Mehr als 100 besorgniserregende Substanzen in Kinderspielzeug aus Plastik entdeckt

Phthalsäureester, Bisphenol A, Schwermetalle, Formaldehyd, synthetische Duftstoffe... Zahlreiche für unsere Kinder giftige Substanzen können in ihrem Spielzeug enthalten sein. Dies wird gerade wieder von neuen internationalen Forschungen bestätigt.

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Den beteiligten Forschern zufolge häufen Kinder in westlichen Ländern jährlich im Durchschnitt 18,3 Kilogramm Plastikspielzeug an. Sind wir denn überhaupt genauer darüber informiert, welche Stoffe in diesem Spielzeug enthalten sind?

Eine neue internationale Untersuchung ist gerade in der Januarausgabe der Zeitschrift Environment Internationalpubliziert worden. In ihr werden mehr als hundert chemische Substanzen als besorgniserregend eingestuft, die regelmäßig in für Spielzeug verwendeten Plastikarten enthalten sind.

Die Forscher unterstreichen dabei, dass von diesen Substanzen ein nicht zu vernachlässigendes Gesundheitsrisiko ausgeht und warnen eindringlich davor, vor allem da Babys diese oftmals in den Mund stecken.

126 womöglich schädliche Substanzen

Um dieses Problem besser herauszuarbeiten, haben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die chemischen Daten von 25 bereits durchgeführten Studien gesammelt.

Zudem haben sie versucht, das jeweilige Risiko zu ermessen, also je nachdem wie und wie lange das jeweilige Spielzeug gehandhabt wird (Verwendungsdauer, wird es in den Mund gesteckt, wie viele dieser Objekte kommen in einem Haushalt vor, usw.). In einer Pressemitteilung erklärt Peter Fantke, Forscher an der Dänischen Technischen Universität (DTU), in diesem Zusammenhang:

Von den 419 chemischen Substanzen, die in Kinderspielzeug aus Hartplastik-, Weichplastik- und Schaumkunststoff-Materialien gefunden worden sind, sind 126 als womöglich schädlich für die Gesundheit der Kinder eingestuft worden. Darunter sind 31 Weichmacher, 18 Flammschutzmittel und 8 Duftstoffe, die krebserregend sind oder anderweitig schädliche Auswirkungen haben können.

Unter diesen 126 besorgniserregenden chemischen Substanzen befinden sich 27, zu denen Phthalsäureester als Weichmacher und zudem Flammschutzmittel gehören, deren Verwendung bereits streng geregelt ist.

Trotzdem sind sie immer noch in dem getesteten Spielzeug zu finden. 17 weitere Substanzen tauchen daneben noch nicht in den Aufstellungen der vorgesehenen Regelungen auf, und das obwohl diese der Gesundheit der Kleinsten gefährlich werden können.

Andere Substanzen werden dann noch als "bedauernswerte Ersatzmittel" bezeichnet, die alternativ verwendet, aber als risikobehaftet eingestuft werden.

Spielzeug aus Plastik enthält großteils beunruhigende Inhaltsstoffe, die für Kinder gefährlich werden können. Nareeta Martin@Unsplash

Die Festsetzung von Schwellenwerten ist unumgänglich

Damit ist aber noch nicht genug. Daneben sind noch weitere besorgniserregende chemische Substanzen von dieser Studie festgestellt worden, die zwar schädlich sein können, aber dennoch als "hinnehmbar" eingestuft worden sind.

Folgt man dem Forschungsteam, sollen ihre gesammelten Schwellenwerte, die als "maximaler hinnehmbarer chemischer Gehalt" bezeichnet werden, von den entscheidenden Instanzen sowie von den Herstellern von Kinderspielzeug als Richtmaß verwendet werden.

Weniger Spielzeug besitzen

Auf diese Weise soll man für die jeweiligen Mengen dieser Substanzen im Spielzeug Grenzen festlegen und auf deren Einhaltung achten können. Bis das soweit ist, sollen auch die Eltern zuhause nicht tatenlos sein. Die Wissenschaftler lassen hierzu wissen:

Ein wirksames und praktisches Mittel, die Expositionsdauer hinsichtlich dieser vorrangigen chemischen Substanzen im Plastikspielzeug zu reduzieren, liegt in der Verringerung der Zahl der jährlich in einem Haushalt neu angeschafften Objekte.

Die Forscher und Forscherinnen erklären in der Folge, warum es neben den gefährlichen Inhaltsstoffen zudem besser für Kinder sei, weniger Spielzeug zu besitzen:

Dies wird auch durch eine neuere Studie vertreten, die aufgezeigt hat, dass die Qualität des Spielens von Kindern negativ durch eine zu große Spielzeugfülle beeinträchtigt wird. Weniger Spielzeug zu haben kann den Jüngsten dabei helfen, sich besser zu konzentrieren und auf kreativere Weise zu spielen.