Rätsel für Gesundheitsbehörde: Trotz Sicherheitsmaßnahmen infiziert sich Teenager mit Covid-19

Eine Schülerin aus Südkorea wird positiv auf Covid-19 getestet, obwohl seit zwei Monaten kein Fall mehr bekannt geworden ist. Nach eingehender Untersuchung des Falls kommen Epidemiologen zu einem interessanten Schluss - allerdings wirft dieser nun auch ganz neue Fragen auf...

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Eine Schülerin der Highschool in Jeonju, Südkorea, wird im Juni positiv auf Covid-19 getestet, was bei den Fachleuten des öffentlichen Gesundheitswesens Fragen aufwirft - denn die Stadt ist zuvor zwei Monate lang infektionsfrei gewesen.

Zudem war das Mädchen seit Wochen nicht mehr aus der Stadt hinausgefahren und größtenteils zwischen Schule und Zuhause unterwegs. Wo kann sie sich also angesteckt haben?

Epidemiologische Team rekonstruiert den Fall genau

Ein epidemiologisches Team untersucht den Vorfall und kommt anschließend zu dem Schluss, dass sich das Mädchen beim Essen in einem Restaurant angesteckt habe und zwar bei einem Geschäftsreisenden, der anschließend positiv auf Covid-19 getestet wurde, wie der Bericht in dem Journal of Korean Medical Science verdeutlicht.

In der Untersuchung wird rekonstruiert, wo die beiden sich zum Zeitpunkt ihres Restaurantbesuchs aufgehalten haben und so kann man feststellen, dass sie fünf Minuten lang sechs Meter voneinander entfernt verbracht haben müssen.

Allerdings haben sie in dieser Zeit weder miteinander gesprochen, noch denselben Türknauf berührt. Für die Rekonstruktion der Gegebenheiten nutzt das Team Interviews, Krankengeschichten, Kreditkartenaufzeichnungen, Videomaterial und Handydaten.

Die Forscher stellen also die Situation im Restaurant nach und messen den Luftstrom, der etwa dem eines Ventilators entspricht. Das Restaurant hatte weder geöffnete Fenster oder ein Belüftungssystem, das helfen kann, Covid-19-Partikel zu zerstreuen.

So kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Schülerin über Atemtropfen infiziert worden sein muss, die durch den Luftstrom des Restaurants übertragen wurden.

Ein anderer Gast entlang der Strömungsbahn wurde nämlich ebenfalls infiziert - diejenigen aber, die mit dem Rücken zum Wind standen, steckten sich nicht an.

Die Ansteckungsgefahr im Restaurant ist und bleibt sehr hoch.  portishead1@Getty Images

Erkenntnis: Aerosole können sechs Meter zurücklegen

Unglaublich, obwohl sie weit weg saßen, kam der Luftstrom die Wand hinunter und schuf so ein Wind-Tal. Menschen, die sich entlang dieser Linie befanden, wurden infiziert.

So erklärt Dr. Lee Ju-hyung, Epidemiologe und einer der Autoren der Studie, gegenüber der Los Angeles Times. "Wir folgerten, dass dies eine Tröpfchenübertragung über zweieinhalb Meter hinaus gewesen sein muss", fügt Lee Ju-hyung hinzu.

Anhand dieser Studie lässt sich also sagen, dass Atemtröpfchen, sogenannte Aerosole, durchaus sechs Meter zurücklegen können - was insofern besorgniserregend ist, als dass dies der zentrale Weg ist, wodurch sich das Virus überträgt.

In diesem Fall bedeutet es: Besser zurzeit, dass die Restaurants geschlossen sind und man doch eher zu Essenslieferungen zurückgreift. Doch wie sicher sind diese? Das könnt ihr hier nachlesen.