Zero Waste: Kosmetikbranche muss 2019 umdenken

Zero Waste: Kosmetikbranche muss 2019 umdenken

Immer mehr Konsumenten legen Wert auf ökologische, umweltschonende Produkte – auch im Bereich der Kosmetik. Wenn die großen Hersteller ihre Kunden nicht verlieren wollen, müssen auch sie sich dem Trend zu "Zero Waste" anpassen. Doch was genau bedeutet das eigentlich?

"Zero Waste" bedeutet auf Deutsch „Null Müll“. Dementsprechend geht es darum, Abfälle weitestgehend zu vermeiden – und zwar in allen Lebensbereichen. Der Einkauf mit Jutebeutel statt mit Plastiktüte, der morgendliche Kaffee in der Thermoskanne statt im Einweg-Becher, die Klamotten aus dem Secondhandshop statt alle paar Wochen neu von einer großen Modekette. Jeder Verbraucher kann bei sich selber anfangen. Aber auch die Hersteller sind gefragt und reagieren auf den Trend: Seit einigen Jahren gibt es zum Beispiel immer mehr „Unverpackt“-Läden in deutschen Innenstädten, denn besonders der viele Plastikmüll macht den Konsumenten mehr und mehr Sorgen.  

Shampoo-Flaschen aus recyceltem Plastikmüll

Auch vor der Schönheitsindustrie macht der „Zero Waste“-Trend nicht Halt. Verpackungen reduzieren, Verpackungen wiederverwenden, den Lebenszyklus eines Produkts verlängern – all das sind Konzepte, die für die Beautymarken in den nächsten fünf Jahren Priorität haben werden.

Einige große Kosmetikhersteller haben den Schritt bereits gewagt. Das englische Unternehmen Lush hat seine ersten „Naked Shops“ eröffnet - also Filialen, die komplett ohne Verpackungen auskommen. Am Alexanderplatz in Berlin befindet sich der erste deutsche „Naked Shop“. Der amerikanische Großkonzern Procter & Gambler, der verschiedene Marken vertreibt, geht noch weiter: Einige Shampoo-Flaschen der Marke „Head & Shoulders“ bestehen seit Ende 2017 aus am Strand gesammeltem Plastikmüll. Laut Konzernangaben konnte damit pro Flasche 20 % Plastik eingespart werden. Und nach dem Gebrauch lässt sich die Flasche sogar erneut recyceln.

Wer den Trend verschläft, hat in Zukunft kaum eine Chance

Solche Initiativen scheinen die Konkurrenz wachzurütteln, zum Beispiel L’Oréal Paris, der derzeit größte Kosmetikhersteller der Welt, oder die Kosmetikabteilung von Unilever, die Marken wie Dove, Axe oder dusch das vertreibt. Die beiden Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, bis 2025 für all ihre Verpackungen nur noch recyceltes, wiederverwertbares und kompostierbares Plastik zu verwenden.

Dieser Wandel ist nötig, findet Andrew McDougall. Er ist teilhabender Geschäftsführer von Mintel Beauty & Personal, einer Unternehmensberatung im Kosmetikbereich. Er betont: „Einige Unternehmen überlegen bereits, ob es möglich wäre, komplett auf Verpackungen zu verzichten. Aber egal ob es darum geht, die Abfälle ganz zu beseitigen oder erst einmal zu reduzieren – wenn die Marken ihre Herangehensweise jetzt nicht ändern, dann versinken sie in der Bedeutungslosigkeit." Eine düstere Zukunftprognose für Faulspieler... 

Umweltbewusstsein als Geschäftsstrategie

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Doch Experte Andrew McDougall zeigt auf, wie es anders geht: "Wir stellen fest, dass einige unabhängige Marken bei nachhaltigen Kosmetikprodukten immer mehr die Oberhand gewinnen. Denn bei ihren Geschäftspraktiken stehen ethische Grundsätze und ein respektvoller Umgang mit der Natur im Mittelpunkt – sind der Markenkern des Unternehmens. Die großen Marken müssen sich etwas einfallen lassen, um mit ihren kleineren, aber wendigen und anpassungsfähigen Konkurrenten überhaupt noch mithalten zu können.“

In der Tat achten die Konsumenten von heute viel mehr auf ihren ökologischen Fußabdruck. Immer eindringlicher wird vor dem Klimawandel gewarnt. Die Bewegung „Zero Waste“ führt zu einem Umdenken in der gesamten Kosmetikindustrie. Sie muss mehr Verantwortung für die Umwelt übernehmen – und zwar an jedem Punkt der Lieferkette!

Lucia Salomon
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