Nach 100 gemeinsamen Jahren: Ältestes Liebespaar geht ab sofort getrennte Wege

Nach 100 gemeinsamen Jahren: Ältestes Liebespaar geht ab sofort getrennte Wege

Es ist wieder mal bewiesen: Liebesgeschichten nehmen meist kein gutes Ende. Selbst jene, die für die Ewigkeit zu sein schienen. Nach fast einem Jahrhundert der Idylle verkünden Bibi und Poldi das Beziehungsaus. Erfahrt, wie es zu der Trennung der zwei Galapagos-Riesenschildkröten, die uns das Herz bricht.

#trennungsalarm, #breakuparlert! Eine Liebesgeschichte, die allen Hoffnung schenkte, geht zu Ende. Es war nicht irgendeine Liebesgeschichte, sondern eine, die über ein Jahrhundert hielt. Die zwei Galapagos-Riesenschildkröten Bibi und Poldi, die im Reptilienzoo Happ in Österreich leben, haben sich für das Aus ihrer Beziehung entschieden. Und das nicht im Guten, wenn man den Betreibern des Zoos Glauben schenken darf. Denen zufolge können sich die beiden nämlich nicht mehr ausstehen.

Dabei hatte doch alles so schön angefangen

Es ist das Reisemagazin Atlas Obscura, Spezialist für Klatsch und Tratsch, das erstmals über die Riesenschildkröten berichtet. Die Schildkröten seien beide 1897 geboren und zusammen in einem SchweizerZoo aufgewachsen. Als sie in ihren 20ern sind, wird ihre Beziehung intimer. Eine Schwärmerei? Wohl kaum, denn noch in den 1970er Jahren, als die beiden Reptilien nach Österreich umziehen, können sie es nicht lassen, ihre Panzer aneinander zu reiben und zu tun, was Liebespaare eben so tun...

Ein glückliches und treues Paar

Sie schienen wie für einander gemacht: Poldi, ein schönes Männchen mit lebendigem Blick, der Streicheleinheiten im Nacken mag und Bibi, mit ihrer königlichen Haltung und ihrer geheimnisvollen Art, die ihr laut der Pittsburgh Post Gazette etwas von Greta Garbo verleiht. Außerdem teilten sie gemeinsame Interessen: Sich in der Sonne braten lassen und anschließend im Schatten entspannen, Tomaten-Orgien und vor allem ihre Herkunft.

Poldi und Bibi sind Galapagos-Riesenschildkröten, die alles andere als für ihre monogame Lebensweise bekannt sind. Bis zu 200 Jahre kann diese Spezies alt werden, und normalerweise nutzen die Schildkröten diese Zeit, um sich mit vielen verschiedenen Partnernauszutoben. Deshalb deuteten die Treue und Monogamie zwischen Poldi und Bibi auch stark auf ein Happy End hin... doch offensichtlich ist auch das Leben von Schildkröten kein Ponyhof.

Ärger im Paradies

Über mehrere Jahrzehnte erwärmt das Pärchen die Herzen der Besucher und Betreiber des Zoos. Bis zu jenem dunklen Tag im November 2011, an dem die Stimmung kippt. Als sich ein Tierpfleger dem Gehege der beiden nähert, muss er feststellen, dass Bibi Poldi bis aufs Fleisch gebissen hat. Auch wenn Schildkröten keine Zähne haben, ist ihr Kiefer so stark und ihr Schnabel so scharf, dass sie damit ernsthafte Verletzungen zufügen können. Aus Angst, die Situation könne aus dem Ruder laufen, sehen die Pfleger keine andere Möglichkeit, als die beiden Streithähne zu trennen, bis sich die Wogen wieder glätten würden.

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Von dieser traurigen Wendung, die sich bis heute keiner erklären kann, ergriffen, versuchen die Mitarbeiter des Zoos, den Streit des Pärchens, das sonst immer Panzer an Panzer schlief, zu schlichten. „Wir hoffen, dass sie im Frühling, wenn sie das erste Mal rausgehen, wieder zu einander finden," sagt Helga Happ, die Leiterin des Zoos, der mehr als tausend Tiere beherbergt, gegenüber der Wiener Zeitung.

Paartherapie

Über sieben Jahre hat man nun alles versucht: „Dates" arrangiert, um die alten Gefühle wieder aufleben zu lassen, eine Puppe von Poldi mit seinen Pheromonen imprägniert, damit Bibi, bei der man eine Depression befürchtete, sich wieder an ihn gewöhnen könne, Spiele, um die Beziehung wieder herzustellen... Doch nichts hat funktioniert. Und schließlich musste man sich eingestehen, dass es wirklich aus und vorbei ist. Bibi will nichts mehr von ihrem früheren Liebhaber wissen. Und wenn sich doch mal ihre Blicke treffen, „zischt sie wie eine Schlange," berichtet die Zoo-Leiterin betroffen.

Es bleibt dem Zoo nichts anderes übrig, als ihnen zwei eigene und durch eine Glasscheibe getrennte Häuser zu bauen. 

Wer weiß, vielleicht überwindet sich Bibi eines Tages und kann ihre erste und sehr lange Liebe mit einer Geste der Versöhnung zurückgewinnen...Doch bis dahin heißt es wohl warten.

• Lea Pfennig
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