Grindadráp: Tierschützer wollen dem Alptraum auf dem Meer ein Ende setzen

Grindadráp: Tierschützer wollen dem Alptraum auf dem Meer ein Ende setzen

Das Grindadráp mit seinen Bildern schockt jährlich die ganze Welt. Jetzt greift endlich jemand ein: Die gemeinnützige Meeresschutzorganisation Sea Shepherd UK will dem Alptraum ein Ende bereiten und nimmt dafür eine Million Euro in die Hand.

Das Grindadráp ist die wohl grausamste Tradition Europas. Bei der alljährlichen Treibjagd auf Wale und Delfine vor den Färöer-Inseln, die zum dänischen Hoheitsgebiet gehören, werden regelmäßig tausende Tiere abgeschlachtet. Kann dem Massaker nun eine Ende bereitet werden?

Das jedenfalls erhofft sich die gemeinnützige Meeresschutzorganisation Sea Shepherd mit ihrem neuesten Plan. Die Nichtregierungsorganisation (NGO) hat der Regierung der Färöer-Inseln ein erstaunliches Angebot unterbreitet. Sie ist bereit, den Färöern nicht weniger als eine Million Euro in Form von zehn jährlichen Raten von jeweils 100.000 Euro zu bezahlen, wenn sie das Grindadráp beenden.

Eine uralte Tradition, die noch immer schockiert 

Die Färöer sind selbstverwaltend und unterliegen als Nicht-Mitglied der Europäischen Union auch nicht der europäischen Gesetzgebung. Auf den Inseln zwischen Schottland und Island findet deshalb immer noch alljährlich - nach mehr als tausendjähriger Tradition - das sogenannte Grindadráp oder einfacher gesagt Grind statt. Im 19. Jahrhundert wurde diese blutige Treibjagd auf Grindwale und Delfine noch in mehreren Gebieten des Nordatlantiks, etwa vor den Shetland-Inseln (Schottland) oder vor Grönland, ausgetragen. Inzwischen wird die uralte Tradition aber nur noch auf den Färöern gepflegt.

Erst eingekesselt, dann abgeschlachtet

Der traditionelle Walfang ist heftig umstritten. Im Laufe der Jagd werden ganze Familienverbände der gejagten Grindwale, einschließlich Jungtiere und Muttertiere, mit kleinen Motorbooten im offenen Meer eingekesselt, zur Küste getrieben und dort im niedrigen Wasser mit Messern und Lanzen erbarmungslos getötet. Ihr Blut gibt dem Wasser seine für das Grindadráp so charakteristische rote Färbung.

Das Grind hat es hauptsächlich auf Grindwale abgesehen, daher sein Name. Doch es kommt auch vor, dass andere Arten wie Große Tümmler und Weißseitendelfine dabei getötet werden. Innerhalb der letzten zehn Jahre fielen nach Angaben von Sea Shepherd auf den Stränden der Färöer-Inseln insgesamt 7.744 Kleinwale fünf verschiedener Arten dem Grind zum Opfer.

Die Meeresschutzorganisation versucht schon seit Jahren vergeblich, sich dem Massaker zu widersetzen. Die Fischer rechtfertigen ihre Jagd mit dem Verzehr der Meeressäuger. Doch zahlreiche Studien haben ergeben, dass nur ein kleiner Teil des Fleisches tatsächlich auch konsumiert wird. Der eigentliche Grund der Treibjagd ist die altverwurzelte Tradition.  

Gezahlt wird nur, wenn wirklich kein Meeressäuger mehr getötet wird

Zahlreiche Mitglieder und freiwillige Helfer der NGO dokumentieren alljährlich die Treibjagd. Dementsprechend groß sind die Spannungen zwischen Sea Shepherd und der Regierung der Färöer-Inseln. Und das ist wohl auch der Grund der überraschenden und völlig unerwarteten Initiative. Doch die Zahlung erfolgt nur unter einer Bedingung:

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Jede jährliche Zahlung wird nur dann ausgezahlt, wenn während der gesamten vorausgegangen 12 Monate KEIN EINZIGER Wal auf den Färöern gezielt gejagt und getötet wurde. Wenn ein Wal auf den Färöern innerhalb eines Jahres absichtlich getötet wird, werden die laufenden und nachfolgenden jährlichen Zahlungen storniert“,erklärt Sea Shepherd auf seiner Facebook-Seite.

Und dafür soll das Geld verwendet werden 

Außerdem sollen die Anreizzahlungen der NGO von den Färöern zu folgenden Zwecken verwendet werden: zur Förderung einer umweltfreundlichen Form von Tourismus, zur Gründung von kooperativen Wal- und Delfin-Beobachtungsunternehmen, zur Bereitstellung von Lehrmaterialien oder Fachvorträgen für Kinder und Jugendliche zum Thema Meeresschutz und zur Schulung färöischer Bürger in Techniken zur Rettung von Meeressäugern, damit gestrandete Wale und Delfine, wann immer möglich, gerettet werden können.

Bis jetzt hat sich die Regierung der Färöer-Inseln noch nicht zu dem Angebot von Sea Shepherd geäußert.  

Zoe Klaus
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