Forschende entdecken neues Coronavirus in Wuhan: Kommt mit NeoCov eine neue Epidemie?

Wissenschaftler:innen warnen vor einem neuen Coronavirus mit dem Namen NeoCoV, welches, ähnlich wie Covid-19, in der chinesischen Region Wuhan entdeckt wurde.

Mehrere Medien haben bereits über neue Daten eines chinesischen Forscherteams berichtet, das angeblich ein neues Coronavirus entdeckt hat: NeoCoV. Viele Menschen sind nach den Ereignissen der letzten Monate deshalb besonders verunsichert.

Hat Covid-19 etwas mit NeoCov zu tun?

Zunächst einmal handelt es sich bei diesem Virus nicht um eine neue Variante des SARS-CoV-2, das für Covid-19 und seine Varianten verantwortlich ist (falls ihr mehr über die momentan vorherrschende Variante Omikron erfahren möchtet, schaut euch unser Video an), sondern um einen anderen Zweig der Familie der Coronaviren, wie die französische Zeitung Libération berichtet.

Das NeoCoV wurde zum ersten Mal 2014 in Südafrika bei der Neoromicia capensis, einer im Land verbreiteten Fledermausart, nachgewiesen. Trotzdem stellt sich die Frage: Kann das NeoCoV mutieren und auf den Menschen übertragen werden (also ein ähnliches Schreckensszenario wie bei der Vogelgrippe)?

Am 25. Januar veröffentlichten chinesische Wissenschaftler:innen der Akademie der Wissenschaften in Peking und der Universität Wuhan vorab eine Studie über Fledermaus-Coronaviren. Eine schnelle Online-Veröffentlichung, um, wie es scheint, vor diesem Virus zu warnen, das genetisch mit dem MERS-CoV verwandt ist: "85 % des NeoCoV-Genoms sind auf der Ebene der Nukleotide mit MERS-CoV identisch. (...) NeoCoV und MERS-CoV gehören zur selben Virusspezies", schreibt eine deutsche Studie aus dem Jahr 2014.

Zur Erinnerung: MERS-CoV hat zahlreiche Epidemien ausgelöst, insbesondere in Saudi-Arabien im Jahr 2012. Seine Sterblichkeitsrate liegt bei über 30 %, ein relativ hoher Prozentsatz.

Ist NeoCoV eine Bedrohung für den Menschen?

Bisher scheint das NeoCoV nicht in der Lage zu sein, Menschen zu infizieren. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass ein bestimmter Punkt im Genom (die T510F-Mutation) es dem Virus ermöglichen würde, sich leichter an menschliche Zellen zu binden, so wie es das auch bei Fledermäusen tut.

Die chinesischen Wissenschaftler:innen legten dar, dass die "Art und Weise der Interaktion von ACE2 (ein spezifischer Rezeptor für diese Tiere, Anm. d. Red.), die sich von der Art und Weise unterscheidet, wie menschliches ACE2 mit den Bindungsdomänen von SARS-CoV-2 interagiert (...). Obwohl NeoCoV das menschliche ACE2 auf der Grundlage seiner aktuellen Sequenzen nicht effektiv nutzen (kann), müssen (die Ereignisse der genetischen Drift) dieser Virusgruppe aufgrund ihres Potenzials, beim Menschen aufzutreten, genau beobachtet werden".

Bisher wurden jedoch noch keine Mutationen des NeoCov beobachtet. "Wir sollten auf keinen Fall in Panik geraten. Im Moment gibt es keine Beweise dafür, dass das NeoCoV, so wie es ist, in der Lage ist, die menschliche Bevölkerung zu infizieren", beruhigt auch Cyril Cohen, Immunologe beim Sender l24news.

Die vorab veröffentlichte Studie der chinesischen Wissenschaftler:innen wurde weder von einem Peer-Review-Komitee überprüft noch von anderen Forscher:innen und Gesundheitsbehörden, die auf diesem Fachgebiet tätig sind, analysiert.

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