Virologe Kekulé: Geimpfte machen Corona-Verlauf im Herbst unberechenbar

Virologe Alexander Kekulé ist besorgt wegen der Corona-Maßnahmen, die im Herbst aufgehoben werden sollen. Geimpfte machen den Verlauf der Pandemie im Herbst unberechenbar.

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Seit dem 16. März 2020 geht Virologe Alexander Kerkulé in seinem MDR-Podcast Kekulés Corona-Kompass auf Fragen von Bürger:innen zum Thema Covid-19 ein.

Im exklusiven Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärt der 62-jährige, wieso er befürchtet, dass nach dem Aufheben aller Maßnahmen im Herbst eine weitere Welle droht.

Zukunft schwer vorauszusagen

Kerkulé ist Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle (Saale).

Da es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, zu bestimmen, wie viele Deutsche sich in der nahen Zukunft noch impfen lassen werden, variieren die Prognosen für die benötigten Intensivbetten in Krankenhäusern und zu voraussichtlichen Todesfällen.

Vor allem wegen der hochansteckenden Delta-Variante ist die Zahl der drohenden Impfdurchbrüche ungewiss. Kerkulé meint, "das Robert Koch-Institut (RKI) müsste diesbezüglich eigentlich seine Einschätzung überarbeiten".

Geimpfte haben mehr Gewicht, als viele denken

Laut dem RKI ist die Rolle der geimpften Menschen unbedeutend gering - Dem widerspricht der Mediziner. Denn Geimpfte benötigen keine Tests, gehen öfter feiern und zeigen im Falle einer Infektion schwächere oder gar keine Symptome.

Drei Dinge, die die Situation unberechenbar machen, da Geimpfte das Virus trotz allem an Ungeimpfte weitergeben können. Kinder und vor allem alte Menschen sind also weiterhin gefährdet.

Als Worst-Case-Szenario sieht er einen "entfesselten Ausbruch bei ungeimpften Kindern und Jugendlichen". Gleichzeitig befürchtet er eine "unsichtbare Welle unter den Geimpften".

"Letzte relevante Pandemiewelle durchstehen"

Bezüglich der Maßnahmen, die im Herbst fallen sollen, vertritt Kerkulé einen klaren Standpunkt. Statt der 2G-Regeln könne man an öffentlichen Orten 3G verantworten. Er setzt hinzu:

Überall, wo das nicht gewährleistet werden kann, muss man die kommende Erkältungssaison über weiter Maske tragen und Abstand halten.

Während er, wie schon Karl Lauterbach im Juni, in diesem Herbst nochmal mit einer womöglich schlimmeren Corona-Welle rechnet, ist er optimistisch, wenn es um das nächste Jahr geht. Er erklärt:

Ende Mai ist erfahrungsgemäß die Erkältungssaison vorbei, weil die warme Jahreszeit beginnt. Ich halte es auch für unwahrscheinlich, dass es vollkommen neue, gefährlichere Virusvarianten geben wird.

Allgemein warnt er, nicht zu stark zu lockern, da man "eine einmal losgetretene Infektionslawine nicht mehr einfangen" könne, wohingegen nachträgliche Lockerungen immer möglich seien.