Trotz drastischer Lockerungen: Experten können fallende Zahlen in Großbritannien nicht erklären

Die Welt blickt auf Großbritannien, denn dort geschieht etwas, dass sogar Expertinnen und Experten staunen lässt. Die Corona-Zahlen sinken trotz großflächigen Lockerungen im ganzen Land.

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Großbritannien ist in den letzten Monaten fast täglich in den Schlagzeilen. Sei es weil dort neue Varianten des Coronavirus auftauchen oder weil Premierminister Boris Johnson sich live mit dem Virus infizieren lassen will.

Jetzt passiert dort etwas, worauf eigentlich der Rest der Welt hofft, aber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht wirklich erklären können: Die Inzidenzen sinken.

Unerwarteter Sinkflug

Nachdem Großbritannien am 19. Juli alle einschränkenden Corona-Maßnahmen restlos fallen lässt, erwarten Wissenschaftler:innen wie Politiker:innen einen drastischen Anstieg der Infektionen.

Doch wider allen Erwartungen bleiben diese aus. Es passiert sogar das Gegenteil: Die Infektionszahlen werden von Tag zu Tag geringer! Am 19. Juli betrug die Sieben-Tage-Inzidenz 466.

Experten haben keine Erklärung

Seit dem 19. Juli sind die Werte auf mittlerweile ca. 320 gesunken. Dies verwundert unter anderem auch Wissenschaftler:innen aus Großbritannien. Stephen Griffin, Virologe an der Universität in Leeds, erklärt gegenüber der Financial Times:

Der jüngste Rückgang der Fälle in England ist eine großartige Nachricht, aber auch rätselhaft, wenn man bedenkt, dass es zu einer schrittweisen Lockerung der Beschränkungen gekommen ist.

Obwohl die Tendenz einen klaren Sinkflug andeutet und damit der Prognose der meisten Expert:innen widerspricht, raten sie zum vorsichtigen Umgang mit diesen Daten.

EM hat zur Immunisierung beigetragen

Nach der Europameisterschaft im Juni sind die Inzidenzen gestiegen, doch laut Experten wie Paul Hunter, einem Professor für Medizin an der University of East Anglia, bedeutet das nicht unbedingt etwas Schlechtes:

Ironischerweise könnte das die nächsten sechs Monate ein wenig einfacher machen.

Denn durch die Ansteckung im Stadion, beim Public Viewing oder bei Treffen in Privathaushalten ist es wohl zur stärkeren Durchseuchung gekommen, wodurch die Briten durchschnittlich mehr Antikörper gebildet haben.

Ebenso halten Expert:innen das warme Wetter sowie die gesunkene Testbereitschaft für einen möglichen Grund. Denn wer sich aus Angst vor de Quarantäne nicht testen lässt, kann nicht negativ getestet werden.