Ohne Zustimmung der STIKO: Politik beschließt Impf-Angebot für alle ab zwölf Jahren

Die Gesundheitsminister Deutschlands stimmen am Montag einstimmig für das Impfen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren - und zwar ohne Zustimmung der STIKO.

Seit die Impfkampagne in Deutschland Anfang des Jahres für Erwachsende angelaufen ist, wird die Frage nach dem Impfstart für Kinder und Jugendliche immer lauter.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) will allerdings bisher keine pauschale Impfempfehlung für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren aussprechen.

Minister beschließen einstimmig

Schon vor mehreren Monaten überlegt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die bundesweite Impfung Jugendlicher auch ohne die offizielle Empfehlung der STIKO zu genehmigen.

In einer Konferenz am Montag haben die Gesundheitsminister:innen Deutschlands diskutiert, ob sie das breitflächige Impfen - unter anderem auch an Schulen - gestatten sollen.

Tatsächlich beschließen die Minister:innen einstimmig, die Erlaubnis für das Impfen Kinder und Jugendlicher in Impfzentren und anderen offiziellen Stellen zu erteilen.

Der Beschluss sieht in jedem Fall eine ärztliche Aufklärung und, wenn notwendig, die Zustimmung der Sorgeberechtigten vor. Impfstoff gebe es laut Jens Spahn mehr als genug.

STIKO lässt nicht locker

Von 4,5 Millionen Jugendlichen (12-17 Jahre) in Deutschland seien erst um die 20 Prozent geimpft, so der Gesundheitsminister auf seinem Twitter-Account am Samstag.

Das ist sowohl für die Kommissionsmitglieder als auch den Deutschen Hausärtzeverband kein Grund, die Empfehlung der STIKO einfach zu übergehen.

Wie STIKO-Chef Thomas Mertens zuvor gegenüber der Welt erklärt hat, ist das Gremium intensiv dabei, die beste Empfehlung anhand der vorliegenden wissenschaftlichen Daten auszuarbeiten. Dem NDR erklärt er:

Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.

Auch der Druck vonseiten der Politik sei innerhalb der Kommission spürbar, wodurch sie sich aber nicht einschüchtern oder beeinflussen ließe.

Hausärzt:innen sind nicht begeistert

Nun sprechen sich vermehrt Hausärzt:innen in Deutschland gegen die Entscheidung der Regierung aus. So sagt der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt gegenüber dem RND:

Diese Diskussion unter Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission kann eher zur Verunsicherung führen, als dass sie der Impfkampagne hilft.

Da Kinder und Jugendliche mit hohem Risiko einer schweren Erkrankung ja bereits geimpft werden dürften, verstehe er nicht, wieso die Politik nicht auf die ernstzunehmende Empfehlung des Expertengremiums warten kann.

Coronavirus: Impfung von Kindern unter 12 Jahren rückt näher Coronavirus: Impfung von Kindern unter 12 Jahren rückt näher