"Seid einfach wahr und echt und real": Body-Positive-Influencerin Miriam Wagner im Interview
"Seid einfach wahr und echt und real": Body-Positive-Influencerin Miriam Wagner im Interview
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"Seid einfach wahr und echt und real": Body-Positive-Influencerin Miriam Wagner im Interview

Hashtags zum Thema Body Positivity und Selflove trenden immer häufiger in den sozialen Medien. Dass unserer Gesellschaft dennoch ein weiter Weg bevorsteht, weiß auch Vloggerin und Fotografin Miriam Wagner. Im Interview mit Ohmymag erklärt sie, warum sie für sich entschieden hat, abzunehmen und für Body Positivity zu kämpfen (s. Video).

Das ideale Frauenbild in Mode und Medien ist klar definiert: Frauen sollten schlank, dennoch vollbusig und vor allem gut aussehend sein. Damit wird allerdings nur ein kleiner Teil der Frauen unserer Gesellschaft abgebildet. Deswegen ist in den sozialen Medien ein regelrechter Kampf ausgebrochen. Ein Kampf darum, (Frauen-)Körper sämtlicher Formen und Farben sichtbar zu machen. Denn Modemagazine und auch die Medien nähren nach wie vor ein erschreckendes und unrealistisches Idealbild, wie frau auszusehen hat.

Hauptsache schön

Für Frauen ist vor allem eines wichtig: Sie sollen gut aussehen! Sie sollen natürlich sein, aber stets volle Wimpern und einen Kussmund haben. Sie sollen weiblich und reif sein, aber gleichzeitig glattrasiert am ganzen Körper sein. Sie sollen weibliche Formen haben, aber dennoch gerstenschlank sein. Diese Widersprüche lassen sich ewig fortsetzen.

Dem weiblichen Idealbild kann (und sollte es auch nicht wollen) kaum eine reale Frau entsprechen. Nur auf den Covern der Modemagazine und in der Werbung, mit viel Schminke und noch mehr Retusche ist das überhaupt möglich.

Unsichtbare Körper

Vor allem eine Körperart geht in der heutigen Welt unter, obwohl sie die Mehrheit aller Frauen betrifft: Adipöse Körper, also füllige Menschen. In den Medien sind Curvy People kaum vorhanden und wenn sie denn mal vorkommen, dann meistens in Verbindung mit Klischees, weiß Vloggerin Miriam Wagner:

Ich finde, dass Curvy-People in den Medien definitiv unterrepräsentiert sind. Und wenn, werden sie immer mit Klischees in Verbindung gebracht. Kurvige Personen sieht man ganz oft in Trash-TV-Formaten, sie werden oft als Arbeitslose dargestellt. Leider ist das so ein Klischee: Der Dicke, der lässt sich gehen, der ist nicht sehr schlau.

Gesundheitliche Gefahr

Miriam selbst ist heute schlank, dennoch weiß sie alles, was es an Klischees über adipöse Menschen gibt. Denn sie hat es am eigenen Körper erfahren und kämpft nach wie vor gegen diese Vorurteile an.

In ihrem Vlog I am Mia berichtet sie offen und transparent über ihre Entscheidung, sich vor einem Jahr den Magen verkleinern zu lassen. Für sie hat die Entscheidung damals gesundheitliche Gründe.

2010 hat sie erstmals eine Lungenembolie, die auf die Einnahme der Pille, ihr Rauchen und ihr Übergewicht zurückzuführen sei. So heißt es damals von ärztlicher Seite, ohne genauere Erklärungen.

Die Blutverdünner, die sie in Folge nehmen muss, sorgen dafür, dass sie noch mehr an Gewicht zulegt, bis sie ganze 150 Kilo wiegt.

Sämtliche Abnehmversuche scheitern. Erst nach ihrer zweiten Lungenembolie im Jahr 2016 wird festgestellt, dass ein Gendefekt daran schuld ist.

Daher fasst Miriam zu ihrem 30. Geburtstag die Entscheidung, sich den Magen verkleinern zu lassen. Und das nicht, weil sie schlank sein will, wie sie betont, sondern allein wegen ihrer Gesundheit.

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Let me title my 2019 Recap with the word "Metamorphosis" and my decade with "Survival" It's been a decade ago I became really really sick. As some of you know, (that follow or know me for a while now) i suffered from a lung embolism in 2010 that almost killed me. After the treatment I wasn't the same anymore. My weight and body literally exploded and while I've always been a curvy girl I had to experience something very new from there on - The life as a fat girl. Let me tell you from my point of view today. Yes, there is a thing called skinny privilege and there is a deeply routed hatred against overweight people in our society. Fat people are labeled and judged by the moment they walk in. You either are lazy or very sick. Stigma - Anywhere you turn. Heaps of people getting into your business, especially online. You often feel like you could be anything but please, don't be a fat chick (and yes your sex plays a role here) Today, as I lost a lot of weight due to a Gastric Surgery by the start of last year I see the other side. I live a privilege I never experienced before. I can turn "invisible" in public spaces, I don't get judged right away, I don't need to worry about furniture and public transportation. (yes, I broke chairs and didn't fit turnstiles.) It is the weirdest thing I ever went through. I want to tell you about this because it breaks my heart remembering talking about skinny privilege as a fat girl and noone would take it serious. Because, how would I know, right? Was I just talking from jealousy? Maybe now someone will listen and rethink. Rethink the way you judge obesity, the way you look at overweight people. The weight is just a result of a long chain you cannot grab. It's not the start of it. Thanks for your attention 💕✨ 📸:@virgin.i #recap #2019 #2020 #century #survival #metamorphosis #changes #stateofchange #weightlossjourney #weightloss #skinnyprivilege #stigma #fuckthestigma #showyourself #empowerment #body #bodytalk #bodyshaming #fatshaming #fatchick #obesity #gastricsurgery #gastricsleeve #effortyourbeautystandards #allbodiesarebeautiful #itsaloss #belly #overweightwoman #tattoedwomen #rethink

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Das kurvige Leben hinter sich lassen

Tatsächlich fällt ihr der Schritt nicht leicht, da sie sich in ihrem Körper (abgesehen von der gesundheitlichen Gefahr) wohl fühlt, es sogar zu schätzen weiß, dass sie in manchen Situationen aneckt.

Denn Miriam ist eine Powerfrau, die es darauf anlegt mit obsoleten Klischees in unserer Gesellschaft aufzuräumen. Erst ihre Fettleibigkeit führt dazu, dass sie sich über ihr eigenes Schönheitsideal bewusst wird:

Ich habe schon sehr früh angefangen, meinem Körper sehr viel anzutun, um eben schön und schlank und sozial akzeptiert zu sein, gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Das war mir früher extrem wichtig, bis ich halt sehr krank und sehr fett geworden bin. Ich musste mich tatsächlich damit auseinandersetzen, was Schönheit für mich bedeutet.

Wahre Schönheit kommt von innen

Und das, was wirklich zählt, ist das Innere. Der Körper sei nur eine Leihgabe, die man letztendlich hinter sich lassen wird. Das was wichtig ist, ist dass dieser Körper dazu genutzt wird, das innere Wesen, das "Ich", nach außen zu tragen.

Nur so kann man man selbst sein und eine schönste Form der Schönheit ausstrahlen: Sich selbst so zu akzeptieren und so zu lieben, wie man ist und das anderen zu zeigen. Davon seien viele Frauen nach wie vor meilenweit entfernt, sagt Miriam im Interview mit Ohmymag:

Ich sehe auch, dass für wie viele Frauen body positive zu sein leider kein Thema ist. Sondern sie sich halt gängigen Schönheitsidealen total unterlegen und sich selbst auch so ein bisschen geißeln und runter machen.

Selflove = Selfcare

Frauen, Männer und sämtliche Geschlechter dazwischen sollten lernen, sich selbst zu lieben, wie sie sind und ihr Äußeres nicht nach den Vorgaben aus Medien und Mode nachzumodellieren, um sich selbst schön zu finden.

Eine Message, die Miriam besonders am Herzen liegt und die vor allem junge Mädchen betrifft. Denn keine weitere gesellschaftliche Gruppe unterliegt dermaßen dem gesellschaftlichen Druck, dem weiblichen Schönheitsideal zu entsprechen:

Ich finde auch, junge Mädchen sehen nicht aus wie junge Mädchen. Weil sie alle aussehen wie Kardashian-Kopien. Diesen Mädchen würde ich eigentlich gerne sagen, dass sie auch sein dürfen wie sie selber einfach sind und keine Kopie von irgendwem darstellen müssen. Sondern sie am schönsten sind, wenn sie einfach wahr und echt und real sind.

Denn mehr sind wir nicht! Wir sind echt und real und wahr, wie wir sind und nicht wie wir sein sollen oder es wollen, weil wir den Druck dazu verspüren.

Es hat überhaupt keinen Sinn, wie eine andere Person aussehen zu wollen, damit leugnet man nur sein eigenes "Ich" und wird sein Leben lang womöglich unglücklich bleiben.

Deshalb müssen in den Medien auch andere, facettenreichere Körperformen sichtbar gemacht werden. Damit wir endlich erkennen, dass wir alle unterschiedlich sind und dass gerade in dieser Individualität unsere Stärke liegt.

Oben seht ihr das Interview mit Miriam im Video. Weitere Artikel rund um Body Positivity könnt ihr in unserer Themenreihe #mybody entdecken.

Von Sarah Kirsch
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