erzählen. Sie versucht mit ihrem Projekt #undduso Menschen mit Behinderung Platz einzuräumen und sie sichtbarer zu machen. Eine Stimme haben sie jedoch schon selbst, wie sie gegenüber dem Bam-Magazin betont:

Immer wieder glauben Leute, dass #undduso Menschen mit Behinderungen eine Stimme gibt. Aber das tut es nicht. Denn eine Stimme haben sie schon. Viel zu oft, wird diese Stimme jedoch einfach überhört. Und das nervt.
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Das ist Daniela. Sie ist 41 Jahre alt und lebt mit Freund und Katze in Wien. Bei Dani weiß ich nicht genau wo ich anfangen soll. Es gibt so vieles über sie zu erzählen. Dani ist eine ziemlich coole Socke, die es schafft, dass man sich in ihrer Gegenwart nicht nur sehr schnell sehr wohl fühlt, sondern außerdem auch richtig viel Spaß mit ihr hat. Diese Frau hat so viel zu sagen. Und ihr zu zuhören ist inspirierend und tut gut. So spricht sie offen über diskriminierende Erfahrungen als kleinwüchsige Frau am 1.Arbeitsmarkt, mangelnde Barrierefreiheit oder wie sie mit den Vorurteilen umgeht, die ihr im Alltag häufig begegnen. Aber auch darüber, dass sie selbst ganz unbewusst Vorurteile hat und wie wichtig es ist diese abzubauen. Dani setzt sich aktiv für die Teilhabe anderer Menschen ein. Zum einen in ihrem Job in der Öffentlichkeitsarbeit einer Interessenvertretung, zum anderen auch privat. Dani hat eine Meinung und bringt diese auf den Punkt. Und das mit ganz viel Verständnis fürs Gegenüber. Sie ist laut und vergisst dabei nicht aufs Zuhören. Der Austausch mit Dani hat gut getan. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Das macht aber nix - denn es war bestimmt nicht unser letztes Treffen! Danke Dani ❤️ #undduso #daniela #dani #inklusion #inclusion #nobarriers #barrierefreiheit #ability #disabilityawareness #woman #equality

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Auch am Frauenwelttag greift sie die Geschichten auf und zeigt, wie viel Empowerment es noch braucht, dass auch diese Frauen gleichberechtigt am Leben teilnehmen können.

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In Österreich leben rund 650 000 Frauen mit Behinderung. Und noch immer werden sie an einer gleichberechtigten Teilhabe gehindert und diskriminiert. Aufgrund ihrer Behinderung. Aufgrund ihres Geschlechts. Frauen mit Behinderung haben sehr häufig nicht die Möglichkeit am sogenannten 1. Arbeitsmarkt tätig zu sein. Sie arbeiten viel zu oft nicht für Gehalt, sondern für Taschengeld. Diese Frauen werden dadurch oft daran gehindert ein (finanziell) selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie sind abhängig. Und diese Abhängigkeit für dazu, dass Frauen mit Behinderung noch öfter von Armut betroffen sind und um ein Vielfaches häufiger Opfer von Gewalt werden. Es braucht Empowerment und es braucht Sichtbarkeit! Nehmt diesen Tag zum Anlass und informiert euch! Beschäftigt euch ganz bewusst mit dem Thema. Lest oder fragt nach, findet heraus wie tragisch der Ist-Zustand ist. Wir müssen die Gleichstellung fordern und sollten dabei auf niemanden vergessen. #womanwithdisabilities #woman #inklusion #equality #diversity

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Die Menschen, die Greta erzählen lässt, trifft sie an vielen verschiedenen Orten. Als Sonderpädagogin trifft sie die ein oder andere Person in der Schule, die sich zeigen wollen, oder Menschen auf der Straße oder bei Freizeitaktivitäten, wie Tanzgruppen.

Die Darstellung auf Instagram ist freiwillig - die Menschen sind ihr und dem Projekt aber sehr offen gegenüber. Im Interview mit Alexa Peng erzählt Greta Scheichenost von ihrer Vorgangsweise:

Bei dem Projekt geht es mir darum, aufmerksam zu machen. Darauf, dass es normal ist verschieden zu sein und darauf, dass wir als Gesellschaft die Großartigkeit in dieser Diversität sehen und sie als Chance nutzen sollten.
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Das ist Munawar. Er ist 25 Jahre alt und lebt auf Lombok in Indonesien. Munawar ist professioneller Schwimmer. Während unseres Gesprächs erzählt er mir, dass er Glück hatte, weil er von einem Schwimmtrainer entdeckt wurde, der an ihn und sein Talent geglaubt hat. „Meine Behinderung war dem Trainer egal!“ Alles andere - seine vielen Erfolge in den Wettkämpfen und das hartnäckige Verfolgen seiner Ziele war kein Glück, sagt Munawar. Das war harte Arbeit und Disziplin. In dem Dorf, in dem er aufgewachsen ist hat Munawar niemals Diskriminierung erfahren oder das Gefühl nicht dazu zu gehören. „Ich war einer von ihnen und für die anderen Leute ganz normal. Ich wurde immer akzeptiert!“ ❤️ • • That‘s Munawar. He is a 25 year old swimmer from Lombok, Indonesia. Munawar considers himself lucky because he caught the attention of a swimming coach who saw his potential and believed in his talent. „He didn’t care about my disability!“ Besides that nothing was just luck. All the achievements at different competitions or always following his goals were possible because of hard work and discipline. Growing up in a village Munawar never experienced any discrimination. „I‘ve always been a part of the community. They all considered me as normal. I‘ve always been accepted!“ ❤️ #undduso #munawar #unddusoindonesia #inclusion #inklusion #nobarriers #swimmer #barrierefrei #barrierefreiheit #ability #disabilityawareness #disability #lombok #athlete

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Von Maximilian Vogel

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