Geruchsverlust wegen Long Covid: Riechtraining gibt Hoffnung

Eine der häufigsten Folgen von Covid-19 ist eine Riechstörung und schlimmstenfalls der komplette Verlust des Geruchssinns. Das ist für die Betroffenen äußerst deprimierend, aber es gibt Hoffnung.

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Auch bei einem milden Verlauf sind rund 80% der Covid-19-Patienten von Riechstörungen betroffen. Das liegt vermutlich daran, dass die Viren in der Nasenschleimhaut Riechzellen zerstören können.

Oftmals sind diese zwar in der Lage, sich wieder zu regenerieren, doch bei manchen Menschen kann es zu einer längeren oder gar dauerhaften Störung des Geruchssinns kommen.

Etwa 10% der Corona-Patienten verlieren ihr Geruchsvermögen

Experten gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent des Riechvermögens durch Covid-19 verloren gehen können. Der Fachbegriff für Riechstörung ist Parosmie, im Vergleich zur Anosmie, die den Verlust des Geruchssinns bezeichnet.

Bisher ist die Forschung noch nicht sicher, was genau bei einer Covid-19-Erkrankung zu Parosmie führt. Caroline Huart, HNO-Ärtzin am UCL-Klinikum in Brüssel, nennt zwei mögliche Gründe dafür.

Demnach zeigen einige Studien, dass das Virus Zellen befällt, welche die Geruchsneuronen in der Nase umgeben. Es gibt jedoch eine weitere Vermutung, wie die Medizinerin erklärt:

Die Geruchsneuronen selbst werden vom Virus attackiert.

Dadurch könne SARS-CoV-2 direkt in den Riechkolben vordringen, den Mittler zwischen Nase und Gehirn. Hat das Coronavirus einmal die Geruchsneuronen zerstört, finden einige Duftmoleküle keinen passenden Rezeptor mehr.

So gelangt anschließend nur ein unvollständiger Dufteindruck ins Gehirn, was zu einer Geruchsverwirrung führen kann, sodass Betroffene zum Beispiel Kaffee- oder Rosen-Duft nicht mehr richtig erkennen können.

Riechtraining als Hoffnung

Trotzdem besteht auch bei schon länger verlorenem Geruchssinn Hoffnung, denn ein einfaches Riechtraining kann die Geruchswahrnehmung deutlich verbessern.

Patienten sollen dabei regelmäßig an vier intensiven Duftproben (zum Beispiel Rose, Eukalyptus, Zitrone, Nelke) riechen, die sie sich morgens und abends für 10 bis 15 Sekunden unter die Nase halten.

Dabei sollen sie sich darauf konzentrieren, den Geruch wahrzunehmen. Beim Riechtraining geht es nicht darum, den Geruch zu erkennen und zuzuordnen, sondern um das reine Wahrnehmen.

Sind die Betroffenen bei bestimmten Duftstoffen nicht fähig, diese wahrzunehmen, sollen sie geduldig immer weiter trainieren. Ziel der Behandlung ist die Bildung neuer Verschaltungen im Gehirn.

Diese sollen dann die Funktion der geschädigten Bahnen im Alltag übernehmen. Ein weiterer Hoffnungsschimmer: Riechzellen sind in der Lage, sich regelmäßig zu erneuern.

Raucher haben übrigens oft dasselbe Problem. Wer aufhört zu rauchen, gewinnt einen großen Teil seines Geruchssinnes zurück. Apropos unangenehme Gerüche: So lassen sich Zigarettengeruch und kalter Rauch beseitigen.