"Illusorisch": Virologe kritisiert Lockdown-Verlängerung

Aufgrund der weiter steigenden Zahlen verlängert die Regierung den Corona-Lockdown kurzerhand - und weitet die Einschränkungen sogar aus. Darauf folgt scharfe Kritik am nun gewählten Kurs. Auch ein Virologe hat Zweifel.

"Illusorisch": Virologe kritisiert Lockdown-Verlängerung
Weiterlesen
Weiterlesen

Wenn wir uns über eines bei der Corona-Pandemie sicher sein können, dann ist es der ewige Streit über die korrekte Wahl der zu treffenden Maßnahmen. Als die Bundesregierung nun ankündigt, nicht nur den Lockdown bis Ende diesen Monats zu verlängern, sondern die Regeln nochmals zu verschärfen, gehen wieder Menschen auf die Barrikaden.

Doch es sind nicht nur Verschwörungstheoretiker und Querdenker, die Kritik am neuen Fahrplan der Regierung übern. Selbst Experten haben ihre Zweifel an den durchgesetzten Maßnahmen.

Virologe sieht die Lockdown-Verlängerung kritisch

Allen voran Klaus Stöhr: Der Virologe arbeitet in eng zusammen mit der WHO, kennt sich mit Pandemien also grundsätzlich aus. Im Interview mit der ARD erklärt er nun, was ihn am neuen Corona-Plan stört.

Während er Kontaktbeschränkungen an sich durchaus für notwendig empfindet, hält er die nun gewählte Inzidenz-Grenze von 50 Infizierten pro Region für "wünschenswert, aber illusorisch".

Obwohl in den letzten Wochen Inzidenzen von durchschnittlich 100 bis 120 vor Ort vorgefunden wurden, ist unser Gesundheitssystem aktuell noch nicht überlastet, so Stöhr.

Selbst wenn einige Krankenhäuser zurzeit am Rande ihrer Kapazitäten agieren würden, sei bundesweit erkennbar, dass die Lage diesbezüglich noch nicht ernst ist.

Lockdown-Verlängerung: Ist das die richtige Entscheidung? WavebreakMediaMicro@Adobe Stock

Kompromiss zwischen Regeln und Freiheiten

Stöhr sorgt sich angesichts des weitergehenden Lockdowns auch um die wirtschaftliche Situation im Land, die sich von Tag zu Tag verschlechtert, sowie die scharfen Eingriffe in die Grundrechte der Bürger. Deswegen fordert er:

Es muss ein besserer, ausgeglichener Kompromiss gefunden werden, um die Auswirkungen der Krankheit zu reduzieren, die wirtschaftlichen Auswirkungen; aber auch die freiheitlichen Rechte nicht weiter einzuschränken.

Stöhr sieht die Ursache für den intransparenten und wenig vorausschauenden Plan der Regierung in den unvollständigen Daten zur Pandemie. Aus diesem Grund werden wir wohl weiterhin mit spontanen, tiefgreifenden Einschränkungen rechnen müssen.