Sudan, letzter Nördlicher Breitmaulnashorn-Bulle ist tot

Sudan, letzter Nördlicher Breitmaulnashorn-Bulle ist tot

Sudan ist ein weißes Nashorn und der letzte Bulle seiner Art. Doch seine Stunden sind gezählt. Sudan leidet an einer schweren Infektion. Sein Gesundheitszustand und sein hohes Alter setzen dem 45-jährigen Bullen schwer zu. Das ist eine Tragödie, ähnlich der des südafrikanischen Rhino 911, denn mit ihm schwindet die letzte Hoffnung, diese Nashorn-Unterart zu erhalten. 

Update vom 20.03.2018: Wie das Wildtierreservat Ol Pejeta mitteilte, habe das 45 Jahre alte Tier zuletzt altersbedingt stark gelitten. Die Tierärzte entschieden sich deshalb dazu, den Bullen einzuschläfern.

Es ist eine traurige Nachricht mehr für eine Tierart, die vom Aussterben bedroht ist. Der letzte Weiße Nashornbulle ist todkrank. Das Nördliche Breitmaulnashorn Sudan leidet an einer schweren Infektion des rechten Hinterbeins. Seine Tage scheinen nun leider gezählt.  

Nach einer Mitteilung des kenianischen Wildparks Ol Pejeta Conservancy auf Facebook vom 1. März, lässt der Gesundheitszustand des für ein Nashorn hoch betagten 45-Jährigen das Schlimmste befürchten. „Es geht mit seiner Gesundheit auf einmal bergab und seine Zukunft sieht nicht rosig aus“, bedauern seine Pfleger in den sozialen Netzwerken.  

Normalerweise werden Nashörner nicht viel älter als vierzig Jahre. Sein hohes Alter ist daher bestimmt für seinen Gesundheitszustand mitverantwortlich. Sein Tod muss leider ins Auge gefasst werden und löst bei allen, die seit Jahren um die Erhaltung seiner Art bemüht sind, Trauer und Bestürzung aus.

Mit Sudan sterben die Nördlichen Breitmaulnashörner endgültig aus, denn er ist der letzte Weiße Nashornbulle der Nashorn-Unterart Ceratotherium simum cottoni.

Ende 2017 ging es ihm schon einmal sehr schlecht

Ende 2017 hat Sudan seinen Pflegern mit einer schlimmen Infektion am rechten Hinterbein schon einmal einen großen Schrecken eingejagt. Nur hat sich sein Zustand danach dank intensiver Pflege und Behandlung der Tierärzte bis Mitte Januar noch einmal gebessert. Bis sich Mitte Februar eine zweite und leider weit tieferliegende Infektion bemerkbar gemacht hat, die dem Gesamtzustand des Tieres seither schwer zusetzt.  

Diese zweite Infektion scheint nicht besser werden zu wollen und das trotz ständiger tierärztlicher Überwachung. „Wir sind besorgt, Sudan ist wirklich ein sehr altes Nashorn, er soll nicht auch noch unnötig leiden müssen“, erklären seine Pfleger auf Facebook.  

Jetzt hat der Gesundheitszustand das letzte Wort

Letzten Endes entscheidet der Gesundheitszustand das Schicksal des letzten Weißen Nashornbullen und nicht die Wilderei, die Hauptursache des Aussterben der Nashörner. An seiner Seite leben nur noch seine Tochter Najin und seine Enkeltochter Fatu. Die beiden Nashornweibchen stehen ebenfalls unter dem Schutz der Ranger des kenianischen Wildparks Ol Pejeta.

Eigentlich hatten sich alle Nachwuchs von den drei Tieren erhofft. Doch die Natur macht die Sache nicht unbedingt leichter. Najin und Fatu sind nicht mehr dazu in der Lage, trächtig zu werden. Und der betagte Nashornbulle verfügt seit 2015 nicht mehr über genug Spermien. Eine natürliche Befruchtung kommt daher schon lange nicht mehr in Frage.

Künstliche Reproduktion als letzte Hoffnung

Eine letzte Hoffnung bietet jetzt vielleicht noch die Wissenschaft. Experten versuchen alles, um die aussterbende Nashorn-Unterart doch noch zu erhalten. Mit den letzten Weißen Nashorndamen entnommenen Eizellen und schon seit längerer Zeit eingelagerten Spermien wird ein eine künstliche Befruchtung und eine Übertragung auf Nashorn-Leihmütter versucht. „Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, doch wir sind dabei, die Versuche zu optimieren“, erklärt Barbara Durrant, die Leiterin der wissenschaftlichen Abteilung für Reproduktion des US-amerikanischen Zoos von San Diego.

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Andere Versuche beschäftigen sich mit den Einsatzmöglichkeiten der Stammzellentechnik. Gelänge es, ein Nördliches Breitmaulembryo heranzuzüchten, könnte dieses einem als Leihmutter dienenden Südlichen Breitmaulweibchen eingepflanzt werden. „An diesen Techniken gibt es noch viel zu entwickeln“, gesteht die Forschungsleiterin ein.

Falls nicht doch noch ein wissenschaftliches Wunder geschieht, lässt sich das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns nicht mehr aufhalten. Eine Aussicht, die nur allzu sehr daran erinnert, wie wichtig es ist, die anderen Nashorn-Unterarten zu erhalten. Nach einem erst kürzlich veröffentlichten Bericht der südafrikanischen Behörden sind 2017 weitere 1028 dezimiert worden.

"Wir hoffen, dass dieses Warnsignal gehört wird und weltweit bewusst macht, dass jetzt alles daransetzt werden muss, der Bedrohung für die Nashörner ein Ende zu setzen", erklärt Bas Huijbregts, der Leiter der Afrikanischen Abteilung für Wildschutz des WWF. Für ihn lautet die Schlüsselbotschaft: „Wenn die Nachfrage nach Nashornhörnern sinkt, hören auch die Massaker auf.“ Hoffen wir, dass er damit recht behält und es nicht eines Tages gar keine Nashörner mehr gibt.

Zoe Klaus
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