Jedes zweite Discounter-Hähnchen macht uns gegen Antibiotika resistent

Drohen uns Antibiotikaresistenzen durch den Verzehr von Hähnchenfleisch? Aktuelle Untersuchungen von Discounter-Fleisch kommen zu besorgniserregenden Ergebnissen.

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Es ist allgemein bekannt, dass in der Fleischindustrie zahlreiche Antibiotika zum Einsatz kommen, doch kaum jemand hätte damit gerechnet, wie erschreckend das Ausmaß ist. Eine aktuelle Studie von Germanwatch und Ärzte gegen Massentierhaltung zeigt nun ganz klar die Missstände auf.

Immer wieder gibt es Produktrückrufe in Supermärkten und Disountern beispielsweise wegen Listerienbefall von Fleischprodukten. Aber auch Mogelpackungen bei Fleisch ärgern Kunden sowie ekelerregende Funde, die nichts im Fleisch zu suchen haben...

Discounter-Fleisch von Lidl und Aldi

Für die Studie werden in Deutschland, Frankreich, Polen und Spanien 156 Fleischproben aus Filialen der Supermärkte Aldi und Lidl untersucht, die von den drei größten EU-Geflügelkonzernen PHW, LDC und Plukon stammen.

Für die Untersuchung konzentriert man sich explizit auf Discounter-Fleisch, weil es nach wie vor von den Verbrauchern am meisten gekauft wird. Auch wenn man bei Aldi und Lidl besonders günstig einkaufen kann, sprechen die besorgniserregenden Ergebnisse doch für sich.

Fleisch besser nicht beim Discounter einkaufen...  Juanmonino@Getty Images

Gefährliche Antibiotikaresistenzen

Die Ergebnisse zeigen, dass jedes zweite Discounter-Hähnchen von den genannten Betrieben mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist und das Fleisch jedes Dritten sogar Erreger enthält, die gegen sogenannte Reserveantibiotika resistent sind.

Eine erschreckende Bilanz, da diese Reserveantibiotika in Krankenhäusern als Notfallmedikamente eingesetzt werden, wenn alle gebräuchlichen Antibiotika nicht mehr wirken.

Sollten sich auch gegen diese Reserveantibiotika Resistenzen entwickeln, bedeutet dies ein katastrophales Gesundheitsrisiko. Aktuell sterben in Deutschland jährlich 2.400 Menschen aufgrund von Antibiotikaresistenzen.

Besorgniserregende Kontaminationsrate

Auch wenn die Ergebnisse der aktuellen Studie aufgrund der geringen Probenzahl nicht repräsentativ sind, so zeigen sie doch die Missstände in der europäischen Geflügelproduktion auf. Agrarexpertin Reinhild Benning von der Organisation Germanwatch kritisiert:

Tierärzte in der EU verbrauchen mehr Antibiotika für Tiere als die Humanmedizin für kranke Menschen.

Zwar werden in europäischen Betrieben seit einigen Jahren immer weniger Antibiotika eingesetzt, doch die Ergebnisse der Studie zeigen, dass da noch viel Luft nach oben ist. Allein beim Fleisch der deutschen PHW-Gruppe liegt die Kontaminationsrate bei 59 Prozent.

Der ZDG bleibt gelassen

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) sieht in den Ergebnissen keine besonderen gesundheitlichen Bedenken für die Verbraucher. Wenn man sich an die gängige Küchenhygiene halte, sprich das Fleisch durchgare, habe man nichts zu befürchten.

Auch wenn man versuche, den Antibiotikaeinsatz weiter zu reduzieren, könne eine absolute Keimfreiheit bei Lebensmitteln nie gewährleistet werden. In einer Stellungnahme des Verbandes heißt es:

Bakterien und Keime sind in der Umwelt und damit in der Umgebung von Mensch und Tier immer vorhanden.

Germanwatch ruft zum Handeln auf

Für Germanwatch steht jedoch fest, dass umgehend gehandelt werden muss, um etwaigen gesundheitlichen Gefahren vorzubeugen. Die Organisation fordert daher unter anderem, den Einsatz sämtlicher Reserveantibiotika zu verbieten.

Tatsächlich ist ein derartiges Verbot für die Tierzucht europaweit bereits in Planung. Ob man weitere Maßnahmen, wie die Umstellung auf robustere Geflügelrassen durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Mehr Informationen findet ihr in unserem Video zu diesem Artikel.