Johnson macht „Demokratie im Peking-Stil“: Er will nur Geimpfte zurück an die Uni lassen

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson soll wütend auf junge Menschen sein, die sich nicht impfen lassen und will daher eine Art Impfpflicht für die Universitäten ausstellen.

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Impfpässe an britischen Universitäten sollen laut Boris Johnson verpflichtend werden, da junge Menschen zwölf mal häufiger an Covid-19 erkranken als über 60-jährige, sich aber deutlich seltener impfen lassen.

Boris Johnson's neue Idee

Großbritanniens Premierminister wollte in der jüngeren Vergangenheit schon mehrere Ideen durchsetzen, die die breite Masse als waghalsig und unüberlegt verstanden hat.

So wollte er sich beispielsweise live mit dem Coronavirus infizieren lassen, um zu beweisen, dass es harmlos ist. Auch wurden letzte Woche in Großbritannien alle Corona-Maßnahmen restlos fallen gelassen.

Nun soll Boris Johnson über die relativ geringe Verbreitung von Covid-Impfungen bei jungen Menschen „wütend“ sein und bringt einen Vorschlag ein, der die Quoten erhöhen soll.

Wie die Daily Mail berichtet, sollen Studenten ab September erst dann wieder auf den Campus dürfen, wenn sie nachweisen können, dass sie doppelt geimpft sind.

Kritik aus der Politik

Der Tory-Abgeordnete Thomas Tugendhat stellt sich, wie einige seiner Kolleg:innen gegen das Programm. Dieses Vorgehen würde zu einer anderen Form des Personalausweises führen.

Andere konservative Abgeordnete bezeichnen das Programm als „falsch“. Damit riskiere Großbritannien, zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft zu werden. Der Vorsitzende des Sonderausschusses für auswärtige Angelegenheiten sagte gegenüber TalkRadio:

Wir müssen extrem aufpassen, dass wir nicht von einer Demokratie nach Brüssel-Typ zu einer Demokratie nach Peking-Typ übergehen.

Laut der University and College Union(UCU) ist diese Idee „enorm diskriminierend“ gegenüber ausländischen Studenten und den Menschen, die nicht geimpft werden können.

Mehr Infektionen bei den Jüngeren

Während sich die Covid-Fälle mittlerweile verstärkt auf die jungen Altersgruppen konzentrieren, lassen sich weniger junge als ältere Menschen in Großbritannien impfen.

Anders als viele Menschen im fortgeschrittenen Alter, sehen sie das Virus nicht als wirkliche Bedrohung an. Zuletzt waren 20 mal mehr Briten in ihren 20ern infiziert, als die über 80-Jährigen.

Junge Menschen anders ansprechen

Die Generalsekretärin der UCU weist darauf hin, dass der Plan Johnsons es so aussehen ließe, als seien die jungen Menschen schuld daran, noch keinen Impfstoff aufgenommen haben, für den sie keine Priorität haben.

Sie fordert Johnson auf, stattdessen mit Universitäten zusammenzuarbeiten, um die Akzeptanz bei jungen Menschen zu steigern. Sollte seine Idee allerdings durchgesetzt werden, sind verärgerte Bürger:innen zu erwarten.

Zuvor hat Johnson angekündigt, dass Impfpässe eine gesetzliche Zugangsbedingung für Nachtclubs sein werden. Johnson hoffe, dieser Schritt setze die jungen Leute unter Druck.

Als die Impfkampagnen Ende letzten Jahres international angelaufen sind, bei denen die Regierungschefs oberste Priorität hatten, wollte sich Johnson selbst nicht impfen lassen.