Weil sie als Krankenschwester für Covid-Patienten kämpft: Gericht entzieht Mutter das Sorgerecht

Diese Mama arbeitet als Krankenschwester und kämpft tagtäglich für das Überleben von Covid-19-Patienten, doch jetzt wird ihr der Beruf im Sorgerechtsstreit um ihren Sohn zum Verhängnis.

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Cemil Deniz lebt getrennt von ihrem Exmann und hat das Sorgegerecht für den gemeinsamen fünfjährigen Sohn Kuzey. Das will ihr Ex-Mann aber nicht auf sich sitzen lassen und nutzt jede Möglichkeit gegen sie - zuletzt sogar ihren Job als Krankenschwester. Und das Gericht gibt ihm Recht.

Ihre Arbeit ist eine Gefahr

Weil Cemil Deniz, die in der Türkei als Krankenschwester arbeitet, täglich Kontakt zu Covid-19-Patienten hat, beklagt sich Ex-Mann Mehmet Atakan Deniz, dass ihr Beruf ein enormes Gesundheitsrisiko für den gemeinsamen Sohn darstelle.

Die Anstrengungen als Krankenschwester zu Zeiten der Corona-Pandemie sind mehr als groß und rauben dieser Berufsgruppe viel Kraft, wie man an diesen Fotos unschwer erkennen kann. Doch dies bedeutet keineswegs, dass sie ihre Rolle als Mutter nicht gerecht wird. Im Gegenteil: Die junge Mutter kämpft um ihr Recht, doch sie verliert.

Das zweite Familiengericht der türkischen Stadt Ordu gesteht dem Vater das Recht zu und entzieht Cemil Deniz mit der folgenden Begründung das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn:

Angesichts der hohen Ansteckungsgefahr des neuartigen Coronavirus wurde der Schluss gezogen, dass es im Interesse des Kindes liegt, dem Vater zu diesem Zeitpunkt vorübergehend das Sorgerecht zu übertragen.
Sie darf ihren Sohn nur mehr alle 2 Wochen sehen...  Juanmonino@Getty Images

Alle zwei Wochen darf sie ihren Sohn sehen

Solange bis der Fall abgeschlossen und ein endgültiges Urteil gefällt ist, darf die 31-jährige Mutter ihren Sohn ab jetzt nur noch jedes zweite Wochenende sehen. Sie selbst kann die Entscheidung des Gerichtes nicht nachvollziehen:

Wir alle halten uns an die Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus. Ich bekomme eine Schutzausrüstung vom Gesundheitsministerium. Bevor man das Haus eines Patienten betritt, wird überprüft, ob er Covid-19 hat.

Ihrer Meinung nach stellt der Beruf ihres Ex-Mannes, der als Polizist arbeitet, ein viel größeres Risiko dar als ihrer. Zu hoffen, dass sich an der Entscheidung doch noch rütteln lässt.

Negativurteil für das Gesundheitswesen

Auch Ayse Akbulut Cubukcu, Leiterin der Samsun-Abteilung der türkischen Frauen-Union, hält das Urteil für ungerechtfertigt. Ihr zufolge sei es falsch, die schwere Situation in der sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Gesundheitswesens aktuell befinden, gegen sie auszunutzen.

Mit dem Urteil wende sich das Gericht nicht nur gegen diese Berufsgruppen und verleihe ihrer unersetzlichen Arbeit einen bitteren Beigeschmack, sondern wende sich auch gegen Frauen im Allgemeinen.