"Psychosomatische Manifestationen": Welche Mechanismen zu der Entstehung von Long Covid beitragen

Nach einer Covid-19-Infektion sind Post-Corona-Symptomen nicht selten. Doch auch psychische Probleme können dazu beitragen. Das sind die häufigsten Mechanismen, die zu einer Langzeiterkrankung führen.

"Ich sehe das Leid dieser Betroffenen"

Als Facharzt für Innere Medizin behandelt Peter Niemann täglich Corona-infizierte Patient:innen. Eines fällt ihm dabei besonders auf: Die Langzeitfolgen. Viele der an dem Virus erkrankten Menschen haben solche Beschwerden. Und diese sollte man mehr Beachtung schenken.

Ich sehe das Leid dieser Betroffenen, wie sie noch Monate später Atemschwierigkeiten haben und Sauerstoff benötigen, höre mir ihre Schilderungen über ihre schier unüberwindliche Müdigkeit an und konstatiere ihre Denk-, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.

Eines möchte der Arzt von Beginn an klarstellen: Covid-19 ist weder ein todesgefährlicher Virus, noch sollte er verharmlost werden. Long-Covid sei nicht nur eine Auffälligkeit von Corona, sondern auch von anderen Erkrankungen. Aber bei bei den Post-Corona-Symptomen gibt es noch einige Kontroversen.

Sicherlich habt ihr euch auch schon einmal Gedanken darum gemacht. Eine einfache Antwort gibt es allerdings nicht zu den Folgen. Das Unerklärliche daran ist: Bei jedem Menschen tauchen sie zu einem anderen Zeitpunkt auf und obwohl sie unter keinem schweren Verlauf gelitten haben.

Long Covid nach vier Wochen

Kurze Begriffserklärung: In den ersten vier Wochen einer Infektion spricht man von einem Corona-Erkrankten. Wer danach noch mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen hat, leidet an den Post-Corona-Symtpomen, also dem Long Covid. Niemann verweist auf eine Studie von Forscher:innen, welche die die Wahrscheinlichkeit von Long Covid berechnet:

Bis zu 35 Prozent aller an Covid-19 Erkrankten, also vom Asymptomatischen bis hin zum Schwerkranken, der wochenlang im Krankenhaus behandelt wurde, erkranken auch an einem Post-Covid-19-Syndrom.

Der Facharzt fügt hinzu: "Besonders häufig sind Menschen betroffen, wenn sie zwischen 40 und 60 Jahre alt sind und unter besonders ausgeprägten Beschwerden bei Covid-19 litten."

Die Beschwerden unter denen rund 60 bis 70 Prozent aller Erkrankten leiden und von denen ihr sicher schon etwas gehört habt, seien Konzentrationsstörungen, geringere Belastbarkeit oder anhaltenden Riech- und Schmeckstörungen.

"Psychosomatische Manifestationen"

Niemann meint, "dass Menschen mit vorbestehenden psychischen Störungen eher zu Long Covid neigen als psychisch gesunde." Es gibt allerdings noch eine andere Auswirkung, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen auftreten würde.

Eine Erkrankung hängt auch immer mit der Psyche zusammen. Die sogenannte "Psychosomatische Manifestationen" sei ein Grund für die Entstehung von Long Covid.

So kann es zu einer Art Posttraumatische Belastungsstörung führen, wenn Menschen die Erfahrung machen müssen, auf Intensivstationen behandelt zu werden und auf Beatmungshilfe angewiesen sind.

Junge Menschen sind anfälliger

Doch wie bereits in anderen veröffentlichten Studien bekannt wurde, habe auch die Pandemie, ohne den Falle einer Erkrankung mit dem Virus zu Einsamkeit, psychische Auswirkungen auf die Menschen. Gründe dafür sind Lockdown-Stress, Angst vor dem Virus, Existenzsorgen, Jobverlust, Homeschooling, Konflikte in der Familie.

Da Kinder und Jugendliche insgesamt anfälliger für verschiedene Stressfaktoren seien, ist es auch sehr wahrscheinlich, dass sie nach einer Infektion an Post-Corona-Symptomen leiden. Selbst wenn sich die Erkrankung nur mit einem kleinen Schnupfen äußert, ist es nicht selten, dass sie mit Langzeitfolgen zu kämpfen haben.

Fehlendes Behandlungskonzept

Ein weiterer Mechanismus, der Long Covid hervorrufen kann, ist die "mitochondriale Fehlfunktion" bei der die Mitochondrien nicht mehr genügend Energie für den Körper produzieren und es zu der anhaltenden Müdigkeit, Erschöpfung und Muskelschmerzen kommt.

In Niemanns Augen fehle es noch an einem "gesamten und sich in einer Hand befindlichen Behandlungskonzeptes" für Corona-Patient:innen. Sie würden zwar Unterstützung bekommen, allerdings gibt es immer mehr Patient:innen, die klagen, dass ihre Schmerzen nicht ernst genommen würden.

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