Forscher haben die Ursache des Reizdarmsyndroms gefunden

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leidet am sogenannten Reizdarmsyndrom. Was sind die Ursachen und wie kann diese Erkrankung erkannt werden?

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Leidet ihr über Wochen hinweg unter anhaltenden Bauchkrämpfen, Durchfall oder Blähungen? In diesem Fall kann es sein, dass diese Symptome von einem Reizdarmsyndrom kommen. Forscher glauben jetzt, zumindest eine der Ursachen hierfür gefunden zu haben. Genauer wird nun eine Immunreaktion des Darms angenommen, die von bestimmten Lebensmittel-Antigenen ausgelöst wird.

Ein Umdenken ist notwendig

Eine an der belgischen Universität Leuven, in der Abteilung für chronische Krankheiten, an Mäusen durchgeführte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bestimmte Nahrungsmittelallergene im Darm eine Immunreaktion auslösen können, bei der die Mastzellen angeregt werden. Darmexpertin Dr. Viola Andresen vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg bezieht hierzu gegenüber BILD Stellung:

Das ist nicht neu. [...] In der Studie haben die Wissenschaftler den bereits unter einem Darminfekt leidenden Mäusen das Antigen in den Darm injiziert. Das ist so auf den Menschen nicht übertragbar, [...] Denn Infekte können natürlich auch Barrierestörungen auslösen und Reaktionen auf Lebensmittel-Antigene sind sicherlich im Zuge einer solchen Barrierestörung deutlich erhöht.

Nach der Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie, Dr. Dagmar Mainz, ist es nötig, unser Verständnis des Reizdarmsyndroms zu überdenken. BILD gegenüber gibt sie zu bedenken:

Bisher wurde das Reizdarmsyndrom als eine bestimmte Konstellation von Symptomen wie Bauchschmerzen und Blähungen, meist mit Durchfall oder Verstopfung über länger als drei Monate definiert. Das Reizdarmsyndrom ist aber so komplex, dass bei vielen ganz viele unterschiedliche Ursachen eine Rolle spielen können.

Vielschichtiges Phänomen

Vielmehr gilt es hier, auch Stress und psychosoziale Faktoren in den Blick zu nehmen, die bei bestimmten Personen dazu beitragen, "nach einer Darminfektion oder nach einer Antibiotika-Therapie eine gestörte Barrierefunktion" festzustellen. Erschwerend kommt hinzu, dass es Nahrungsmittelreaktionen gibt, die bislang als reine Nahrungsmittelintoleranzen bewertet wurden.

Dr. Viola Andresen unterstreicht die Vielschichtigkeit des Phänomens "Reizdarm":

Nicht bei allen Reizdarmpatienten findet man vermehrt Entzündungszellen, nicht bei allen eine Unverträglichkeit. Das sind immer nur Belege, die man bei Gruppen von Patienten nachweisen kann, aber eben nicht bei allen. Es ist nicht diese eine Krankheit, sondern eher das Symptombild, das immer gleich bleibt, aber durch verschiedene Mechanismen ausgelöst wird.

Das Ernährungstagebuch

Die Ursachen, die die Beschwerden auslösen bzw. verstärken sind also bei jedem Patienten verschieden. Kann man denn die Beschwerden auch mit einfachen Methoden genauer deuten oder sogar lindern? Dr. Dagmar Mainz bringt das Problem hier auf den Punkt:

Bei dem einen Patienten helfen Probiotika, bei dem anderen Pfefferminzöl oder Yoga – das ist bei jedem unterschiedlich.

Ein Arztbesuch ist also bei anhaltenden Beschwerden unumgänglich. Im Vorfeld zu einem Arztbesuch erscheint es allerdings sinnvoll, schon über längere Zeit ein Ernährungstagebuch geführt zu haben. Auf diese einfache Art und Weise kann dann nämlich festgestellt werden, welche Nahrungsmittel Beschwerden auslösen bzw. verschlimmern.