Werdende Mütter mit Sehbehinderung: Der Intimitätsverlust fängt beim Schwangerschaftstest an
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Werdende Mütter mit Sehbehinderung: Der Intimitätsverlust fängt beim Schwangerschaftstest an

Eigentlich sollte sie zu den schönsten Erfahrungen im Leben einer Frau gehören, doch für blinde oder sehbehinderte Frauen ist die Schwangerschaft mit vielen gesellschaftlichen und institutionellen Hürden verbunden.

Stellt euch vor, ihr seid schwanger, doch ihr könnt den Schwangerschaftstest nicht selber ablesen oder ihr könnt euer Baby nicht auf dem Ultraschallbild sehen. Stellt euch vor, eure Mitmenschen begegnen euch herablassend, weil sie glauben, ihr könnt keine gute Mutter sein.

Außen vor bei der eigenen Schwangerschaft

Mit alldem und noch viel mehr haben blinde Frauen zu kämpfen, die sich nichts weiter wünschen, als ihre eigene Familie zu gründen. Das ist schwer vorstellbar, doch für viele Frauen tatsächlich ganz alltäglich.

Mittlerweile gibt es immer mehr Initiativen und Stimmen, die sich für verständliche Designs und Informationen einsetzen. Diese sollen blinden Frauen die Schwangerschaft erleichtern, sodass sie sich voll und ganz auf den kleinen Menschen konzentrieren können, der in ihrem Bauch heranwächst.

Jede Frau sollte ohne externe Hilfe feststellen können, ob sie schwanger ist oder nicht. Chanintorn Vanichsawangphan / EyeEm@Getty Images

Wenn jemand anderes es zuerst weiß

Leider ist es noch immer so, dass schon der Schwangerschaftstest für viele die erste große Hürde darstellt, denn für die Auswertung sind Frauen mit Sehbehinderung auf ihre Mitmenschen angewiesen. Dies kann sehr frustrierend sein, da es die Intimität des Moments zerstört, wie die 36-jährige Mutter Danielle Cleary berichtet:

Nicht zu wissen, was in seinem Körper vorgeht, bevor es jemand anderes weiß, ist schrecklich.

Um solchen Situationen vorzubeugen und auch blinden Frauen dieses intime Erlebnis zu ermöglichen, hat das Royal National Institut of Blind People (RNIB) den Prototyp eines Schwangerschaftstests entwickelt, bei dem das Ergebnis haptisch anstatt visuell dargestellt wird.

Blinde Frauen als Mütter

Neben derartigen Problemen lassen auch die Akzeptanz in der Gesellschaft, die Informationsbeschaffung sowie die Betreuung und ärztliche Versorgung zu wünschen übrig. Auf blinde Frauen zugeschnitten, sind diese Lösungen kaum verfügbar.

So sollten zum Beispiel auch blinde Frauen ihre Ultraschalluntersuchungen richtig miterleben können, wie Danielle Cleary findet. Sie musste bei ihrem ersten Ultraschall noch darum bitten, dass die Herztöne abgespielt werden und bekam am Ende das Ultraschallbild in die Hand gedrückt.

Sensibilisieren und Bewusstsein schaffen

Erfahrungen wie diese zeigen, wie wichtig es ist, dass unsere Gesellschaft für diese Problematik sensibilisiert wird. Es muss ein Bewusstsein für den richtigen Umgang mit werdenden Müttern geschaffen werden, die eine Sehbehinderung haben. Denn auch sie wollen bei ihrer eigenen Schwangerschaft nicht nur außen vor, sondern mitten drin sein.

Von Maximilian Vogel

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