Spanisches Gedicht an Berliner Hochschule soll verschwinden

Es ist ein Achtzeiler über Frauen, Blumen und Alleen - und angeblich frauenfeindlich. Deshalb soll das Gedicht, das haushoch an der Fassade der Berliner Alice-Salomon-Hochschule prangt, nun übermalt werden. Dichter und Kulturrat reagieren fassungslos.

Die Alice-Salomon-Hochschule will trotz internationaler Kritik das Gedicht an der Fassade übermalen - am Dienstag hatte der Akademische Senat mehrheitlich beschlossen, statt des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer künftig alle fünf Jahre einen neuen Poetik-Preisträger mit Verszeilen zu Wort kommen zu lassen.

Wie kam es dazu?

Angehörige der Hochschule hatten sich geäußert, dass Gomringers auf Spanisch verfasstes Gedicht „avenidas“ von Frauen als „diskriminierend“ empfunden werden könnte. Dabei gehe es im Speziellen um den Satz „avenidas y flores y mujeres y un admirador“ (Deutsch: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“), welcher Frauen nur zu Objekten der Bewunderung für Männer degradiere. Das ganze Gedicht lautet: „Alleen/Alleen und Blumen/ Blumen/ Blumen und Frauen/ Alleen/ Alleen und Frauen/ Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“.

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So reagieren Dichter und Kulturrat

Gomringer, Verfasser des besagten Gedichts, kritisierte die Entscheidung. Der 93-Jährige sagt: „Das ist ein Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie.“ Er behalte sich gegebenenfalls rechtliche Schritte vor. Auch der Deutsche Kulturrat, Spitzenorganisation von 250 Bundeskulturverbänden, reagierte „erschüttert“. Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, sagt: „Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass eine Hochschule, die selbst Nutznießer der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit ist, dieses Recht dermaßen mit Füßen tritt.“

Von der Redaktion
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