U-Untersuchungen in der Kindheit

U-Untersuchungen in der Kindheit

Die Freude, die ein Kind mit sich bringt und wie es unseren Alltag bereichert, tröstet über kraftzehrende Nächte, Stress und Chaos hinweg. Doch neben all dem Positiven, was wir aus unserer Eigenschaft als Eltern ziehen, müssen wir begreifen: Es geht um heranwachsende, schutzwürdige kleine Wesen. In den ersten Lebensjahren werden unzählige Entwicklungsschritte genommen, aber auch Risiken gilt es zu berücksichtigen - mit den U-Untersuchungen lassen sich frühzeitig Defizite, behandlungswürdige Krankheiten und andere Auffälligkeiten erkennen und behandeln.

Der Gesetzgeber hat dazu „Kinder-Richtlinien" herausgegeben, die eine Reihe sogenannter U-Untersuchungen (U1 bis U9) vorsehen. Je nach Untersuchungstyp gibt es noch eine Unterteilung - bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr sollen damit insgesamt zehn Untersuchungen stattfinden. Diese U-Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen und im Regelfall auch von den privaten Krankenversicherungen getragen. Vieles, was womöglich im Argen liegt, lässt sich somit frühzeitig erkennen und behandeln.

Das „Gelbe Heft" als Untersuchungsnachweis bei U-Untersuchungen

Auch wenn dein Kind kerngesund scheint und dir keine Auffälligkeiten bekannt sind, kann es Dinge geben, die ein versierter Kinder- und Jugendarzt besser einordnen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du die vorgesehenen Termine einhältst. Die Kosten der U-Untersuchungen U1 bis U9 werden, ebenso wie die spätere Jugendgesundheitsuntersuchung J1, von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen - allerdings nur bei fristgerechter Inanspruchnahme. Hier gibt es aber Toleranzgrenzen. Bei den weiteren U-Untersuchungen U10 und U11 sowie der empfohlenen J2 solltest du dich vorher mit deiner Krankenkasse über die Kostenerstattung informieren. Bestimmte Bundesländer (Bayern, Hessen, Baden-Württemberg) haben ausgewählte U-Untersuchungen gar zur Pflicht gemacht.

Die U1 - Die U-Untersuchungen direkt nach der Geburt

Unmittelbar nach der Geburt wird das, was man ohnehin als selbstverständlich sieht, als U1-Untersuchung bezeichnet. Dabei wird eine sog. Schwangerschafts-, Geburts- und Familienanamnese durchgeführt. Ebenso wird auf behandlungswürdige Erkrankungen sowie Fehlbildungen kontrolliert. Stimmt alles mit der Atmung, dem Herzschlag und anderen wichtigen Körperfunktionen? So wird überprüft, ob es eventuell lebensbedrohliche Komplikationen gibt, die vorher nicht bekannt waren. Anschließend folgt am zweiten oder dritten Lebenstag ein sog. erweitertes Neugeborenen-Screening. Dabei wird das Kind auf Stoffwechselstörungen sowie endokrine Störungen, darunter z.B. Mukoviszidose (angeborene Stoffwechselerkrankung, sehr selten), untersucht. Auch wird mit einem Hörscreening versucht, beidseitige Hörstörungen zu erkennen.

U2- und U3-Untersuchungen in den ersten vier bis fünf Lebenswochen

Etwa eine Woche nach der Geburt werden Organe, Reflexe und Sinnesorgane umfassend untersucht. Hier lassen sich auch bestimmte angeborene Erkrankungen besser feststellen und abklären. Die U2-Untersuchung kann so effektiv Komplikationen vermeiden und hilft dir als Mutter, den richtigen Umgang mit dem Baby zu finden, wenn es nach Hause geht. Zwischen der vierten und fünften Lebenswoche folgt dann die U3-Untersuchung; dort steht vor allem eine altersgemäße Entwicklung im Mittelpunkt. Stimmt die Motorik, sind die Reflexe entsprechend ausgebildet, arbeiten die Organe stabil, stimmt das Gewicht? Diese und weitere Fragen, wo es etwa um das Schlaf- und Trinkverhalten deines Babys geht, aber auch um die Verdauung, werden nun abgeklärt. Da Luxationen der Gelenke (Verrenkungen) bei einem so jungen Geschöpf leicht vorkommen, werden speziell die Hüftgelenke auf Dysplasie und Luxation untersucht. Normalerweise werden jetzt auch die ersten Impfungen angesprochen. Falls ihr noch Zweifel an diesen habt, solltet ihr euch absolut über das Für und Wider von Impfungen informieren.

Nach drei Monaten folgt die U4-Untersuchung

Nachdem du die ersten Wochen mit deinem kleinen Schatz genießen konntest und ihr euch aneinander gewöhnt habt, wird i.d.R. nach drei Monaten die U4-Untersuchung vorgenommen. Auch hier geht es darum, die dem Alter entsprechende Entwicklung und Beweglichkeit zu untersuchen. Wie haben sich Geschlechts- und Sinnesorgane entwickelt, wie verläuft das Wachstum oder funktioniert die Entwicklung des Nervensystems einwandfrei? Ein grundlegender Check folgt zwischen dem sechsten und siebenten Lebensmonat mit der U5-Untersuchung, der im Wesentlichen der vorangegangenen U-Untersuchung entspricht.

Nach etwa einem Jahr: Sprache und Interaktion werden in der U6-Untersuchung überprüft

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Ab jetzt werden die Intervalle der U-Untersuchungen etwas länger, die wesentlichen Risiken sind erkannt oder behandelt. Mit der U6-Untersuchung, die zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat empfohlen wird, werden Organe, Sinnesorgane sowie die Motorik deines Kindes überprüft. Großer Wert wird hier auf die Augen, die Sprachentwicklung sowie die Interaktion mit der Umwelt gelegt. Etwa ein Jahr danach folgt mit der U7-Untersuchung eine zielgerichtete Diagnose von Sehstörungen, der Körperbeherrschung sowie der Feinmotorik. Es wird zudem ein Test durchgeführt, um die sprachliche Entwicklung zu überprüfen und Auffälligkeiten zu identifizieren.

U7a- und U8-Untersuchungen

Etwa dann, wenn dein Kind drei Jahre alt wird, kann mit der U7a-Untersuchung (seit 2008 Kassenleistung) vor allem auf Sprachentwicklungsstörungen, allergische Erkrankungen, Anomalien im Zahn-, Mund- und Kieferbereich sowie auf Auffälligkeiten im Verhalten und der Sozialisation untersucht werden. Auch lässt sich so ein Übergewicht diagnostizieren und gezielt angehen. Mit der U8-Untersuchung, die zwischen dem 46. und 48. Lebensmonat stattfinden soll, wird die Koordinationsfähigkeit und altersgerechte Beweglichkeit deines Kindes untersucht. Wie steht es um die Reflexe, die Entwicklung der Muskulatur oder die Aussprache? Diese und weitere Untersuchungen, vor allem zur Zahngesundheit, stehen nun an.

Vor der Einschulung: Die U9-Untersuchung

Um einen Eindruck davon zu erhalten, welche Schulform das Beste für dein Kind bietet, wird mit der U9-Untersuchung im Jahr vor der Einschulung ein umfassender Test durchgeführt. Hier geht es um Grob- und Feinmotorik, um das Hör- und Sehvermögen und vor allem um das Sprachverständnis deines Kindes. So kannst du gezielt Fehlentwicklungen erkennen und rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen, um die Entwicklung deines Kindes zu unterstützen.

Simone Haug
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