Hilferuf via Sprachnachricht: Auswärtiges Amt behindert Evakuierung von deutsch-afghanischer Familie

Eine deutsche Politikerin ereilt ein Hilferuf aus Afghanistan. Via Sprachnachricht meldet sich eine junge Frau bei ihr und sucht um Hilfe, da ihrer Familie die Evakuierung unmöglich gemacht wird - und zwar durch das Auswärtige Amt!

Hilferuf via Sprachnachricht: Auswärtiges Amt behindert Evakuierung von deutsch-afghanischer Familie
Weiterlesen
Weiterlesen

Die Grünen-Politikerin und Bundestagskandidatin Jamila Schäfer erhält laut tagesschau.de am letzten Mittwoch den Hilferuf einer 19-jährigen deutschen Staatsbürgerin aus Kabul. In der Sprachaufnahme, die mittels eines Messenger-Dienstes bei der Politikerin landet, sind neben der Stimme der jungen Frau auch Schüsse zu hören.

Kein Durchkommen

Die Stimme der jungen Frau wird als verzweifelt beschrieben. Die Telefonnummer der Politikerin hat sie über einen gemeinsamen Kontakt erhalten und nutzt diesen Grashalm. Sie schildert die aussichtslose Situation ihrer Familie:

Wir sind gerade hier vor dem Nordgate. Sie lassen keinen durch. Die Amerikaner sagen uns, dass nur Amerikaner heute durchgelassen werden. Kannst Du bitte nachfragen und nachschauen, warum wir nicht durchgelassen werden und nachfragen, warum das so ist?

Die Bitte um Hilfe

Bereits seit dem 13. August, also zwei Tage vor der Machtübernahme durch die Taliban, versucht die Familie aus Afghanistan zu entkommen. Die 19-jährige Deutsche, ihr Bruder und ihre Mutter leben eigentlich in München und waren auf Verwandtschaftsbesuch in Afghanistan.

Die Tochter kontaktiert das Auswärtige Amt und bittet darum, mit ihrer Mutter und ihrem Bruder evakuiert zu werden. Sie verweist darauf, dass ihre Familie vor mehr als 19 Jahren bereits vor den Taliban flüchten mussten.

Bundesregierung gefährdet Leben der Familie

Glücklicherweise protokolliert die junge Frau das Gespräch mit, denn dieses Schreiben, das Report Mainz und dem Spiegel vorliegt, erklärt, aus welchem banalen Grund der Familie zunächst nicht geholfen wird:

Am Telefon sagte ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, dass nur mein minderjähriger Bruder und ich, nicht unsere Mutter ausgeflogen werden können. Unsere Mutter müsse in Kabul bleiben, weil sie keine deutsche Staatsangehörigkeit besitze. Das können wir nicht akzeptieren. Unsere Mutter lebt seit 20 Jahren mit uns in Deutschland. Sie hat einen Aufenthaltstitel. Mein Bruder und ich wollen unsere Mutter nicht zurücklassen. Wir bitten Sie, uns hier dringend herauszubringen.

Kein Zugang zum Flughafen

Durch den Kontakt mit Jamila Schäfer kann es endlich erreicht werden, dass auch die Mutter auf der Evakuierungsliste steht. Doch das nutzt der Familie herzlich wenig: Sie haben keine Möglichkeit mehr, um überhaupt sicher zum Flughafen zu gelangen.

Die Grünen-Politikerin übt deswegen lautstark Kritik an Bundesaußenminister Heiko Maas:

Die Familie wurde informiert. Es wurde gesagt, sie sollen zum Gate kommen, mit den Pässen winken, und dann werden sie reingelassen. Die Familie hat viermal versucht, sich Zugang zum Flughafen zu verschaffen und ist immer in eine komplett unübersichtliche, sehr gefährliche Situation gekommen.

Wie der kleinen Familie jetzt doch noch die Flucht gelungen ist, erfahrt ihr im Video.