Studie bestätigt: Mehr als 39 Stunden-Arbeitswoche kann tödlich sein

Studie bestätigt: Mehr als 39 Stunden-Arbeitswoche kann tödlich sein

In den heutigen stressigen Zeiten und mit der ständigen Erreichbarkeit setzen wir uns selber immer mehr unter Druck - doch wie gefährlich das tatsächlich werden kann, haben jetzt Forscher in einer Studie belegt. 

Als ein 21-jähriger Praktikant nach 72-Stunden Dauerarbeit bei der Bank of America verstirbt, sind für Peter Flaming die Hintergründe dessen schon längst klar: In seinem Buch "The Death of Homo Economicus: Work, Debt and the Myth of Endless Accumulation" setzt sich der Autor mit der enormen Arbeitsbelastung in einigen Firmen auseinander, wie der Stern berichtet.

Die 39-Stunden-Woche: Ein Relikt vergangener Zeiten 

Auch interessant
"Tierleid, Gesundheit und Klimawandel": Rügenwalder Mühle-Chef setzt auf vegane Schiene

In seinem Buch beschreibt Fleming, dass der klassische Büroalltag von 9 bis 17 Uhr schon längst nicht mehr das ist, was er mal war. Mittlerweile gelte nur noch derjenige als produktiv, der permanent erreichbar ist, abends noch arbeitet, rund um die Uhr Mails beantwortet - schlicht: Sein gesamtes Leben dem Job unterordnet. "Entspannung, Hobbys, Kindererziehung oder das Lesen eines Buches werden als Faulheit abgetan. So mächtig ist die Mythologie der Arbeit", fasst Fleming in einem Gastbeitrag für den Guardian zusammen. 

Überarbeitung kann tödlich sein 

Stress und Überarbeitung können im schlimmsten Fall zum Tode führen, schreibt Fleming. Und eine US-Amerikanische Studie gibt ihm Recht: Forscher des Medical Centers der Columbia Universität haben 8.000 45-jährige Mitarbeiter mit einem Schrittzähler ausgestattet. Sie fanden heraus, dass die Angestellten im Durchschnitt 12,3 Stunden am Tag inaktiv waren. Ihre Forschungsergebnisse bewiesen, dass das Risiko vorzeitig zu sterben bei Mitarbeitern, die täglich rund 13 Stunden sitzen, doppelt so häufig auftrat als bei Mitarbeitern, die "nur" 11,5 Stunden am Tag inaktiv sind. Kurz: Ein bisschen Bewegung steigert die Lebenserwartung bereits signifikant. "Langes Sitzen im Büro hat eine ähnliche Wirkung wie Rauchen", resümiert Fleming über diese Resultate.

Was wäre die Lösung?

Laut Fleming sei es unter anderem unerlässlich, das Maß an Arbeit zu reduzieren: "Um Arbeitsplätze für unser psychisches und physiologisches Wohlergehen zu schaffen, müssen wir viel weniger arbeiten. Dafür brauchen wir bessere Jobs, wo Hierarchien flach und Aufgaben vielfältiger und bedeutungsvoller sind." Doch das kapitalistische System ist nicht darauf ausgelegt, derartige Arbeitsplätze zu schaffen, wie sich in einer Befragung in Großbritannien zeigt: Hierbei gaben mehr als ein Drittel der Mitarbeiter an, ihren Job als bedeutungslos wahrzunehmen. Für Fleming wird deutlich: "Wenn die Moral so niedrig ist, ist es auch egal, wie viele Fitness-Gutscheine, Achtsamkeitsprogramme und Körbe mit Bio-Obst die Arbeitgeber springen lassen. Selbst der engagierteste Mitarbeiter wird das Gefühl haben, dass etwas grundsätzlich fehlt. Ein Leben."

Feline Daniel
Weiterlesen
Keine Verbindung
Bitte Einstellungen prüfen