Was ist "Period Positivity"? Geschichte, Daten und Fakten rund um die Regelblutung

Die Periode ist immer ein Tabu gewesen, über das man nicht viel oder sehr ungerne spricht. Warum das so ist und wie die Menstruation geschichtlich betrachtet mit Schamgefühlen überdeckt wurde, erklären wir euch hier. "Period Positivity" entstigmatisiert die Regelblutung und bekämpft Periodenarmut.

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Wenn man auf die Menstruation zu sprechen kommt, ist eine negative Denkweise und der einhergehende Schamreflex immer noch sehr weit verbreitet. Mit "Period Positivity" soll auf dieses gesellschaftliche Problem aufmerksam gemacht werden.

Was versteht man unter "Period Positivity"?

Auch heute noch wachsen zahlreiche junge Mädchen damit auf, sich zu schämen und schuldig zu fühlen, wenn sie ihre Periode haben. Großflächig ist die Gesellschaft der Meinung, dass die Menstruation eine private Angelegenheit ist.

Wenn darüber in der Öffentlichkeit gesprochen wird, wird sie stigmatisiert. Bei "Period Positivity" geht es darum, sich für die Entstigmatisierung der Periode einzusetzen, um einer gesunde Wahrnehmung der weiblichen Blutung den heranwachsenden Generationen zu vermitteln.

Die Periode ist lange Zeit mit Geheimnistuerei verschleiert worden und mit Fehlinformation und Angst so lange einhergegangen, dass es längst überfällig ist in unserer ach so modernen Zeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Periodenarmut im Zusammenhang mit "Period Positivity"

"Period Positivity" wird unmittelbar angewandt, um "Period Poverty", die sogenannte Periodenarmut, zu bekämpfen. Bei Periodenarmut handelt es sich um einen Sammelbegriff, der alle Ungerechtigkeiten benennt, die mit der Menstruation einhergehen.

Hier kann es um den Zugang zu Hygieneprodukten gehen bzw. um Orte, die Frauen für ihre Hygiene verwenden können. Umso erfreulicher, dass Irland einen Schritt Hand in Hand mit Supermärkten gehen will, um Periodenarmut zu bekämpfen. Lidl Irland bietet als erste Supermarktkette gratis Periodenprodukte an.

Zur Geschichte der "Period Positivity"

Die Menstruation ist so alt wie die Menschheit selbst. Aus geschichtlichen Betrachtungen ist sie aber viel zu lange herausgehalten worden, aufgrund des Schamgefühls, das mit der Periode verbunden wird.

Erst 1831 hat die Wissenschaft den Zusammenhang zwischen Menstruation und Eisprung bestätigt. Zuvor wurde angenommen, dass es dabei nur darum geht, den Körper von vergiftetem Blut zu befreien.

40 Jahre später sollen dann die ersten Werbeanzeigen für Menstruationsprodukte in den Printmedien erscheinen. Der Erste Weltkrieg hat zu revolutionären Fortschritten in der Perioden-Hygiene geführt, wie Damenbinden und die auch heute noch verwendeten Tampons, woraus Tampax hervorgegangen ist, eine der weltweit bekanntesten Tampon-Marken.

Werbung für Marken wie Tampax haben die Erniedrigung beeinflusst, die Frauen während ihrer Regelzeit verspüren, indem sie Werbetexte verwenden wie: 'Vorbei mit der Verlegenheit‘ oder 'Wieso bin ich als Frau zur Welt gekommen?‘

Im Jahr 1946 bringt Walt Disney für öffentliche amerikanische Schulen den Film "Die Geschichte der Menstruation" heraus. Darin ist keine Rede von Sexualität und Fortpflanzung. Man muss bis 1972 warten, um Menstruationsprodukte dann nicht mehr aus der Fernseh- und Radiowerbung verbannt zu sehen.

Den 70er Jahren kommt als Zeit der Revolution und der Freiheit eine enorme Bedeutung für die Menstruation und der "Period Positivity" im Besonderen zu. Gloria Steinem schreibt das Essay "'If Men Could Menstruate: A Political Fantasy" (etwa: "Wenn Männer menstruieren würden: eine politische Vorstellung").

In diesem Text geht Steinem von der Idee aus, wenn Männer Regelblutungen hätten, dass diese als prahlverdächtiges Ereignis der Männlichkeit inszeniert und Hygieneprodukte auf staatlicher Seite für jeden zur Verfügung gestellt werden würden.

Auch das Buch "Our Bodies, Ourselves" (etwa: "Unsere Körper, Wir persönlich") ist in den 70ern herausgekommen, das sich um Informationen zu gesundheitlichen Tabuthemen dreht, die Menstruation eingeschlossen.

Wo stehen wir heute?

Haben wir es heute sehr weit gebracht, wenn man nur an die frühere Zensur und das Abdrängen ins beschämte Schweigen bedenkt - doch es gibt immer noch viel zu tun.

Als Hillary Clinton 2008 Kandidatin für die amerikanische Präsidentschaft ist, stellt ihre Menstruation häufig einen Konfliktpunkt innerhalb politischer Kommentare dar.

Das Spiel wird dann zeitweise so weit getrieben, dass erschreckend herabwürdigende Aussagen kommen wie, eine Frau im Präsidentenamt würde katastrophale Folgen haben, gerade wegen des prämenstruellen Spannungssyndroms und der Stimmungsschwankungen.

Vielleicht geht der gegenwärtige Aufwärtstrend für den menstruationszentrierten Aktivismus gerade auf diese Art von Rhetorik zurück. Organisationen wie Period Positive und PERIOD werden gegründet, um über Informationsvermittlung und Verteilungsdienste gegen "Period Poverty" anzugehen.

In den letzten Jahren sind Bewegungen wie Free Bleeding sehr beliebt gewesen: Hier werden Menschen zur Menstruation ohne jegliche Hygieneprodukte ermuntert. So posiert auch vor einigen Jahren eine Studentin mit rotem Fleck auf der Hose.

Anderseits wenden sich die Hersteller von Tampons, Binden und Menstruationsschalen von veralteten Marketing-Modellen ab, durch die bei Menschen die Verlegenheitshaltung nur verstärkt worden ist. Diese Hersteller bringen jetzt die Periode freimütig und ohne jede Scheu ins Bild.

Die Periode entstigmatisieren heißt auch, völlig normal mit dem Regelblut umzugehen. Monika Kozub@Unsplash

Schlüsselfiguren

Es verwundert nicht, dass viele der Menschen, die an der Spitze dieser Bewegung stehen, sehr jung sind. Als Nadya Okamoto sich entschließt, PERIOD zu gründen, ist sie gerade einmal 16 Jahre alt. Jetzt ist PERIOD in den USA eine landesweit anerkannte Organisation, die es jedem freistellt, eine neue lokale Gruppe zu bilden.

Viele Kunstschaffende haben auch angefangen, die Menstruation auf rebellische und kreative Art in den Mittelpunkt zu stellen. Rupi Kaur, eine anerkannte Poetin, hat 2015 im Internet Aufsehen erregt, als ihr "Free-Bleeding"-Foto zweimal von Instagram gelöscht worden ist.

Der Zwischenfall hat Meinungsverschiedenheiten ausgelöst, da das Foto eine vollbekleidete Frau mit Blutfleck auf der Hose zeigt. An sich verstößt das nicht gegen gesellschaftliche Normen.

Andere Künstlerinnen wie Jen Lewis haben aus ihrem Menstruationsblut Kunstwerke erschaffen, womit sie dieses als "natürlich", als anstelle des herkömmlichen "eklig", neu belegen wollen.

Auf welche Weise kann geholfen werden:

  1. Lasst euch nicht einschüchtern! Legt die Schamhaftigkeit und Geheimnistuerei ab, wenn es um eure Regel geht. 'Periode‘ ist kein Schimpfwort, auch nicht 'Tampon‘ oder 'Binde‘. Sprecht offen darüber, versteckt nicht eure Hygieneprodukte, lasst alles zur offenen Normalität werden.
  2. Die Periode geht nicht nur Frauen etwas an. Schließt alle in euren Dialog mit ein. Viele Klischees verstärken misogyne und transphobe Haltungen und ein guter Weg dagegen anzukämpfen ist, mal mit sich selbst anzufangen. Sagt beispielsweise, wenn ihr von der Menstruation sprecht, anstelle von 'Frauen‘ immer 'Menschen‘ oder 'Menschen, die menstruieren‘.

Zwingt anderen nicht eure Meinung auf. Verschiedene Menschen sind in unterschiedlichen Stadien ihrer "Period Positivity" und das ist ganz normal. Schämt ihr euch noch wegen eurer Periode, dürft ihr niemanden dazu zwingen, sich auch deswegen zu schämen.

Seid ihr dagegen überzeugte Anhänger des "Free-Bleeding", dürft ihr das nicht von anderen verlangen. Denn "Period Posivitiy" hat viele verschiedene Gesichter.