Psychologen wollen jetzt „beste Freunde“ verbieten

Psychologen wollen jetzt „beste Freunde“ verbieten

Kinder sollen in der Schule und im Kindergarten keine "besten Freunde" mehr haben dürfen. Das fordern nun mehrere Psychologen - der Grund ist eine Überlegung wert.

Damit Kinder sich nicht mehr ausgeschlossen fühlen, wollen immer mehr Schulen in England und den USA den Begriff „besten Freund“ verbieten lassen. Die amerikanische Kinderpsychologin Barbara Greenberg hält das für ein faszinierendes gesellschaftliches Experiment.  

Schließen „beste Freunde“ andere Klassenkameraden aus?

Dieser Meinung ist jedenfalls Greenberg, sie sagt: „Ich sehe die ganze Woche über Kinder, die sich schrecklich fühlen, weil sie keinen besten Freund haben und deshalb ausgeschlossen werden.“ Ziel des Ganzen sei es, Kinder mehr miteinander zu verbinden. Greenberg nennt es „Miteinbeziehen statt ausschließen“. Auch wenn man den Kindern nicht ganz verbieten könne, einen besten Freund zu haben, wollen die Schulen zumindest versuchen zu vermitteln, dass man mehr als einen Freund haben kann. Dies sorge für ein glücklicheres Miteinander unter den Kindern, so die Kinderpsychologin.

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Verbot „undenkbar“ für deutschen Psychologen 

Der deutsche Psychologe und Autor des Buchs „Freundschaft: Beginnen, verbessern, gestalten“ ist überhaupt nicht einverstanden mit dieser Herangehensweise. „Es ist nicht schlecht, sondern normal, einen besten Freund zu haben. Wir alle haben einen“, sagt Krüger. Natürlich versteht der Psychologe die Absicht, ausgeschlossene Kinder so besser integrieren zu können: „Schüler müssen lernen, sich zu respektieren und Konflikte zu lösen. Das gehört zur Sozialkompetenz.“ Die Lösung sieht Krüger jedoch nicht im Verbot des besten Freundes, findet diese Herangehensweise „geradezu albern.“

Aufgabe der Lehrer, in kritischen Situationen einzugreifen

Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm mahnt Eltern zur Verantwortung: „Es braucht Erwachsene, die den Kindern beibringen, dass man sehr wohl beste Freunde haben darf, aber auch mit anderen Kindern Kontakte schließen soll, die eher abseits stehen.“ Gruppendynamiken in Schulklassen sind Bestandteil einer pädagogischen Ausbildung, und somit Sache der Lehrer, findet wiederum Christine Villiger, Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Zürich: “Thematisiert werden etwa pädagogische Maßnahmen, mit denen Lehrer Einfluss auf die Gruppendynamik nehmen können.“

• Sophie Kausch
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