Darum kräuseln sich deine Haare bei Feuchtigkeit und Regen

Darum kräuseln sich deine Haare bei Feuchtigkeit und Regen

Wie oft schon hast du dich geärgert, weil du gerade vom Frisör kamst und ein paar Regentropfen deine schöne Frisur ruiniert haben? Es ist kein Geheimnis, sobald es draußen feucht ist, kräuseln die Haare… Doch warum eigentlich? Das erklären wir dir hier.

Eigentlich brauchst du gar keinen Wetterbericht, um die Luftfeuchtigkeit zu erfahren. Du brauchst nur in den Spiegel zu schauen und zu sehen, was dein Haar so treibt. Menschliches Haar reagiert sehr empfindlich auf Luftfeuchtigkeit, erklärt das Smithsonian Mag. Der Schweizer Naturwissenschaftler Horace Bénédict de Saussure nutzte im 18. Jahrhundert schon die Eigenschaft des menschlichen Haares, sich bei zunehmender Luftfeuchtigkeit auszudehnen, und erfand ein Feuchtigkeitsmessgerät, den Haarhygrometer.

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Bei einem Anstieg der relativen Luftfeuchtigkeit von Null auf 100 Prozent, verlängert sich ein Haar nach Expertenaussage um rund2 Prozent. Während glattes Haar bei hoher Luftfeuchtigkeit nur leicht wellig wird und sich auch nur leicht kräuselt, wird naturkrauses Haar und lockiges Haar dann erst so richtig kraus und verwandelt sich in einen unkontrollierbaren Wuschelkopf. Doch wie kommt es eigentlich, dass die Luftfeuchtigkeit einen solchen Einfluss auf das menschliche Haar hat? 

Aufgrund der chemischen Struktur des Haares

Um das zu verstehen, müssen wir uns mit der chemischen Struktur des menschlichen Haares befassen. Letztere lässt es ganz empfindlich auf den Wasserstoffgehalt in der Luft reagieren, der wiederum in direkter Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit steht. Unser zum Großteil aus langen Hornfasern bestehendes Haar setzt sich aus langen Keratin-Proteinen zusammen. Diese wiederum können auf verschiedene Weise miteinander verkettet sein.

Zwischen zwei Keratinsträngen stellen jeweils zwei Schwefelatome verbindende Disulfidbrücken starke Querverbindungen her. Die Anzahl und die Anordnung dieser Disulfidbrücken verleihen dem Haar seine Kraft und seine Form. Je mehr Disulfidbrücken ein Haar hat, desto belastbarer ist es. Die Disulfidbrücken des Haars sind wasser- und somit auch feuchtigkeitsunempfindlich. Im Gegensatz dazu sind die Wasserstoffbrücken innerhalb der Haarkeratinspiralen schwächer und auch nur flüchtig.

Sie lösen sich beim Trocknen, bilden sich durch die Einwirkung von Wasser und Luftfeuchtigkeit und lösen sich dann wieder erneut beim Trocknen. Genauer gesagt, die Wasserstoffbrücken bilden sich, wenn zwei sich nahestehende Keratinmoleküle von einem Wassermolekül (H2O) angezogen werden. In anderen Worten, wenn die Wasserstoffatome zweier Keratinmoleküle von einem Wassermolekül angezogen werden (daher die Bezeichnung Wasserstoffbrücke) und sich daher indirekt miteinander verbinden

Da feuchte Luft nun einmal mehr Wassermoleküle enthält als trockene Luft, bilden sich im Haar bei hoher Luftfeuchtigkeit oder bei Regen zahlreiche solcher Wasserstoffbrücken. Je mehr Wasserstoffbrücken sich zwischen den Keratinmolekülen einer Haarsträhne bilden umso mehr fällt die molekuläre Struktur des Haars in sich zusammen. Das Haar kräuselt, wird kraus und unkontrollierbar. 

Eine Kettenreaktion

Das Ergebnis dieser Strukturveränderung der Haare ist sehr schnell zu sehen. Lockiges oder welliges Haar wird bei Luftfeuchtigkeit noch lockiger oder welliger, wenn nicht sogar kraus. Trocknest oder glättest du dein Haar bei sonnigem Wetter, bleibt es glatt. Trocknest oder glättest du dein Haar bei feuchtem oder regnerischem Wetter, wird es durch die Aufnahme von Wassermolekülen jedoch schnell wieder kraus. Dein Haar kräuselt, sobald du den Kopf nach draußen steckst. 

Dieses Phänomen zu kontrollieren, ist inzwischen zu einer großenHerausforderung für sämtliche Hersteller von Shampoos, Conditionern, Lotions, Masken und sonstigen Haarpflegemitteln geworden. Oft versprechen sie glattes Haar trotz feuchtem Wetter. Das Vermeiden von kräuseligem und krausem Haar in dieser Branche hat sich zu einer riesigen Industrie entwickelt, denn Feuchtigkeit wirkt sich unabhängig von Textur und Form auf alle Haare aus, wenn sie auch mehr oder weniger stark darauf reagieren. So reagiert blondes oder gefärbtes Haar zum Beispiel viel empfindlicher auf Luftfeuchtigkeit als dunkles Haar.

• Sophie Kausch
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