Rückschritt durch Corona-Krise: Gender Pay Gap vergrößert sich drastisch
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Rückschritt durch Corona-Krise: Gender Pay Gap vergrößert sich drastisch

Wird die Gender Pay Gap infolge der Corona-Krise wieder größer? Britische Experten warnen vor Rückschritten und ziehen die erste Bilanz, die Schlimmes vermuten lässt.

Die Corona-Krise hinterlässt ihre Spuren, auch bei den Einkommensunterschieden. Auch wenn in den letzten Jahren stark daran gearbeitet wird, die sogenannte Gender Pay Gap zu verkleinern, hat die Pandemie gezeigt, dass in Krisenzeiten Frauen weiterhin die schlechter bezahlte Karte haben.

Unternehmen in Großbritannien beispielsweise haben seit 2017 ab einer Unternehmensgröße von mehr als 250 Arbeitnehmer eine Meldepflicht für die Entgelte der Mitarbeiter.

Infolge der Corona-Krise sind diese Unternehmen im aktuellen Jahr jedoch nicht verpflichtet, beurlaubte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die Gender-Pay-Gap-Kalkulation miteinzubeziehen.

Die Einkommensunterschiede werden wieder größer... Peter Cade@Getty Images

Ungenaue Berichterstattung

Experten befürchten infolgedessen eine ungenaue Berichterstattung über den Ist-Zustand, denn immerhin haben 57 Prozent der britischen Unternehmen Nutzen von Sonderurlaub gemacht. Allein dadurch werden 3,2 Millionen Mitarbeiter nicht in der Kalkulation berücksichtigt.

Besonders negativ fällt in diesem Kontext auf, dass 14 Prozent mehr Mütter im Vergleich zu Vätern infolge der Corona-Krise Sonderurlaub genommen haben oder in ihren Berufen kürzer getreten sind. Vermehrter Urlaub und Kurzarbeit bei Frauen ist auch in Deutschland der Fall.

Nutzen die Unternehmen die Corona-Krise aus?

Hinzu kommt, dass neben der Lockerung der Meldepflicht in diesem Jahr bereits eine Zunahme der Gender Pay Gap von 11,8 Prozent auf 12,9 Prozent festgestellt wurde.

Viele befürchten außerdem, dass einige Unternehmen die Lockerungen ausnutzen, um ihren Bericht zu beschönigen. Das geht vor allem vielen Frauenrechtsbewegungen wie der britischen Fawcett Society gegen den Strich. Sie fordern strengere Meldepflichten, so wie es beispielsweise in Island, Spanien, Schweden und vielen anderen Ländern der Fall ist.

Strengere Datenerhebung erforderlich

Für die Experten steht fest, es muss eine genauere Datenerfassung und -analyse her, die sich nicht nur auf Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschränkt, sondern auch Unternehmen mit 30 Angestellten einbezieht.

Denn unabhängig davon, ob wir uns in einer Gesundheitskrise befinden, die schwerwiegende wirtschaftliche Folgen mit sich bringt, sollten Männer und Frauen gleichermaßen vergütet werden.

Kostenlose Kinderbetreuungen und bessere Bezahlungen für Jobs in denen Frauen dominieren wären großflächig notwendig. Und Projekte, wie das eines Berliner Start-Ups, das schwangeren Frauen eine Gehaltserhöhung gibt, sollten sich verstärken...

Von Maximilian Vogel

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