Immer mehr Frauen leiden unter dem Gaslighting ihres Partners

Immer mehr Frauen leiden unter dem Gaslighting ihres Partners

Hast du schon einmal etwas von „Gaslighting“ gehört? Oder bist du gar selbst davon betroffen? Selbst wenn, ahnst du womöglich nichts davon, wie dein Partner dich über psychische Gewalt manipuliert. Was genau „Gaslighting“ ist, welche Opfer am anfälligsten sind und woran du erkennst, dass du dich selbst in einer solchen Situation befindest, haben wir im Artikel für dich zusammengefasst.

Die als „Gaslighting“ bezeichnete psychische und emotionale Manipulation ist weiter verbreitet und älter als oft angenommen. Die mit Gehirnwäsche vergleichbare geistige Einflussnahme besteht darin, den anderen zuerst mit Liebesbeweisen und Charmeoffensiven einzuwickeln und dann derart zu verunsichern, dass er an sich selbst zweifelt und seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr traut.

Anders als bei den perfiden Techniken „Mosting“ und „Ghosting“, bei denen der Partner plötzlich einfach untertaucht, kann Gaslighting sogar so weit führen, dass das Opfer sich letztendlich selbst zerstört.

Der Begriff stammt aus dem Film Gaslight

Soziopathen, die sich der Manipulationstechnik des „Gaslightings“ bedienen, verformen die Wahrheit nach ihrem Belieben. Das müsste im Opfer eigentlich Misstrauen hervorrufen - einer der häufigsten Trennungsgründe. Aber „Gaslighter“ sind geschickt: Sie stellen sich als Helfer und Retter in den Vordergrund und stören die Selbstwahrnehmung ihres Opfers, bis es an sich selbst, seiner Wahrnehmung und seiner geistigen Gesundheit zweifelt.

Der Begriff ist dem Film "Das Haus der Lady Alquist" mit dem Originaltitel "Gaslight" von George Cukor entnommen. Der Psycho-Thriller aus dem Jahr 1944 erzählt von einer Frau, die glaubt, verrückt zu werden. Hinter ihrem vermeintlichen Wahnsinn stehen die Machenschaften ihres heimtückischen Ehemanns. Der manipuliert für sein Vorhaben unter anderem die Gaslichter des Hauses, daher der Filmtitel. „Gaslighting“ hat sich daraufhin in der einschlägigen Literatur über mentalen Missbrauch als geläufiger Begriff durchgesetzt.

Wie merkst, dass du unter dem Einfluss eines Gaslighters stehst?

Der französische Nachrichtensender LCI zitiert die Psychologin, Psychoanalytikerin und Autorin Sarah Chiche: „Wenn du in einer Beziehung stehst und dich immer leerer fühlst, Angstzustände bekommst, immer bedrückter und unsicherer wirst und an dir zweifelst, während die Person, mit der du lebst, versichert, dass sie dich liebt und dir helfen will, dann musst du die Notbremse ziehen, denn du hast es aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem "Gaslighter" zu tun.“

„Es gibt Menschen, die beherrschen die Kunst, ihren Partner oder ihre Partnerin und sogar ihre Kinder auf diese Art zu verunsichern“, fügt Sarah Chiche hinzu. „Die Opfer zweifeln an ihren eigenen Worten oder an dem, was sie gehört haben, weil sie der "Gaslighter" mit seinen Unwahrheiten dazu bringt, sich selbst in Frage zu stellen und ihr Selbstvertrauen zu verlieren.“

Wie sehen potentielle Opfer von "Gaslightern" aus?

Potentielle Opfer von „Gaslightern“ sind vor allem isolierte Menschen, die keine Familie und keinen Freundeskreis haben. Menschen, die einen emotionalen Schock hinter sich haben, wie zum Beispiel eine Entlassung, eine Trennung oder einen Todesfall, gehören ebenfalls dazu. Und schließlich all die emotional Abhängigen, die ein krankhaftes Bedürfnis haben, geliebt zu werden.

Die Vorgehensweise eines "Gaslighters"

Zuerst einmal ist der "Gaslighter“ zuvorkommend und liebenswürdig, um sein Opfer um den Finger wickeln zu können. Hat seine Charmeoffensive funktioniert und steht das Opfer unter seinem Einfluss, beginnt er mit seiner Manipulationstechnik, bis das Opfer den Verstand verliert.

Warum tu ein Mensch das einem anderen aber an? Sarah Chiche erklärt: „Es bereitet dem Gaslighter eine gewisse Genugtuung, den anderen zu zerstören, ihm alles Mögliche vorzumachen und Macht über ihn auszuüben. Oft kommt dieses Bedürfnis aus seiner Kindheit“. Die Psychoanalytikerin fügt hinzu: „Das kann man nur werden und wird man, weil man selbst in seiner Kindheit mit Horror und Leere konfrontiert gewesen ist. Es ist hoffnungslos, einen Manipulator durch Liebe verändern zu wollen. Wer bei ihm bleibt, muss schon stärker sein als er.“

Nicht nur Frauen und Paare sind betroffen

Die Autorin vertritt die Ansicht, dass sich Männer dieser Technik nicht nur bedienen, um Frauen unterwürfig zu machen, sondern dass Gaslighting“ auch außerhalb der Paarbeziehung zur Anwendung kommt. Auch im Berufsleben lassen sich derartige Techniken beobachten, insbesondere zwischen Vorgesetzten und Angestellten. Bei Diktatoren, Demagogen, religiösen Führern und in der Politik ist diese Art der Manipulation mehr als geläufig.

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So entkommst du einem „Gaslighter“

Für Sarah Chiche liegt der beste Weg, einem „Gaslighter“ zu entkommen, immer noch in der Flucht - also erstmal in der Trennung. „Um da herauszukommen, muss sich das Opfer zunächst einmal mitteilen, in seinem breiteren Umfeld erzählen, was mit ihm geschieht, und dann auch zu einem Psychiater gehen, um sich therapieren zu lassen. Aus so einer Art von emotionaler Manipulation kommt niemand allein wieder heraus“, erklärt die Psychoanalystin. Als nächster Schritt kommt dann der Gang zur Polizei. „Nur das Gesetz kann so jemanden aufhalten und nichts anderes.“ Dein Partner ist kein „Gaslighter“ aber meint es trotzdem nicht ernst mit dir? An diesen sieben Anzeichen erkennst du, dass er dich für dumm und dämlich verkauft.

Simone Haug
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