Schicksal männlicher Küken: Deutsches Gericht sorgt mit Urteil für Streit

Schicksal männlicher Küken: Deutsches Gericht sorgt mit Urteil für Streit

Brütereien und Hühnerstallbetriebe stehen seit Jahren in der Kritik. Der Grund: Sie sortieren männliche Küken nach dem Schlüpfen systematisch aus. Und entsorgen sie. Jetzt sorgt das Bundesverwaltungsgericht mit seinem Urteil für Streit.

Es ist ein Problem, das eine ganze Branche in Verruf bringt. Ein Grundprinzip der Hühnerzucht ist es, die männlichen von den weiblichen Küken zu trennen. Während die weiblichen Küken zur Eier- oder Fleischproduktion zu Hennen heranwachsen dürfen, werden die männlichen Küken entsorgt.

Der Grund ist an Nüchternheit kaum zu übertreffen: Die Aufzucht von Hähnen lohnt, wirtschaftlich gesehen, in aller Regel nicht. Sie legen keine Eier und werfen viel weniger Fleisch ab als ihre weiblichen Artgenossen. So kommt es zu Massentötungen, jeden Tag.

Gericht erlaubt Kükentötung

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Praxis der Kükentötung jetzt bestätigt: Sie bleibt erlaubt. Tierschützer sind empört. Allerdings gilt die Erlaubnis nur übergangsweise. Denn grundsätzlich stuft das Gericht den Tierschutz höher ein als die wirtschaftlichen Interessen.

Warum verbietet es das Küken-Schreddern dann nicht einfach? Immerhin werden allein in Deutschland jedes Jahr 45 Millionen männlicher Küken getötet. Das gefällt auch dem Gericht nicht. Trotzdem kommt kein sofortiges Verbot.

Neue Technik soll kommen

Das Bundesverwaltungsgericht sieht von einem sofortigen Verbot der Kükentötungen ab, weil es eine doppelte Umstellung vermeiden will. Von heute auf morgen wäre nur die (wirtschaftlich unrentable) Aufzucht männlicher Küken denkbar. Mittelfristig soll aber die Bestimmung des Geschlechts noch im Ei möglich werden.

Das Gericht erklärt sich in einer Pressemitteilung: "Die bisherige Praxis wurde jahrzehntelang hingenommen. Vor diesem Hintergrund kann von den Brutbetrieben eine sofortige Umstellung ihrer Betriebsweise nicht verlangt werden."

Welche Alternativen gibt es?

2018 hat der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) eine Idee vorgestellt, die das manuelle Aussortieren und anschließende Töten männlicher Küken verhindern soll. Demnach soll das Geschlecht frühzeitig im Ei bestimmt werden - nur wenige Tage nach der Befruchtung. Der Nutzen wäre ein doppelter: Es bräuchte keine Kükentötungen mehr und die "männlichen Eier" könnten in der Lebensmittelindustrie Verwendung finden.

Auf diese Technik baut auch das Bundesverwaltungsgericht. Es hält es für "absehbar, dass in näherer Zukunft eine Geschlechtsbestimmung im Ei möglich sein" wird. Und will den Betrieben Zeit geben, auf die Technik umzustellen, sobald sie wirklich praxistauglich ist.

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Bis dahin wird es weiterhin Menschen geben, die im Fließbandtakt das Geschlecht frisch geschlüpfter Küken bestimmen werden (s. Video). Und damit über Leben und Tod entscheiden, noch ehe das Leben richtig begonnen hat.

Fred Eilig
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