Mamadou Gassama im Ohmymag-Interview

Mamadou Gassama im Ohmymag-Interview

Mamoudou Gassama ist Frankreichs neuer Nationalheld, der die Außenwand eines mehrstöckigen Pariser Wohnhauses hochkletterte, um einen kleinen Jungen zu retten, der von einem Balkon im vierten Stock zu fallen drohte. Er berichtet in einem exklusiven Ohmymag-Interview von seinem neuen Leben und den Schwierigkeiten, die er hatte, bevor er nach Frankreich kam.

Am 26. Mai nahm das Leben des jungen Maliers Mamoudou Gassama, der im September 2017 nach Frankreich kam, eine ganz neue Wende. Der junge Mann hat sein Leben aufs Spiel gesetzt und den kleinen Raphaël vorm sicheren Tode gerettet. Der kleine Junge hing an der Brüstung eines Balkons im vierten Stock, als der junge Malier ohne zu zögern und mit bloßen Händen in Windeseile die Fassade emporkletterte und das Kind in Sicherheit brachte. Seine heroische Geste wurde von unzähligen Augenzeugen gefilmt, ins Netz gestellt und hat sich dort in Windeseile verbreitet. Ein paar Tage nach seiner heldenhaften Rettungsaktion wurde Mamoudou Gassama von Emmanuel Macron empfangen und bekam zu seiner großen Überraschung die französische Staatsbürgerschaft versprochen. Wir sind dem jungen Malier begegnet und er hat uns von seiner gefährlichen Reise und seinem neuen Leben berichtet.

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Eine gefährliche Reise

Bevor er nach Frankreich kam, hat Mamoudou Gassama einen gefährlichen Hindernislauf auf sich genommen. „Ich habe Mali 2013 verlassen“, erklärt er uns. „Ich habe Burkina Faso, Nigeria und Libyen durchquert". Am 19. März 2014 erreichte er die italienische Küste. Nach zwei Tagen auf dem offenen Meer, obwohl er nicht schwimmen kann. „Das war gefährlich... Ich kann wohl sagen, dass das Meer gefährlicher ist, als das Erklimmen eines Wohnhauses ", vertraut er uns an. 

Nach drei Jahren in Italien, kommt Mamoudou Gassama endlich nach Frankreich, wo schon zwei seiner Brüder wohnen. Er hat noch nicht einmal die Einreiseformalitäten abgeschlossen, als sein Leben am 26. Mai eine ganz neue Wende nimmt. Als Anerkennung seiner heldenhaften Rettungsaktion hat er gleich eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen und wird demnächst auch mit der französischen Staatsbürgerschaft belohnt werden.

Doch der junge Malier vergisst nicht, wo er herkommt. Er hat vor, eine Hilfsorganisation ins Leben zu rufen, um den „Menschen zu helfen, die im Dorf geblieben sind, zum Beispiel ihnen helfen, zur Schule zu gehen“.

Ein neues Leben

Für Mamoudou Gassama beginnt am 1. Juli eine Karriere als Feuerwehrmann bei der Pariser Feuerwehr. Er hat auch schon seine Kollegen kennengelernt und sich mit seinem neuen Arbeitsplatz vertraut gemacht. „Sie haben mir alles gezeigt und alles hat gut geklappt ", erklärt er.  

Seit seiner Heldentat tritt Mamoudou Gassama in den Medien auf, macht Interviews und nimmt an Fernsehsendungen teil. Doch er beklagt sich nicht. „Das muss halt sein, das macht nichts.“ Er will begreiflich machen, dass es für ihn die natürlichste Sache der Welt ist, ein Kind zu retten. „Das ist natürlich und menschlich, jeder kann das.“ Dagegen schweigt sich Mamoudou Gassama zur Immigrationspolitik aus. Er will auch nichts zur umstrittenen Einbürgerung aus Verdienstsgründen sagen. „Er versteht noch nichts von Politik und will nicht an dieser Debatte teilnehmen", erklärt Djeneba Keita, die ebenfalls aus Mali stammende stellvertretende Bürgermeisterin von Montreuil. Auch zu der Tatsache, dass der kleine Raphaël unbeaufsichtigt und allein zu Hause war, will er nicht Stellung nehmen. Doch er hofft, den Kleinen wiederzusehen. „Eines Tages".

• Sophie Kausch
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